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07. August 2009 15:41 Uhr
Übergriff
Prügelattacke am Hauptbahnhof: Alle haben weggeschaut
Der brutale Überfall auf zwei junge Mädchen im Freiburger Hauptbahnhof ist aufgeklärt. Doch es bleiben Fragen: Warum half keiner den beiden Opfern? Warum fotografierte ein Mann das Ganze mit dem Handy – und griff nicht ein?
Die Prügelattacke gegen zwei Mädchen im Freiburger Hauptbahnhof ist aufgeklärt. Die drei Schlägerinnen haben sich der Polizei gestellt. Und doch bleiben Fragen: Warum hat niemand den beiden Opfern geholfen? Warum haben alle Passanten weggeschaut – bis auf einen: Der filmte oder fotografierte mit seinem Handy das Geschehen statt wenigstens einen Notruf abzusetzen. Am Ende mussten die beiden krankenhausreif geschlagenen 14-Jährigen selbst Polizei und Eltern verständigen.
"Es mangelt an Zivilcourage", urteilt Helmut Mutter, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion in Weil am Rhein, die den Fall bearbeitet. Niemand müsse sich selbst in Gefahr bringen, sagt Mutter. Aber in diesem Fall hätte es schon gereicht, wenn jemand über 110 die Polizei gerufen hätte – und versucht hätte zu verhindern, dass die drei Täterinnen flüchten können. Aber es wäre in diesem speziellen Fall wohl auch mehr möglich gewesen: "Ein kräftigerer Mann hätte ausgereicht, die Angreiferinnen zurückzuhalten", glaubt Mutter.
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JEDER KANN HELFEN
Die Polizei hat durchaus Verständnis dafür, wenn jemand nicht direkt eingreifen will. Dennoch kann man helfen: Wichtig sei, stehen zu bleiben und andere Passanten ebenfalls dazu zu animieren so etwas wie Öffentlichkeit herzustellen: "So kann man die Täter verunsichern", sagt Ulrich Brecht von der Freiburger Polizeidirektion. Zeugen sollten sich auch das Aussehen der Täter einprägen und die Richtung, in der diese flüchten.
Der Vorfall hatte sich am Dienstagabend gegen 18.25 Uhr im belebten Untergeschoss des Hauptbahnhofs ereignet – direkt an einer Notrufsäule, nahe eines Kiosks und neben verschiedenen Geschäften. Die beiden 14 Jahre alten Kaiserstühlerinnen hatten am Fotofix-Automaten noch gut gelaunt Bilder geschossen, als sie plötzlich und ohne jeden Grund von einem Trio von etwa gleichaltrigen Mädchen erst angepöbelt, beleidigt und schließlich brutal verprügelt wurden.
Die drei 14 und 15 Jahre alten Täterinnen haben sich am Donnerstag gestellt – eine Jugendbetreuerin hatte ihre Schützlinge zuvor aufgrund der auffälligen Personenbeschreibung erkannt und mit dem Fahndungsaufruf in der Badischen Zeitung konfrontiert. Alle drei Mädchen leben in Freiburg sind in der Polizei "teilweise hinlänglich bekannt". Sie haben die Tat gestanden, der "massiver Alkoholkonsum" vorausgegangen sein soll.
Die gute Nachricht: Die beiden verletzten Mädchen konnten am Donnerstag das Krankenhaus wieder verlassen.
Autor: Joachim Röderer


