Schüler demonstrieren gegen den Verbrauch von Plastiktüten

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Di, 24. April 2012

Freiburg

22 Schülerinnen und Schüler kamen mit Teppich auf den Augustinerplatz: "Wir kehren nichts drunter – wir klären auf!".

Ein fünf mal zehn Meter großer Flickenteppich war gestern Mittag auf dem Augustinerplatz ausgelegt: 500 Plastiktüten hatten die 22 Schülerinnen und Schüler der 6a und 6b der Pestalozzischule zusammengeklebt. Im Gespräch mit Passanten erklärten die Zwölfjährigen, dass der Bundesbürger im Durchschnitt 500 Plastiktüten pro Jahr verwende. Mit ihrer Aktion wollten sie die Ausmaße dieses unbedachten Verhaltens sichtbar machen. Im Mai werden Teppich und Passantengespräche im Rahmen des "Ich tu’ was"-Umweltwettbewerbs bei der Stadt eingereicht.

"Was glauben Sie", fragt Leonita Neziraj, "was gibt’s mehr im Meer – Plastik oder Plankton?" Die Dame denkt kurz nach und rät: "Plankton!" Falsch. Gleich vier Schülerinnen aus der 6. Klasse der Pestalozzischule wissen es besser: "Sechs Mal mehr Plastik ist inzwischen in den Ozeanen!" Und während sich Plankton nur langsam vermehrt, fügt Duygu Sahin hinzu, wachsen die Plastikmüllberge viel schneller. Die werden häufig einfach so in die Landschaft gekippt, erklärt Leon Suljkic, und die verrupften Reste von Plastiktüten landen dann im Meer. Gegen die verschwenderische Plastiktüten-Umweltverschmutzung würde zum Beispiel helfen, wenn man die Tüten sammelt und wieder verwendet. In der Regel aber, das haben die Schülerinnen und Schüler gelernt, ist eine Plastiktüte kaum 25 Minuten im Einsatz – bevor sie fälschlicherweise im Hausmüll landet oder im Rinnstein.

Eva Georg vom Verein "Planetenkinder" hat für das Plastiktütenprojekt zur Einführung eine Doppelstunde gehalten. In der haben die Kinder gelernt, dass Plastiktüten aus Erdöl gemacht werden – und dass es gut 400 Jahre dauert, bis sie sich zersetzen. "Es ist irre, wie viel die Kinder hier wissen", attestiert das Berliner Touristenpaar Lange. Die beiden leben ohnehin äußerst umweltbewusst – und halten zum Beweis gleich die Stofftasche hoch, die ihre bescheidenen Einkäufe enthält. "Das Problem sind ja nicht nur die Plastiktüten, in denen die Menschen ihre Einkäufe heimtragen", ergänzen die beiden Berliner die Auskünfte der Projektteilnehmer, "das Problem sind die Einkäufe selber. Wir haben mit diesem Shoppingwahn jedenfalls nichts am Hut."

Anerkennend nicken Cem Ay und Leon Suljkic:"Das ist klar!" Und tatsächlich haben sie beide in ihrem Leben schon begonnen, ganz schön was zu ändern: "Wir gehen auch nicht mehr so raus zum shoppen – und wenn, dann haben wir unseren Rucksack dabei und brauchen keine Plastiktüten." Klassenlehrerin, städtische Abfallberaterin und Planetenkinder-Vertreterin geben den 22 Schülerinnen und Schülern ganz im Hintergrund ein bisschen Rückendeckung, während die rings um den riesigen kunterbunten Plastiktütenteppich beherzt die Passanten ansprechen. "Wussten Sie, dass es in Italien seit 2011 ein Verbot von Plastiktüten gibt?" – "Sollte man bei uns auch machen!" – "Benutzen Sie eigentlich selbst Plastiktüten?" Die junge Frau lächelt: "Nein!" Erst als sie weggeht, fällt Maryam Yakzan und Nadia Khalil auf, dass die Frau eine Plastiktüte in der Hand hat. Hätten sie’s vorher gesehen, hätten sie ihr eine der Stofftaschen mit dem Aufdruck der Freiburger Abfallwirtschaft mitgegeben.

Die braucht Margrit Walther nicht, die beim Plastiktütenteppich stehenbleibt: "Ich hab immer meinen Rucksack dabei!" Das war für Leonita Neziraj solange nicht selbstverständlich, bis sie mit ihrer Klasse zwei Monate lang an diesem Projekt gearbeitet hat. "Jetzt haben wir alle kapiert, wie wahnsinnig schädlich Plastik ist", sagt sie, "und unsere Eltern und die Leute hier in der Stadt finden zumeist toll und wichtig, dass wir das weitererzählen!"