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28. Januar 2011 15:04 Uhr

Stadiondebatte

Robin Dutt hat genug von der "alten Hütte" und greift die Stadt Freiburg an

Ohne neues Stadion sei die Zukunft des Bundesliga-Standortes Freiburg in großer Gefahr, sagt Robin Dutt, der Coach des SC Freiburg. Der Trainer kritisiert die Stadt Freiburg und die Kommunalpolitik in ungewöhnlich scharfer Form.

Bislang hat er sich in der Debatte um ein neues Stadion für den SC Freiburg zurückgehalten, hat sich auf seinen Beritt – Spiel und Mannschaft – konzentriert. Doch jetzt meldet sich Trainer Robin Dutt erstmals zu Wort und kritisiert die Haltung von Stadtspitze und Gemeinderat zum Stadionneubau. In der Pressekonferenz des SC Freiburg am Freitagmittag machte sich der Trainer Luft: Bekommt der SC Freiburg kein neues Stadion, dann "ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass Freiburg in ein paar Jahren noch in der ersten Liga zu sehen ist – und in zehn Jahren auch nicht mehr in der zweiten Liga". Ihn ärgere, dass sich die Stadt einem Neubau verweigere, denn: "Ohne die erste Liga hat die öffentliche Hand doch viel weniger Geld." Trotzdem spiele der SC Freiburg nach wie vor in der "alten Hütte".

Den Standard halten

Dutt betonte, dass es ihm nicht um die Umsetzung einer Vision gehe. Sondern darum, "den Standard zu halten". Zwar sei das Badenova-Stadion von der Atmosphäre her eines der besten in Deutschland – doch eine absolute Servicewüste. Schlechte Anfahrtswege, zugig, und der Gang zur Toilette sei "auch kein Spaß" – das hätten ihm Zuschauer berichtet. Vor allem für die älteren Fans sei das Stadion eine Zumutung. Dutts Eltern beispielsweise, beide über 70, würden gerne zu den Heimspielen des SC kommen – doch die Anfahrt sei genauso beschwerlich wie die Zeit im Stadion. "Und die haben VIP-Karten".

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Freiburgs Nachbarn zeigen Interesse

Die Romantiker würden vor diesen Defiziten die Augen verschließen und sich einem Neubau verweigern. "Aber ein paar Nachbargemeinden sind ja eher unserer Meinung als die Stadt Freiburg", meinte Dutt dann auch süffisant und spielte darauf an, dass Ende vergangenen Jahres einige Freiburger Nachbarorte dem Verein gegenüber Interesse am Stadion bekundet hatten. Der SC-Coach bekräftigte, dass sich der SC Freiburg im Klaren darüber sei, dass er ein Stadion-Konzept mehrheitlich stemmen muss – nicht die Stadt. Aber viele andere, Mainz, Kaiserslautern, würden öffentlich bezuschusst. "Wir haben aber nicht einmal das Gefühl, dass wir politisch unterstützt werden. Das ist einfach bitter. Das ist frustrierend." Im vergangenen Jahr um diese Zeit habe es aus dem Rathaus geheißen, man rechne nicht damit, dass der SC den Klassenerhalt schaffe. "Das sind so Dinge, die enttäuschen."

Der SC Freiburg habe bei der Stadiondiskussion immer ein schlechtes Gewissen – "als ob wir was Unlauteres wollen. Ich als Trainer habe das Gefühl, dass du komisch angeschaut wirst, wenn du ein neues Stadion ins Gespräch bringst. Und das finde ich nicht gut, weil der SC Freiburg wahnsinnig viel für die Stadt im Imagebereich tut." Trotzdem heiße es immer es sei kein Geld für ein Stadion da: "Da werden Stammtischparolen rausgehauen, dabei wissen sie genau, dass sie profitieren – mehr, als dass sie uns unterstützen."

Gemeinsam eine Lösung finden

Dutt bekräftige aber bei aller Kritik auch seinen Wunsch, gemeinsam eine Lösung zu finden. "Wir müsse darüber diskutieren, was möglich ist – und nicht darüber, was nicht möglich ist." Als Beispiel dafür, dass ein Stadion sowohl modern als auch stimmungsvoll sein kann, nannte er die Imtech-Arena des HSV in Hamburg. "Ein großes Stadion mit einer tollen Atmosphäre." Dass er einen Neubau in Freiburg noch erleben wird, glaubt Dutt allerdings nicht.

Die Stadtverwaltung mit Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) an der Spitze lehnt einen Stadion-Neubau mit städtischer Unterstützung ab – die Stadt kämpft gerade mit einem Millionenloch im Haushalt. Auch wurde bislang kein geeigneter Standort gefunden. Eine vom SC in Auftrag gegebene, am Ende dann aber sehr dünne Machbarkeitsstudie brachte die Diskussion nicht weiter. Auch im Freiburger Gemeinderat ist eine Mehrheit für einen Stadionneubau derzeit nicht in Sicht.

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Autor: Alexandra Sillgitt