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18. September 2009

Riskante Zwischenlösung

Die Sammlung des Adelhausermuseums lagert in der Kartaus / Wie feucht ist das Gebäude?.

Einen großen Wermutstropfen gibt es, wenn im Dezember das Adelhausermuseum als neues Naturmuseum wiedereröffnet wird: Die bislang bewilligten 265 000 Euro reichen nicht für eine komplette neue Dauerausstellung, sondern nur für die Einrichtung des Erdgeschosses. Für das obere Stockwerk wurde deshalb eine von der Uni Hannover konzipierte Sonderausstellung "eingekauft". Probleme bereitet die vorübergehende Lagerung der Tausende von völkerkundlichen und naturkundlichen Objekte in der Kartaus.

"Mir ist nicht so ganz wohl. Es ist ein ziemliches Risiko", sagt Ethnologin Eva Gerhards, die Leiterin des Naturmuseums, über das Zwischendepot in der Kartaus. Großes Problem in dem barocken Gemäuer aus den 1750er Jahren ist die Feuchtigkeit. Ein Großteil der 117 000 Exponate ist seit Juli in der Kartaus, in der bis Ende 2008 ein Pflegeheim untergebracht war, eingelagert, da das Adelhauserkloster, in dem sich der Völkerkundebereich des Adelhausermuseums seit 1931 befand, künftig vom Eigentümer des Gebäudes, der Stiftungsverwaltung, genutzt wird. Der Mietvertrag in der Kartaus gilt für drei Jahre – was diese Zwischenlösung kostet, will die Stadt nicht verraten. Dass die Kartaus eigentlich zu feucht für viele Objekte – vor allem für die ethnologischen aus Papier, Holz und Naturfaser – ist, wurde offenbar erst nach der Einlagerung klar. "Dass wussten wir vorher so nicht", versichert Gerhards. Die Folge: Mitarbeiter des Museums müssen nun häufig die Luftfeuchtigkeit und den Zustand der Exponate kontrollieren. "Das ist sehr arbeitsintensiv", weiß Gerhards. Gegebenenfalls müssen Luftentfeuchter aufgestellt und die Fenster zum Lüften geöffnet werden.

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Die alten Schauvitrinen waren nicht mehr präsentabel

Günther Rohrbach, stellvertretender Stiftungsdirektor, bestreitet allerdings, dass es in der Kartaus feucht sei. "Das ist mir völlig neu", wundert er sich über das Urteil ("besorgniserregend"), zu dem die Museumsverwaltung in einer Vorlage für die gestrige Sitzung des Kulturausschusses kommt. Die Stiftungsverwaltung habe selbst viele Kunstwerke dort deponiert, die Luftfeuchtigkeit betrage ideale 50 Prozent. Es habe lediglich einen Wasserschaden gegeben, der aber behoben sei.

Die Objekte aus dem Museum wurden nicht in speziellen Klimakisten verpackt, sondern, eingewickelt in säurefreies Seidenpapier, in Holzkisten und Kartons. "Eine Dauerlösung ist das natürlich nicht. Aber wir müssen jetzt damit leben", sagt der Direktor der städtischen Museen, Tilmann von Stockhausen. Auch Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach hält das Provisorium für vertretbar. Am 17. November soll im Gemeinderat über das neue Depot entschieden werden. Geplanter Baubeginn: Herbst 2010.

Das für 1,35 Millionen Euro umgebaute Naturmuseum in der Gerberau 32 wird bei der Eröffnung im Innern allerdings noch nicht sein endgültiges Aussehen haben. Denn die bewilligten 265 000 Euro reichen nur für die neue Foyereinrichtung mit Garderobe und die von der Berliner Gestaltungsfirma Gewerk entwickelte Dauerausstellung im Erdgeschoss. Um trotzdem im Dezember das ganze Haus öffnen zu können, wurde für das erste Obergeschoss bis Ende 2010 eine evolutionsgeschichtliche Sonderausstellung der Uni Hannover ausgeliehen. Im zweiten Obergeschoss finden wechselnde Sonderausstellungen statt. Zeit und Personal hätten für die große Lösung gefehlt, sagt von Stockhausen. Die alten, zum Teil asbestverseuchten Vitrinen seien – anders als ursprünglich geplant – gar nicht mehr verwendbar gewesen. "Die waren so nicht mehr präsentabel", so von Stockhausen.

"Es ist wichtig, dass das Museum wieder aufmacht. Viele Leuten vergessen einen sonst", ist Gerhards froh, dass die Obergeschosse nicht leer bleiben. Das findet auch Kulturbürgermeister von Kirchbach: "Es ist wichtig, dass der eingeschlagene Weg unumkehrbar ist." Dass das bewilligte Geld nicht reichen würde, sei seit Monaten klar gewesen. Rund 400 000 Euro werden für die restliche Einrichtung noch benötigt, schätzt er. "Im Doppelhaushalt 2011/2012 wollen wir das einbringen."

Autor: Frank Zimmermann