Rieselfeld-West als Option – wenn Dietenbach nicht klappt

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Mo, 16. März 2015

Freiburg

Wo soll der neue Stadtteil hin? Und wie kommt Freiburg an mehr Wohnungen? Bei der Kreismitgliederversammlung der FDP wurde über die Wohnungsnot diskutiert.

Diskutiert wurde über Wohnungsnot, die Abteilung Attacke hatte FDP-Stadtrat Patrick Evers übernommen: "Unter dieser Stadtverwaltung ist seit Jahren keine aktive Liegenschaftspolitik gemacht worden", sagte er, "wann schaltet sie endlich um in den Handlungsmodus?" Bei der Mitgliederversammlung seines Kreisverbandes sprach er am Freitag mit SPD-Ratskollegin Renate Buchen und Alexander Simon, dem Geschäftsführer der Vereinigung Freiburger Wohnungs- und Gewerbeunternehmen (VFW), über Freiburgs Problemthema Nummer eins.

Thema im Thema war natürlich das wieder in die Diskussion geratene Rieselfeld-West. Dort den neuen Stadtteil bauen? Evers: "Es spricht viel dafür, allein, weil die Fläche der Stadt gehört." Doch müsse man das juristisch prüfen. Für Rieselfeld-West hatten sich vor kurzem einige pensionierte Stadtplaner ausgesprochen (die BZ berichtete).

Renate Buchen plädierte allerdings dafür, erst mal über den anvisierten neuen Stadtteil Dietenbach zu entscheiden: "Noch dieses Jahr wird sich zeigen, ob Dietenbach wegen der Hochwasserproblematik, den vielen Eigentümern, Gas- und Stromleitungen und dem Lärm überhaupt wirtschaftlich darzustellen ist." Erst wenn diese Frage geklärt sei, könne man über Rieselfeld-West sprechen.

Man solle sich nicht auf die nächste Diskussion stürzen, meinte auch Alexander Simon, damit werde das Thema zerredet. Den Naturschutz für Rieselfeld-West aufzuheben, sei sowieso höchst schwierig, "aber kein No Go". Eine Bewertung, ob das überhaupt möglich wäre, wollten die Juristen Evers und Simon nicht abgeben. "Aber das Argument, das haben wir noch nie gemacht, ist rechtlich sicherlich nicht bindend", so Evers.

"Dietenbach mit mehr

Wohnungen ausstatten"

Doch bevor der neue Stadtteil in acht bis zehn Jahren kommt, müssen weitere Wohnungen her. Über die Gründe für die Misere waren sich die Diskutanten von vornherein einig: Die Stadtverwaltung habe viel zu lange nicht genug gemacht. "Sie tut ungeheuer viel bei der Planung, aber nichts wird umgesetzt", so Evers. Allerdings habe auch der Gemeinderat nicht immer Rückgrat bewiesen, wenn es um Nachverdichtung ging. Das zeige aktuell die öffentliche Diskussion um das nicht denkmalgeschützte "Amerikahaus" an der Habsburgerstraße. Der Bürgerverein Herdern wünscht, dass es nicht zugunsten von Wohnungsbau abgerissen wird. "Aber nur über mehr Geschosswohnungsbau können wir der Wohnungsnot Herr werden", glaubt Evers.

VFW-Geschäftsführer Simon plädierte dafür, die "astronomisch hohen Standards" beim Bauen zu senken und Teile des Flächennutzungsplans sofort fortzuschreiben. An der Elsässer Straße im Stadtteil Mooswald etwa sei Verdichtung möglich, auch wenn es Proteste geben werde: "Aber es kann nicht auf die Befindlichkeit Einzelner ankommen." Patrick Evers würde bestimmte Teile der Bauleitplanung an Private abgeben, "aber das ist ja ein Sakrileg". Und Renate Buchen findet, "wir müssen auch an geeigneten Stellen in der Stadt in die Höhe gehen sowie Dietenbach mit mehr Wohnungen ausstatten als gedacht".