Rettung ist nicht kriminell

Klaus Riexinger

Von rix (jki)

So, 15. Juli 2018

Freiburg

Der Sonntag Bis zu 2 000 Menschen auf Seebrücke-Kundgebung gegen das Sterben auf dem Mittelmeer.

Bis zu 2 000 Menschen haben gestern in Freiburg gegen das Ertrinken von hunderten Flüchtlingen im Mittelmeer demonstriert. Der Arzt des Rettungsschiffes Lifeline, Georg Albiez, forderte auf der Kundgebung den Rücktritt von Bundesinnenminister Horst Seehofer wegen unterlassener Hilfeleistung.


Kurz nach 12 Uhr hatte sich der Platz der Alten Synagoge in Freiburg gut mit Menschen gefüllt. Viele trugen Plakate, auf denen sie sich für Menschenrechte und Humanität aussprachen. Ebenso häufig waren orangene Rettungswesten zu sehen, die für die "humanitäre Katastrophe" im Mittelmeer stehen. Täglich legten in Libyen neue Schiffe mit Flüchtlingen ab, sagte Albiez, wenn sie in Seenot geraten, helfe ihnen jetzt niemand mehr. Der Arzt war bis zum Mittwoch dieser Woche mit der Lifeline im Mittelmeer auf einer "Irrfahrt" unterwegs, weil sie nirgends die Erlaubnis zum Landen bekamen. Letztendlich konnte das Schiff mit 234 geretteten Flüchtlingen in einen Hafen in Malta einlaufen. Horst Seehofer, sagte Albiez, habe selbst den 17 deutschen Besatzungsmitgliedern nicht helfen wollen. Weitere 220 Gerettete hätten sich auf Cargoschiffen bei der Lifeline befunden, sagte Albiez. Im Anschluss an den Arzt redete ein Syrer zu den Demonstranten. "Ich weiß nicht, was heute passiert in diesem Land", sagte er verzweifelt. Als er vor Assad, Islamisten und russischen Bomben aus Syrien floh, sei er mit offenen Armen in Deutschland aufgenommen worden. Heute seien die Grenzen geschlossen. Nach Schätzungen ertranken alleine im Juni 629 Menschen im Mittelmeer.

Am Freitag und am Samstag fanden in rund 17 weiteren deutschen Städten Demonstrationen des erst vor drei Wochen gegründeten Bündnisses Seebrücke statt. Markus Wichmann, Mitorganisator der Demonstration in Freiburg, sagte, es mache ihn wütend, dass nichts zur Rettung der Flüchtlinge im Mittelmeer unternommen werde. In Freiburg schlossen sich unter anderem Linke, Grüne, Jusos und Junges Freiburg den Protesten an.

Fast hätte es gestern zwei Demonstrationen zu diesem Thema gegeben. Beim ersten Treffen vergangenen Dienstag hatte ein Aktivist, der bereits eine Kundgebung auf dem Augustinerplatz angemeldet hatte, die politischen Forderungen der Veranstaltung deutlich weiter fassen wollen als viele der Mitstreiter. Eine Mehrheit beschloss daraufhin, eine eigene Veranstaltung auf dem Platz der Alten Synagoge anzumelden. Am Ende fand nur die statt – die Anmeldung für den Augustinerplatz wurde zurückgezogen.rix, jki