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19. März 2011

Schmieren, spannen, schnurren

Seit das Wetter einigermaßen passt, haben die Fahrradwerkstätten der Stadt wieder Hochkonjunktur – ein Besuch in St. Georgen.

  1. Fahrradmechaniker Christoph Seßler Foto: Ingo Schneider

Früher war Ostern das magische Datum. "An Ostern haben die Eltern ihren kleinen Kindern ein Kinderfahrrädle gekauft", sagt Michael Mueller, "heute fängt die Saison an, wenn’s einen Tick wärmer wird." Dann holen die Freiburger ihr Rad aus dem Keller oder dem Unterstand – und stellen fest, dass es mal wieder gewartet werden könnte. Das ist die Zeit, in der Muellers Zweiradladen in St. Georgen zu brummen beginnt: "In den nächsten fünf bis sechs Monaten kann es sein, dass das Licht in der Werkstatt noch nachts um zwölf an ist."

An diesem frühen Morgen hängt schon das erste Damenrad fest vertäut von der Decke. Fahrradmechaniker Christoph Seßler, freundliches Lachen, kecke Haartolle, macht erstmal eine Sichtkontrolle: "Bremsbeläge okay, Bereifung okay." Bei einer normalen Inspektion werden alle sicherheitsrelevanten Teile überprüft: Funktionieren die Bremsen? Laufen die Räder rund, haben die Reifen noch Profil? Greift die Schaltung? Wie sieht’s aus mit dem Licht? Das blaue Damenrad, findet der 26-Jährige, ist noch ganz gut in Schuss, ein bisschen vernachlässigt vielleicht. Vor allem die Kette ist ziemlich verschmiert und widerspenstig. "Kein Wunder nach diesem Winter", meint sein Chef Michael Mueller, "Streusalz und Wasser, das kriecht Ihnen überall rein." Deshalb sein Tipp: Immer schön waschen. Kettenspray ist erstaunlicherweise nicht immer die Patentlösung. "Es heißt zwar: Wer gut schmiert, fährt gut", sagt Mueller, "doch Kettenspray bleibt zwar haften und lässt die Kette schön rund laufen, aber der Dreck bleibt eben auch haften – das wird dann schnell eine ganz zähe Pampe." Seßler schraubt derweil die Kettenschutzscheibe ab, die in traurigen Resten herabhängt. Das Plastik leidet unter der UV-Strahlung und zerbröselt – "aber", sagt Seßler tröstend, "die braucht man ja nicht unbedingt."

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Seit 1984 betreibt Michael Mueller seinen Zweiradladen, erst im Stühlinger, seit dem Jahr 2000 in St. Georgen. "Alles rund ums Rad" ist das Motto des Zweiradmechanikermeisters, und so kann man hier sein Rad nicht nur reparieren lassen, sondern auch Räder für jede Gelegenheit kaufen, sich individuelle Bikes zusammenschrauben lassen, sie finanzieren, Versicherungen dafür abschließen oder, wenn’s mal dringend ist, einen Schlauch aus dem Schlauchautomaten ziehen, der draußen vor dem Laden steht. Auch Elektrobikes bekommt man hier – wobei, findet Mueller, der Hype um die E-Bikes etwas übertrieben ist: "Der Verkauf von E-Bikes macht 5 bis 8 Prozent des Umsatzes aus, aber klar: Das kommt immer stärker." Bei der Handwerkskammer Freiburg sind 19 Zweiradmechaniker in die Handwerksrolle eingetragen, die meisten arbeiten mit Fahrrädern. Allerdings gibt es weit mehr Geschäfte, in die die Freiburger ihre Räder zur Frühjahrswartung bringen können: Wer mit Rädern handelt und nur im Nebenbetrieb eine Werkstatt betreibt, muss keinen Meister haben.

Christoph Seßler hat inzwischen einen kleinen Achter am Vorderrad korrigiert, jetzt spannt er die Speichen am Hinterrad, gleich werden noch die Züge geschmiert. 5000 Reparaturen im Jahr, schätzt Mueller, machen sie hier in der Werkstatt im Jahr. Jetzt wird noch das Schutzblech im richtigen Abstand justiert, dann holt Seßler das Rad herunter und schwingt sich für eine Probefahrt drauf. Tatsächlich, er findet noch etwas: Die Bremse quietscht. Schnell mit ein bisschen Schmirgelpapier am Reifen entlang – fertig. Rund eine Stunde hat die Wartung gedauert. Auf der Heimfahrt schnurrt das blaue Damenrad zufrieden vor sich hin.

Zweirad Mueller, Am Mettweg 34 in St. Georgen, montags bis freitags 9 bis 12.30 Uhr und 14.30 bis 18.30 Uhr, samstags 9 bis 13 Uhr, Mittwoch Nachmittag geschlossen; 0761/4768256, www.mueller- bikes.de

Autor: / Von Simone Lutz