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17. Januar 2017

Namen machen Schule (12)

Reinhold Schneider war das "Gewissen der Nation"

Nach Reinhold Schneider, der von 1938 bis zu seinem Tod 1958 in Freiburg lebte, ist eine Grundschule in Littenweiler benannt. Die Nationalsozialisten hatten die Werke des Dichters verboten, konnten aber nicht verhindern, dass seine Sonette gelesen werden.

  1. Reinhold Schneider Foto: Fritz Eschen

Ihre Namen sind in der Stadt bekannt, schließlich heißen Schulen nach ihnen. Doch wer waren sie? In einer Serie stellen wir die Namenspaten vor – heute Reinhold Schneider, nach dem eine Schule in Littenweiler benannt ist.

Reinhold Schneider wurde am 13. Mai 1903 als Sohn eines Hotelier-Ehepaars in Baden-Baden geboren. Zunächst besuchte er das dortige Gymnasium. Eine unbeschwerte Jugend war ihm nicht vergönnt, kurze Zeit nach seinem 19. Geburtstag erschoss sich sein Vater. Dieses einschneidende Ereignis warf ihn derartig aus der Bahn, dass er ebenfalls versuchte, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Nach seiner Ausbildung arbeitete Reinhold Schneider sieben Jahre lang in einer Buchdruckerei und -binderei in Dresden, bevor er sich als freier Schriftsteller in Berlin und Potsdam betätigte. Schneider reiste häufig, unter anderem nach Portugal, Spanien, Italien, England. 1938 ließ er sich in einer Villa im Freiburger Stadtteil Wiehre nieder – in jenem Jahr, in der seine Szenenfolge "Las Casas vor Karl V." erschien, in welcher er den mutigen Kampf des Priesters Las Casas gegen die Missionierungsmethoden der Spanier beschreibt. Die Kritik, die Schneider nach der Machtergreifung Hitlers am totalitären Staat übte, führte auch dazu, dass seine Werke verboten wurden.

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Dennoch konnten es die Nationalsozialisten nicht verhindern, dass während des Zweiten Weltkriegs vor allem seine Sonette heimlich gelesen wurden. Worte wie "Allein den Betern kann es noch gelingen/Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten", die er mit 33 Jahren verfasste, spendeten vielen Mut und Trost. 1945 wurde er wegen Hochverrats angeklagt, dem Kriegsende hatte er es zu verdanken, dass er nicht mit dem Tod bestraft wurde.

In den darauf folgenden Jahren wurde Reinhold Schneider als das "Gewissen der Nation" gewürdigt und mit vielen Ehrungen bedacht. Als in der neu entstandenen Bundesrepublik der Gedanke der Remilitarisierung aufkam, appellierte der strenggläubige Katholik an seine Landsleute, nach dem Krieg nicht schon wieder mit der Aufrüstung zu beginnen, sondern mit friedlichen Mitteln auf die Vereinigung Deutschlands hinzuarbeiten. Dieses Engagement und seine Aufsätze zum Frieden brachten ihm zwar den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1956 ein, aber auch politische Anfeindungen, in denen Schneider der kommunistischen Konspiration beschuldigt wurde.

Reinhold Schneider starb am 6. April 1958 an den Folgen eines schweren Sturzes und wurde auf dem Hauptfriedhof Baden-Baden beigesetzt. Sein Nachlass, der auch mehrere zehntausend Briefe enthält, befindet sich in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe.

Seit zehn Jahren steht die Reinhold-Schneider-Villa an der Mercystraße leer und hat seither für viele Schlagzeilen gesorgt. Die Treubau-AG hatte lange erfolglos versucht, das Objekt zu vermarkten, zuletzt hieß es, es gebe einen Interessenten. Für Kritik hatten zwei geplante Neubauten auf dem Grundstück und ein moderner Anbau an die Villa gesorgt. Nach Protesten präsentierte die Treubau 2015 als Alternative ein freistehendes Ärztehaus. Die Bauarbeiten für die Neubauten haben vergangenes Jahr begonnen.

Info: Reinhold-Schneider-Schule
Profil: Grundschule mit offener Ganztagsschule

Stadtteil: Littenweiler, Lindenmatten- straße 2
Lehrkräfte: 28
Schüler: 310

Autor: Ute Wehrle