BZ-Interview

Ralf Fees übers Impro-Festival im Stadtgarten

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Mi, 15. Juli 2015

Freiburg

Zum 19. Mal macht der Musikpavillon im Stadtgarten einen auf Stadion: Dieser Tage findet dort das Freiburger Open-Air-Theatersport-Festival statt (Programm siehe Infobox). Ralf Fees hat dort am Freitag Premiere als Moderator des Finales: Erspielt wird an diesem Abend ab 19.30 Uhr der Titel des „Champignon“ – eine schnelle, schräge Improveranstaltung, bei der Vertreterinnen und Vertreter aus allen Teams durchwechseln und bei der am Ende einer der glückliche Champignon ist. Julia Littmann sprach mit Ralf Fees über Lust und Launen des Improvisierens.

BZ: Ist man als versierter Theatersportler aufgeregt, gibt’s gar Lampenfieber vor so einem Premierenauftritt – oder bleibt man gelassen, weil man auch Pannen mit Improvisation rausreißen könnte?
Ralf Fees: Man ist aufgeregt und man hat Lampenfieber. Das hat man gerade als Impro-Spieler eigentlich immer, denn ohne vorgegebenen Text und Handlung droht als "worst case" immer, dass man auf der Bühne steht und dran ist und es fällt einem nichts ein. Das passiert zwar nur höchst selten, aber es sitzt einem im Nacken. Und: dieses Lampenfieber hat ja auch was Gutes – es gibt einem die Energie und die notwendige Grundspannung. Und aufregend ist das erste Mal Champignon-Moderation natürlich auch, weil es eine reizvolle Herausforderung ist. Schließlich trägt man da viel Verantwortung für den ganzen Abschlussabend.
BZ: Was braucht es noch für ein gutes Impro-Spiel, außer dem Lampenfieber?
Ralf Fees: Man muss extrem aufmerksam sein für die Impulse der Mitspieler und der Zuschauer. Und man muss sich auf der Bühne schnell verändern können. Du darfst in einem Moment Rampensau sein, weil’s passt, aber im nächsten Moment musst du vielleicht völlig zurückgenommen agieren.
BZ: Was ist fürs Impro-Team auf der Bühne ein Bringer – und was für das Publikum?
Ralf Fees: Klingt komisch, ist aber so – es ist Flow, Harmonie, wenn man sich in einem Moment auf der Bühne komplett wohl fühlt und den Mitspielern geht’s genauso – da gelingen die genialsten Szenen. Und fürs Publikum, kommt mir vor, sind die Szenen mit Musik immer Knaller – die Leute lieben, wenn wir Songs improvisieren, das funktioniert immer.
BZ: Und was funktioniert gar nicht?
Ralf Fees: Naja, gar nicht gibt’s nicht. Aber schwierig ist oft, wenn wir für Auftritte gebucht werden, die als Unterhaltungsprogramm nebenher laufen, wo also die Leute nicht extra wegen Theatersport gekommen sind. Da lahmt dann manchmal die Kommunikation mit dem Publikum – das ist schwer, denn wir auf der Bühne sind auf den wachen Kontakt angewiesen.
BZ: Was ist eigentlich das Besondere am Theatersportfestival im Stadtgarten?
Ralf Fees: Umsonst und draußen, das zieht einfach, denn solche Veranstaltungen gibt’s viel zu wenig. Und toll ist natürlich für die Zuschauer, dass sie hier die ganze Unterschiedlichkeit, das ganze große Spektrum der Freiburger Impro-Gruppen innerhalb weniger Tage erleben können – das reicht eben von Theatersport bis zur Impro-Show.
BZ: Am Anfang war das Festival eine Art Geheimtipp, inzwischen ist eher ein Selbstläufer – wie ist es in diesem Jahr gestartet?
Ralf Fees: Extrem gut! Wir haben ein Spitzenwetter und sind super besucht! Dazu kommt, dass endlich auch die Versorgungslage im Stadtgarten wieder stimmt – das Café nahe dem Musikpavillon hat wieder geöffnet und das macht was aus.
BZ: Ein Tipp für Champignon-Anwärter?
Ralf Fees: Nichts anderes, als bei anderen Auftritten in diesen Tagen auch: Einen kalten Schluck trinken, nochmal tief durchatmen und dann mit Spaß auf die Bühne gehen! Und keine Sorge: Ihr habt ja dann mich als Moderator!

Ralf Fees, 48, stammt ursprünglich aus Herbolzheim. In Freiburg ist er Mitinhaber eines Piercing- und Tattoo-Studios. Er spielt leidenschaftlich gerne Tennis und macht seit zehn Jahren Theatersport. Aus einem Impro-Kurs bei Christian Schulz hatten sich damals spontan die Spontanellen zusammengetan. Ralf Fees hat mit seinem Team oft beim Theatersportfestival mitgemacht, außerdem ist er vier Mal als Kandidat für den begehrten "Champignon" angetreten – und hat ihn tatsächlich einmal gewonnen.