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22. Januar 2011

Querelen lähmen das Gemeindeleben

Die jüdische Gemeinde hat derzeit keine legitimierten Ansprechpartner – mit weitreichenden Folgen für die Zukunft der Synagoge.

Querelen um Wahlverfahren sowie Entlassungen machen in der jüdischen Gemeinde den etwa 800 Mitgliedern das tägliche Gemeindeleben schwer. Die Probleme haben weitreichende Folgen: Die geplante Übergabe der Synagoge von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden an die Freiburger Gemeinde im Herbst war unterschriftsreif vorbereitet – dann aber fehlten legitimierte Vertragspartner seitens der Gemeinde.

Für die Stadtverwaltung geht es um etwa 550 000 Euro, mit denen sie die Übergabe der Synagoge an die örtliche Gemeinde unterstützen will. Unterstützt hat die Stadt einst auch die Ansiedelung der neuen Synagoge in Freiburg; die alte Synagoge war am 9. November 1938 von Nazis zerstört worden. Das Grundstück für den Neubau an der Nußmannstraße in der Innenstadt schenkte die Stadt 1970 der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden (IRGB), vertreten durch den Oberrat mit Sitz in Karlsruhe.

Erst 15 Jahre später wurde gebaut, unter anderem mit staatlich verbilligten Krediten, wie der heutige Oberratsvorsitzende Wolfgang Fuhl berichtet. 1987 wurde die Synagoge eingeweiht. Dazu gehört ein ganzer Gebäudekomplex mit Ladengeschäften und acht Wohnungen – was ungewöhnlich ist. Die Freiburger Synagoge ist allerdings nicht die einzige im Besitz der IRGB. Die versucht seit einigen Jahren, die Häuser in den Besitz der Gemeinden zu überführen, um Verwaltungskosten zu senken. Ungewöhnlich ist in Freiburg die hohe Verschuldung der Immobilie. Die Synagoge ist derzeit nach Auskunft des Oberratsvorsitzenden mit etwa 600 000 Euro belastet. Außerdem stehen bald Sanierungen in Höhe von rund einer halben Million Euro an.

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Im vergangenen Sommer hatten Rathaus und Oberrat vereinbart, dass die Stadt die Hälfte der Sanierungskosten sowie einen Teil der Hypotheken deckt: 300 000 Euro, verteilt über fünf Jahre. "Wir haben ein Interesse daran, dass die jüdische Gemeinde funktioniert", erklärt Walter Preker, Sprecher des Oberbürgermeisters. Die Schuldenlast hätte die Freiburger Gemeinde wohl sonst in wirtschaftliche Bedrängnis gebracht. Die Spitzen der Fraktionen im Gemeinderat haben bereits Unterstützung signalisiert. Beschließen muss das der Gemeinderat.

Doch nun liegt das Verhandlungsergebnis aufgrund personeller Querelen auf Eis. Wolfgang Fuhl, der als Vorsitzender des Oberrats kürzlich bestätigt wurde, hatte im Sommer Eli Kligler als kommissarischen Verwalter der Freiburger Gemeinde eingesetzt, der dann auch an den Verhandlungen mit der Stadt beteiligt war. Inzwischen aber hat das Schiedsgericht des Zentralrats der Juden die Einsetzung eines Verwalters kritisiert. Und wie Eli Kligler ist seit Jahresende auch Gemeinderabbiner Benjamin Soussan in ungeklärter Position: Ihm und der Gemeindesekretärin ist vom Restvorstand der jüdischen Gemeinde gekündigt worden. Ein Fall fürs Arbeitsgericht.

Autor: Julia Littmann