Beteiligung

Schülerinnen und Schüler des „8er-Rats“ haben genaue Vorstellungen für Freiburg

Constantin Hegel

Von Constantin Hegel

Di, 10. Juli 2018

Freiburg

So viele engagierte Teilnehmer gab es noch nie im 8er-Rat: 81 Schülerinnen und Schüler vom Droste-Hülshoff-Gymnasium, der Wentzinger-Realschule und der Weiherhof-Realschule arbeiteten ein Jahr lang ihre Visionen für Freiburg aus.

FREIBURG. Entstanden sind neun Projekte, deren Fortschritte sie zum zweiten Mal in diesem Jahr Vertretern des Rathauses und sieben Stadträten im Haus der Jugend vorstellten. Die Arbeit trägt schon erste Früchte: Einige der Ideen sind in der konkreten Umsetzung.

Drei der Gruppen träumen von einer Trampolinhalle. Der Trendsport aus den USA ist in größeren deutschen Städten schon angekommen. Für Freiburg gelte es da nachzuziehen, finden die Jugendlichen. Von deren Engagement erfuhr Paul Macura aus der BZ. Der Betriebsleiter der Jump-Town-Trampolinhalle in Augsburg hatte schon länger den Plan, nach Freiburg zu expandieren – und wurde prompt vom Jugendbüro eingeladen, sich die Ideen vor Ort anzuschauen. "Freiburg ist eine der wenigen Großstädte, die noch keine Halle haben", sagt Macura, der erstaunt ist, wie weit die Achtklässler bereits in ihrer Planung sind. Sogar eine Online-Petition mit über 500 Unterschriften haben sie organisiert.

Tatsächlich ist die Suche nach einer geeigneten Immobilie schwierig. Das weiß auch Stadtrat Johannes Gröger (Freie Wähler), der sich bereiterklärt hat, das Projekt für die Schüler voranzutreiben. Für seine Anfragen, unter anderem bei den Freiburger Wirtschaftsimmobilien, an der die Stadt beteiligt ist, bekam er nur Absagen. Anfragen an die Umlandgemeinden stehen zum Teil noch aus. "Es ist halt eine Trendsportart", erklärt Gröger, "mögliche Anbieter sind unsicher, ob die Nachfrage nachhaltig ist." Er selbst zeigt sich vom Konzept überzeugt und möchte weiterhin den "politischen Boden dafür ebnen" – auch wenn die Hauptverantwortung beim zukünftigen Betreiber liegt.

Mit digitaler Vernetzung beschäftigt sich die Gruppe um die Schülerinnen Hannah Löhle und Lilli Mutter. Sie fordern kostenloses W-LAN im öffentlichen Nahverkehr – mit Erfolg. Ihr Brief stieß bei der Verkehrs-AG auf offene Ohren. "Tatsächlich arbeiten wir schon seit einem Jahr an einem Konzept", erklärt IT-Spezialist Jörg Kühlmann. Die Testphase in den Bussen soll im Herbst beginnen. Die Straßenbahnen folgen Anfang nächsten Jahres. Kühlmann lobte den Einsatz der Jugendlichen: "So etwas hat auf jeden Fall einen Einfluss."

Mit der Organisation ihrer Projekte lernen die Schüler, wie lange Prozesse in der Kommunalpolitik dauern können, aber auch, dass sich der Ehrgeiz auszahlt. Bürgermeisterin Gerda Stuchlik bezeichnete den 8er-Rat in ihrer Begrüßungsrede als "Leuchtturmprojekt, das weit über die Stadt hinaus strahlt." Kurzerhand nahm sie 60 von der Gruppe "Umwelt und Natur" selbstgebastelte Tütchen mit Blumensamen mit, die sie in der nächsten Gemeinderatsitzung verteilen will. Die Schülerinnen Marlies Wilk und Maren Kiefer von der Wentzinger-Realschule bepflanzen damit Baumscheiben in der Stadt. Zwei davon fangen schon an zu blühen, weitere sollen folgen.

Währenddessen setzt sich Adreju Hugo von der Wentzinger-Realschule für die Sanierung von Basketballplätzen ein. "Vor allem der Großvater aller Basketballplätze an der Johanneskirche bekommt Falten", erklärt der 14-Jährige. Er möchte die Stadträte davon überzeugen, einen höheren Zaun bauen zu lassen, damit die Bälle nicht unnötig auf der Straße landen. Wenn seine Gruppe Erfolg hat, möchte sie dort zur Feier ein großes Turnier organisieren.