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09. Juli 2010 15:51 Uhr
Eilmeldung
Schauinslandbahn: Passagiere sitzen 3 Stunden fest
Schock in 40 Metern Höhe: Wegen eines technischen Defekts standen am Nachmittag plötzlich alle sechs Gondeln der Schauinslandbahn still – doch zum Glück waren nur drei von ihnen besetzt. Nach knapp drei Stunden setzten sich die Kabinen wieder in Bewegung.
Gegen 14.15 Uhr hatte eine Störungsmeldung einen Notstopp der Schauinslandbahn veranlasst. Insgesamt saßen elf Passagiere unterhalb der Mittelstation fest und brüteten fast drei Stunden lang in den aufgeheizten Gondeln. Außentemperatur an der Bergstation: 27 Grad. An der Talstation waren es sogar 29 Grad. Alfred Peter aus Bahlingen hing zusammen mit seiner Frau, dem Enkelkind und zwei Israelis.
"Es war sehr heiß", berichtet er. Angst hätten sie keine gehabt, allerdings sei der Junge nach einiger Zeit sehr unruhig geworden. "Zwischendurch war er am Durchdrehen, er schrie, sie sollen endlich wieder losfahren", erzählt der Rentner. Mit Mühe habe er sich wieder beruhigen können. "Uns irritierte, dass man uns in der Gondel kaum informiert hat. Irgendwann kam durch den Lautsprecher Musik, ich glaube aus dem Musical Cats."
In einer anderen Kabine saß Heike Ullrich mit ihren drei Söhnen – der Jüngste gerade einmal fünf Jahre alt. Ein Potpourri aus Werbung und Musik tönte aus den Lautsprechern, berichtet die Urlauberin aus Chemnitz. "Aber keine brauchbare Informationen." Über die Durchsage, wann der Shuttlebus von der Talstation zum Steinwasenpark fährt, konnte die Familie nicht einmal mehr schmunzeln.
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Als nähere Informationen ausblieben, rief Ullrich über Handy Ehemann Wolfgang an. Der war mit dem Familienhund im Wald unterwegs und rief bei der Polizei an. Erst von dem Beamten am Telefon erfuhr die Familie schließlich, warum die Bahn stillstand. Über eine Gegensprechanlage wie etwa in einem Aufzug verfügen die Gondeln nicht. "Die Kommunikation ist komplett einseitig", moniert Heike Ullrich – und ist mit dieser Meinung nicht allein.
Verlauf der Schauinslandbahn
"Angst hatte ich keine, aber mein Mann leidet an Bluthochdruck", berichtet Francine Schelkens aus Belgien. Vor allem die sengende Hitze habe ihnen beiden zugesetzt. Die Belgierin berichtet, dass erst nach einer halben Stunde die Durchsage kam, dass die Bahn in zehn bis 15 Minuten wieder fahren werde. Letztlich dauerte es noch mehr als zwei Stunden.
Dem technischen Leiter der Schauinslandbahn, Günter Voigt, zufolge gibt es im Fall eines Stillstands drei Durchsagen: Zunächst eine standardisierte, die über eine Störung informiert. Die zweite gibt Auskunft über die näheren Umstände, die dritte erfolgt nur im Fall einer Evakuierung und gibt entsprechende Instruktionen.
Gegen 16.58 Uhr setzte sich die Bahn mit 0,5 Meter pro Sekunde wieder in Bewegung – normalerweise sind die Gondeln mit vier Metern pro Sekunde unterwegs. Die letzte Kabine schwebte gegen 17.28 Uhr in der Talstation ein. Dort wurden die Passagier sie von den Rettungskräften in Empfang genommen, sofort abgeschirmt und erstversorgt. "Sie bekamen etwas zu trinken und wir haben ihren Kreislauf überprüft", sagt Adrian Probst von der Bergwacht Höchenschwand.
Nach ersten Erkenntnissen war laut Andreas Hildebrandt, Sprecher der Schauinslandbahn, an einer Stütze die Isolierung einer Rolle defekt, über die das Seil läuft. Dadurch wird stetig Strom geleitet, trifft dieser aus Widerstand, wird ein Alarm ausgelöst. "Für die Passagiere bestand aber keine Gefahr."
"Wir wurden gegen 14.55 Uhr alarmiert", berichtet Uwe Männel, Landesleiter der Bergrettung Schwarzwald. Weil man zunächst nicht wusste, ob vielleicht das Seil irgendwo aus einer Rolle gesprungen war, mussten alle sieben Masten zwischen Tal- und Bergstation kontrolliert werden. Dazu waren 42 Mitglieder der Bergwacht aus insgesamt neun Ortsgruppen von Waldkirch bis Todtnauberg im Einsatz.
Die Masten liegen teilweise in schwer zugänglichem Gelände. "Gleichzeitig stellten wir uns auch darauf ein, die Passagiere notfalls aus den Gondeln heraus zu holen", so Männel von der Landesleitung der Bergwacht. Nach drei Stunden war die Kontrolle beendet, die Gondeln konnten Richtung Tal gefahren werden.
- Rückblick: Defekt zwingt die Schauinslandbahn zum Stillstand (Juli 2009)
- Rückblick: Stromausfall am Schauinsland (August 2009)
Autor: Joachim Röderer, Felix Held, Alexandra Sillgitt, Simone Höhl


