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05. September 2017 18:34 Uhr

Fall Maria L.

Riesiges Interesse am Prozess gegen Hussein K. in Freiburg

Einer der größten Prozesse der Nachkriegszeit in Freiburg hat am Dienstag begonnen. Bürger und Journalisten standen Schlange vor dem Verfahren gegen Hussein K., den mutmaßlichen Mörder von Studentin Maria.

  1. Medienvertreter und Zuhörer mussten durch eine Sicherheitsschleuse. Foto: dpa

  2. Schon morgens um acht war der Andrang vor dem Landgericht groß. Foto: Ingo Schneider

  3. Kamerateams und Fotografen und der Angeklagte Hussein K. am Dienstag im Gerichtssaal. Foto: AFP

Längst nicht alle interessierten Bürgerinnen und Bürger kamen als Zuhörer am Morgen in den Gerichtssaal – zu groß war der Andrang. Anwesend beim Auftakt des Prozesses gegen den mutmaßlichen Mörder der Studentin Maria L. waren zudem 50 Journalisten von Print-, Online-, Hörfunk und Fernsehmedien aus dem In- und Ausland. Derweil sorgte ein großes Polizeiaufgebot und eine strenge Sicherheitskontrolle für einen reibungslosen ersten Verhandlungstag ohne Störungen.

Ab 6 Uhr standen Menschen Schlange, um in den Prozess zu kommen

Gertrud Frey, eine ältere Dame aus dem Stadtteil Haslach, ist extra um fünf Uhr früh aufgestanden, um eine Stunde später vor dem Landgericht in der Salzstraße 17 zu stehen und einen der begehrten 100 Plätze zu ergattern. Mehr stehen den Bürgern im größten Gerichtssaal der Stadt nicht zur Verfügung, und es gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Denn die restlichen 50 Plätze des Saales im zweiten Obergeschoss hat das Gericht bereits Ende Juli fest an Journalisten vergeben.


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Um sieben Uhr ist Gertrud Frey nicht mehr alleine auf der Salzstraße, und um kurz nach acht haben sich zwischen Café Manna und Augustinermuseum an mehreren Stellen Polizisten postiert. Währenddessen hat sich am Eingang des Gerichtsgebäudes eine fast 100 Meter lange Schlange auf dem Gehweg in Richtung Oberlinden gebildet. Die Polizisten müssen wenig später darauf achten, dass 30 Demonstranten, die nach und nach mehr werden, nicht mit den vorbeifahrenden Straßenbahnen kollidieren. Das auf der Straße wartende Publikum ist bunt gemischt, Alte und Junge, Männer und Frauen. "Ich bin hier, weil ich Jura studiere und mich das fachlich interessiert", sagt eine 19-Jährige etwa in der Mitte der Schlange. Sie studiere im zweiten Semester und gehe unvoreingenommen in den Prozess. Auch der 20 Jahre alte Robert, der wie fast alle Befragten nicht seinen vollen Namen in der Zeitung lesen möchte, ist Student, allerdings im Fach Maschinenbau. Zurzeit besucht er die Großeltern in Freiburg; er wolle so einen Prozess einfach mal direkt mitbekommen, bestimmte Erwartungen habe er keine, sagt der Münchner.

"Ich wollte die Person mal anschauen – wie der aussieht und wie er sich gibt." Zuhörerin im Prozess
Eine 68-jährige Frau sagt, dass sie vorhabe, häufiger zu dem bis Dezember terminierten Prozess gegen Hussein K. zu kommen, der die Medizinstudentin Maria L. am 16. Oktober 2016 vergewaltigt und getötet haben soll. "Ich wollte die Person mal anschauen – wie der aussieht und wie er sich gibt", sagt die 68-Jährige, die am Kaiserstuhl lebt.

Die Sicherheitskontrollen drinnen dauern lange. Alle, die zum Prozess wollen, müssen sich durch eine Glastür zwängen: Das gilt auch für den Pulk von Journalisten, für die im Saal zwar reserviert ist, die aber nicht anders dorthin gelangen. Sie alle müssen zusammengepfercht im Gang ausharren. Selbst für Prozessbeteiligte ist das Durchkommen schwer, gegen 8.40 Uhr quetscht sich Sebastian Glathe, der Verteidiger des Angeklagten, durchs Gewühl. An der Sicherheitsschleuse muss jeder wie am Flughafen seine Hosentaschen leeren und den Gürtel in ein Fach legen, mit in den Saal genommen werden dürfen nur kleine Taschen.

Draußen auf der Straße bieten etwa 50 Demonstranten linker politischer Gruppen einem halbem Dutzend AfD-Anhänger Paroli. Der Protest bleibt friedlich. Am Ende des ersten Prozesstages sagt Jurastudent Fabian Rudolf, er finde es ziemlich überraschend, dass der Angeklagte Angaben zu seiner Person gemacht hat und nicht nur Gutachter über sich hat sprechen lassen. Sein Eindruck: Der Tatverdächtige spricht glaubwürdig – und "er weiß, was er getan hat".



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Autor: Frank Zimmermann