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28. September 2017

Scharfe Debatte ums Siegesdenkmal

Große Mehrheit im Gemeinderat folgt dem Vorschlag der Rathausspitze / Ideenwettbewerb der Kunstkommission ohne Bedeutung.

  1. Das Fundament fürs Siegesdenkmal direkt vor der Karlskaserne (links) wird derzeit gelegt. Foto: ingo schneider

Scharf und kontrovers debattierte der Gemeinderat am Dienstagabend, bevor feststand: Das Siegesdenkmal wird aufgestellt, wie es die Stadtverwaltung vorgeschlagen hat. Gegen die neun Stimmen von Unabhängigen Listen und JPG wird das Denkmal im November mit der Siegesgöttin Victoria zur Kaiser-Joseph-Straße hin aufgebaut. Vom Tisch sind diverse Empfehlungen der Kunstkommission. Ohnehin nicht mehr zum Tragen kamen Ergebnisse eines Ideenwettbewerbs, den die Kunstkommission ausgerufen hatte.

2011 hatte der Gemeinderat im Grundsatz entschieden, das Siegesdenkmal wieder aufzustellen. 2015 wurde über den Standort vor der Karlskaserne abgestimmt – offen blieb, wie genau das 1876 zu Ehren des siegreichen 14. Armeekorps errichtete Denkmal aufgestellt werden soll: auf einer Anhöhe oder ebenerdig, mit oder ohne Grünstreifen, mit Umzäunung oder ohne.

Bei diesem Thema wollte sich die städtische Kunstkommission einbringen. Erst kurz vor ihrer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im Juli habe man erfahren, dass das Siegesdenkmal bereits am 17. November wieder installiert werde, damit anschließend die Oberleitungen montiert und die Stadtbahn in der Vorweihnachtszeit wieder durch die Kajo rollen könne, sagt Kommissionsvorsitzende Angeli Janhsen. "Wir dachten, wir hätten bis 2018 Zeit." Laut Stadtrat Atai Keller (Unabhängigen Listen) sei der Zeitplan allein durch seine Nachfrage im Aufsichtsrat der Verkehrs-AG bekannt geworden.

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Mit dem Novembertermin aber war das Vorhaben der Kommission, einen Ideenwettbewerb für die Neuaufstellung auszurufen, eigentlich obsolet geworden. Die eingereichten Vorschläge konnten aus zeitlichen Gründen nicht berücksichtigt werden. Dabei wären die 14 eingereichten Ideen von hohem Interesse gewesen, urteilte Keller am Dienstag. Nicht nur Laien, sondern auch Experten hatten Vorschläge für eine unkonventionelle, zeitgemäßere Aufstellung eingereicht.

Eine solche war jedoch von den meisten Fraktionen nicht mehr gewünscht. Grünen-Rat Timothy Simms fand angesichts der Abstimmungen von 2011 und 2015, dass das Thema längst erledigt sei. Damals habe man die Chance vertan, das Denkmal in einem anderen, kritischeren Kontext zu präsentieren. Den Wettbewerb der Kunstkommission bezeichnete Simms als unseriös, da er weder mit Geld noch mit einem Auftrag des Gemeinderats ausgestattet gewesen sei.

Mahnmal oder ein Denkmal der Schande?

CDU-Fraktionschef Wendelin von Kageneck begrüßte eine historische Aufstellung. Das Denkmal sei Teil der Stadtgeschichte und auch als Mahnmal zur Erinnerung an das Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1871 zu verstehen. Das Denkmal sei Ausdruck "einer Schande", konterte JPG-Stadtrat Sergio Schmidt. Erinnert werde keineswegs an das Ende des Krieges, sondern an den Sieg über französische Freischärler. Das Denkmal drücke kriegerischen Nationalstolz aus, den man heute nicht mehr haben wolle. Michael Moos (UL) kritisierte, dass wie beim Platz der Alten Synagoge ein Ort an die Öffentlichkeit übergeben werde – ohne kritische Auseinandersetzung im Rat und ohne Beschilderung. Türkan Karakurt (SPD) gab sich selbstkritisch: Der Rat habe versäumt, sich rechtzeitig mit allen Aspekten zu befassen.

Wolf-Dieter Winkler (Freiburg Lebenswert/Für Freiburg) hätte das Denkmal exakt wie 1876 – mit Zaun und Grün drum herum – wieder aufgestellt: Touristen wollten die Überbleibsel der Vorkriegsstadt besichtigen, die Menschen die Geschichte ihrer Vorfahren nacherleben. Johannes Gröger (Freie Wähler) erklärte das ganze Thema für überflüssig und sprach von einer "überhöhten Diskussion", es gebe andere Probleme.

Autor: Frank Zimmermann