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13. Januar 2010 07:25 Uhr
Internetzugang
Hier klemmt es beim DSL-Ausbau in Südbaden
Emmendingen, Kleines Wiesental und Ibach mit Dachsberg: In Südbaden klaffen noch immer Lücken im DSL-Netz. Viele Menschen sind nicht nur privat von schnellem Internet abgeschnitten. Auch Geschäftsleute haben Nachteile.
"Schnelles Internet muss man heute im gleichen Atemzug als infrastrukturelles Grundbedürfnis mit Straßen und Kanalisation nennen", sagt Helmut Kaiser. Er ist Bürgermeister der beiden Schwarzwaldgemeinden Ibach und Dachsberg. Dort liegen noch keine schnell ausgebauten Glasfaserkabel im Boden mit denen sich die riesigen Mengen modernen Internet-Datenverkehrs bewältigen lassen. Aber nicht nur dort fühlen sich Menschen und Gewerbebetriebe von der Technik abgehängt. Auch in der Schwarzwaldgemeinde Kleines Wiesental und sogar in einer Kreisstadt Südbadens, Emmendingen, klemmt es beim Ausbau der Internetleitungen.
Ibach und Dachsberg
Die Gemeinde Ibach hängt am Ortsnetz von St. Blasien. Von dort aus endet die DSL-Leitung in Mutterslehen, das noch voll versorgt ist. Nach Oberibach reicht nur noch eine "DSL-light"-Grundversorgung (364 kbit pro Sekunde). In den südlichen Ortsteilen (Unteribach) sind die Menschen komplett ohne DSL-Anschluss. Auch eine Anbindung mit Funk-DSL gibt es nicht. "Dafür hat es zu wenige Interessenten dort", sagt Bürgermeister Helmut Kaiser. So will auch kein regionaler Dienstleister die Versorgungslücke schließen.
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In Dachsberg überschneiden sich die Endstücke zweier Ortsnetze: die von Weilheim und von St. Blasien. Entsprechend sind die südlichen Ortsteile mit DSL 1000 und 2000 versorgt, die nördlichen lediglich mit der DSL-Grundversorgung. Abgelegene Bereiche jenseits der Gemarkungsgrenzen erreichen private Anbieter mit Richtfunkantennen. Die Anbindung auf diesem Weg gilt allerdings als unzuverlässig.
"Wir sehen eine nachhaltige Lösung des Daten-Infrastrukturproblems nur in der Verlegung moderner Glasfasernetze", betont Bürgermeister Kaiser. Deshalb verlegt die Gemeinde im Ort gleichzeitig mit neuen Wasserrohren auch Leerrohre für eine künftige Glasfaser-Erschließung.
Außerdem gibt es in Dachsberg und Ibach die Möglichkeit des Anschlusses an ein Satelliten-DSL. Eine Übergangslösung, glaubt Helmut Kaiser. Trotzdem: "Im Zweifelsfall ist das besser als gar nichts."
Emmendingen
Der DSL-Hauptverteiler liegt in der Innenstadt. Das reicht aber nicht, um alle rund 12.000 Haushalte zu erreichen. Eine Umfrage der Stadt unter den Bürgern ergab, dass es vor allem im südöstlich gelegenen Neubaugebiet Jägeracker noch klemmt. Eine Kostenschätzung der Deutschen Telekom zeigt, dass der Ausbau des Leitungsnetzes im gesamten Stadtgebiet mit rund 500 000 Euro zu Buche schlagen würde. Derzeit arbeitet ein externer Gutachter an einem Breitbandkonzept für die Stadt.
Kleines Wiesental
Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz Fehlanzeige. Allerdings müssen selbst Einwohner in den entfernten Ecken des Wiesentals nicht gänzlich auf relativ schnelles Internet (1000 kbit pro Sekunde) verzichten. Funknetz heißt das Zauberwort. Zwei regionale Anbieter teilen sich die Versorgung der acht Ortsteile. "Zum Teil müssen aber noch Funkmasten versetzt werden, um auch die entlegenen Seitentäler zu erreichen." So wie den Ortsteil Neuenweg. In der Versorgungskarte des Landes Baden-Württemberg, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie erstellt, ist der Ort der letzte weiße Fleck. Das spürt Ingrid Rützler, die dort einen Bauernhof mit Pension hat, täglich: "Das Funknetz kann an einem Morgen funktionieren, am nächsten ist es wieder weg." Das hat auch Auswirkungen auf das Geschäft. Einmal, erzählt Ingrid Rützler, habe ein Gast schon abreisen wollen, weil weder Internet noch Handy Empfang gehabt hätten.
Für schnelles Internet braucht es allerdings nicht zwingend ein modernes Glasfaserkabel im Untergrund. Für die Erschließung des ländlichen Raums gibt es verschiedene Zwischenlösungen, die aber auch alle ihre Nachteile haben und zum Teil deutlich teurer sind als die gängigen DSL/Telefon-Pauschalangebote in den dicht besiedelten Regionen.
Satellit
Vorteil: praktisch flächendeckend verfügbar, falls keine Gebäude den Horizont verstellen.
Nachteil: langsame Reaktionszeit wegen der Signallaufzeit zwischen Satellit und Erde.
Kosten (DSL 6000): 30 bis 60 Euro pro Monat.
UMTS
Vorteil: totale Mobilität – das Empfangsgerät ist ein Ansteck-Stift.
Nachteil: Auch das UMTS-Netz hat Lücken im ländlichen Raum, unter Umständen Funkbelastung.
Kosten: 20 bis 30 Euro pro Monat.
TV-Kabel
Vorteil: Verfügbarkeit. In 99 Prozent des TV-Kabel-Netzes ist laut Kabel Baden-Württemberg Breitband-Internet möglich. Mitte des kommenden Jahres sollen zudem alle Kabelanschlüsse 100 MBit pro Sekunde empfangen können.
Nachteil: Für TV-Kabel und Glasfaser gilt gleichermaßen: Sie liegen eher in der Stadt als auf dem Land.
Kosten (DSL 6000): 15 bis 30 Euro pro Monat.
W-LAN
Vorteil: Im großen Stil lassen sich mit W-LAN-Technik umfangreiche Funknetze einrichten, die ganze Gemeinden mit Breitband-Internet versorgen.
Nachteil: In bergiger Umgebung sind oft mehrere Antennen notwendig. Außerdem sind die Auswirkungen von Funkstrahlung auf den Menschen umstritten.
Kosten (DSL 1000): rund 30 Euro pro Monat.
WIMAX
Vorteil: Die Lizenzinhaber bauen derzeit noch das Netz aus. Es soll einmal deutlich größere Reichweiten und Bandbreiten als W-LAN bieten.
Nachteil: Geringe Verfügbarkeit, unter Umständen Funkbelastung.
Kosten: noch unklar.
- Über- und Ausblick: Der weiße Fleck muss weg
- DSL-Glossar: Leicht erklärt: Kilobits, Glasfaser und DSL
Autor: Bastian Henning
