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10. Februar 2012
Schreibtisch aus Büchern
Die Arbeitsplätze in der Universitätsbibliothek in der Stadthalle reichen derzeit nicht aus.
Samstag, 14 Uhr: Die UB 1 in der alten Stadthalle ist hoffnungslos überfüllt. Freie Arbeitsplätze gibt es schon seit ein paar Stunden nicht mehr. Überall sitzen Studenten auf dem Boden. An Regale oder Geländer gelehnt, die Bücher und Laptops auf dem Schoß, lernen sie für die anstehenden Prüfungen. Die Universität Freiburg bemüht sich bereits, mehr Arbeitsplätze zu schaffen – für dieses Semester kommt die Abhilfe aber zu spät.
"Es ist ziemlich unbequem, den ganzen Tag auf dem Boden zu hocken", beschwert sich Lara Kaiser. Die Studentin im ersten Semester sitzt mit angezogenen Beinen auf dem Teppichboden und blättert in ihren Unterlagen. "Zwei Stunden lang geht das ja, aber dann tut einem alles weh", ergänzt ihre Freundin Alice Hübener, die neben ihr lernt. Beide ärgern sich über die chaotische Situation in der UB 1: "Wie konnte man nur denken, dass sich die Stadthalle als Übergangslösung für mehrere Jahre eignet? Für knapp 23 000 Studenten ist hier einfach nicht genug Platz."Im Jahr 2008 musste die Universitätsbibliothek wegen der Sanierung des alten Gebäudes am Platz der Universität in die Stadthalle an der Schwarzwaldstraße übersiedeln. Seitdem stehen deutlich weniger Arbeitsplätze zur Verfügung: Während es in der alten Bibliothek noch 1200 Plätze gab, müssen sich die Studenten in der Stadthalle bei steigenden Studierendenzahlen mit 900 Plätzen begnügen. Jetzt im Februar, wenn das Semester zu Ende geht und die Klausuren-Phase beginnt, wird es eng und unruhig. Am schlimmsten sei die Lage am Wochenende zwischen 11 und 18 Uhr, erzählt Biologie-Student Sebastian Müller-Runte, der gerade für seine Genetik-Prüfung lernt. Dies dürfte daran liegen, dass die meisten kleineren Institutsbibliotheken am Wochenende geschlossen sind oder nur am Samstagvormittag öffnen. Es gibt also kaum Ausweichmöglichkeiten, die Studenten sind auf die Arbeitsplätze in der UB 1 angewiesen.
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Denn für viele von ihnen kommt es trotz des Platzmangels nicht in Frage, zu Hause in der WG zu lernen: "In der UB gibt es wenigstens keine Ablenkung durch Mitbewohner, Fernseher oder Kühlschrank", erklärt Alice Hübener und lacht. In der Not werden die Bibliotheksbesucher erfinderisch: Sebastian Müller-Runte ergatterte einen kleinen Hocker und sitzt nun vor einem leeren Regal, das ihm als Arbeitsunterlage dient. Ein paar Reihen weiter baut sich ein Student einen Schreibtisch aus dicken Gesetzbüchern.
Für die Universität ist das Platzproblem in der UB 1 nicht neu. Pressesprecher Rudolf-Werner Dreier vermutet, dass der erhöhte Bedarf an Arbeitsplätzen zum Semesterende auch mit der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge zusammenhängt. Denn anders als noch bei Diplom und Magister schließen die neuen Studiengänge jedes Semester mit Prüfungen ab. Bereits im letzten Jahr habe man daher versucht, dem Platzmangel entgegenzuwirken und erweiterte die Öffnungszeiten des Lesesaals im Kollegiengebäude IV in der Rempartstraße: Seit vergangenem Juli lernen die Studenten hier auch am Wochenende bis 20 Uhr. Der derzeitige Ansturm auf die UB 1 zeigt jedoch, dass die zusätzlichen Arbeitsplätze im KG IV nicht ausreichen. Laut Pressesprecher Dreier plant die Universität deshalb weitere Maßnahmen. Angedacht sei die Verlängerung der Öffnungszeiten von drei zusätzlichen Institutsbibliotheken: Die Lesesäle für Geographie, Forst- und Umweltwissenschaften sowie Physik könnten am Wochenende fortan von 10 bis 18 Uhr ihre Türen öffnen.
Ob und wann diese Neuerung in Kraft tritt, hänge aber noch von finanziellen Fragen ab, sagt Dreier. Durch die verlängerten Öffnungszeiten entständen zusätzliche Kosten in Höhe von 7000 Euro pro Monat, etwa für den Wachdienst und das Bibliothekspersonal. Das Geld müsste aus den sogenannten Qualitätssicherungsmitteln entnommen werden, die das Land Baden-Württemberg den Universitäten zum Ausgleich der wegfallenden Studiengebühren ab dem kommenden Sommersemester zahlt. Über die Verwendung dieser Mittel entscheidet ein Gremium aus Vertretern der Universität und der Studierendenschaft. Die endgültige Zusammensetzung dieser Kommission beschließt der Senat in seiner nächsten Sitzung Ende Februar.
Zumindest in diesem Semester müssen sich die Studenten also mit dem Platzmangel abfinden.Wer noch etwas länger studiert, kann sich bereits auf die neue Bibliothek am Rotteckring freuen, die voraussichtlich Ende 2013 fertig gestellt wird: In dem Neubau soll es mit 1700 Arbeitsplätzen deutlich mehr Raum zum Lernen geben.
Autor: Änne Seidel
