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07. Juli 2015

Gemeinschaftsprojekt

So funktioniert das Reparaturcafé im Stadtteil Vauban

Kaputt? Von wegen! Auch in Vauban gibt es inzwischen ein Reparaturcafé bei dem Bürger sich gegenseitig beim Instandsetzen helfen.

  1. Einer der „Patienten“ beim Reparaturcafé war diese Kaffeemaschine. Links im Vordergrund Janek Stockburger, Praktikant im Stadtteiltreff. Foto: Michael Bamberger

VAUBAN. Nikolaj Duckart ist umringt von elektrischen Zahnbürsten: Vier liegen vor ihm auf dem Tisch, ihre 75-jährige Besitzerin sitzt daneben. Eigentlich ist Nikolaj Duckart Computerfachmann. Doch beim ersten Reparaturcafé der Quartiersarbeit Vauban am Samstag im Jugendzentrum "Juks" im "Haus 037" war er bei Zahnbürstenproblemen im Einsatz. Außerdem gab’s von anderen freiwilligen Helferinnen und Helfer unter anderem Unterstützung bei einer defekten Kaffeemaschine, einer kaputten Disco-Kugel und einer knopflosen Hose.

Als innerhalb von wenigen Jahren die vierte elektrische Zahnbürste kaputt ging, hatte sie keine Lust mehr, schon wieder eine neue zu kaufen. Darum sitzt die Zahnbürstenbesitzerin nun neben Nikolaj Duckart und beobachtet mit großem Interesse, wie er versucht, die Geräte auseinanderzunehmen. Am meisten hat sie begeistert, als sie zusammen im Internet auf "Youtube" einen kleinen Film fanden, der dazu eine Anweisung gab. Allerdings wäre ein Lötkolben nötig. Sie will das daheim selbst ausprobieren, das traut sie sich mit Hilfe des Films zu: "Das ist so toll, dass sich Verbraucher gegenseitig helfen!" Ihr fällt es schwer, Dinge wegzuwerfen: "Ich bin aus der Kriegsgeneration, ich repariere möglichst alles, ich stopfe auch meine Socken, obwohl das kaum noch jemand macht."

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Inzwischen ist auf jeden Fall klar geworden, was das Problem bei den Zahnbürsten ist: die Akkus. Neue Akkus kann man kaufen, Nikolaj Duckart schreibt auf, welches Modell passt. Weil man an die Akkus nur mit Lötkolben drankommt und die wenigsten wissen, wo das Problem liegt, landen die meisten Zahnbürsten einfach nur auf dem Recyclinghof.

Nikolaj Duckart will dazu beitragen, dass die Müllberge kleiner werden. "Ich stehe voll hinter der Idee der Recyclingcafés", sagt er. Auch beim ersten Recyclingcafé, das in Freiburg im innerstädtischen Quartier "Im Grün" entstand, war er immer mit dabei. Anfangs hatte es der Chaos-Computer-Club organisiert, inzwischen hat es die "Transition-town"-Bewegung übernommen.

Als Rosi Schüle, die Quartiersarbeiterin des Stadtteilvereins Vauban, von diesem ersten Reparaturcafé erfuhr, fand sie: "Das muss es in Vauban auch geben!" Mit Flyern, in der Stadtteilzeitung und bei vielen Gesprächen hat sich die Idee verbreitet. 13 Leute, überwiegend mit technischen Berufen, die ihre Fähigkeiten einsetzen wollen, haben sich gemeldet. In allen Haftungsfragen orientieren sich die Organisatoren in Vauban am Chaos-Computer-Club, der dafür Konzepte erarbeitet hat: Alle, die Geräte mitbringen, unterschreiben, dass sie die Verantwortung für den weiteren Verlauf übernehmen. Und der wird überwacht: Es wird nur mit Schutzschaltern gearbeitet, die garantieren, dass schlimmstenfalls die Sicherung ausfällt, aber niemand geschädigt wird. Außerdem wird jedes Gerät von zwei Leuten, die allesamt vom Fach sind, geprüft.

Manchmal geht’s um ganz harmlose Dinge: Ellinor Rahm hat sich Im Grün von "vielen jungen Männern" erklären lassen, wie ihr Smartphone funktioniert. Jetzt hat die ältere Frau, die in Vauban wohnt, ihre defekte Kaffeemaschine mitgebracht, mehrere Helfer kümmern sich darum. Rosi Schüle hofft, dass sich die Reparaturcafés in alle Stadtteile ausbreiten, bisher weiß sie von Überlegungen in Haslach und Weingarten. Auch im Stadtteil Rieselfeld gibt es das Angebot nun. In Vauban setzt man nicht nur auf Technisches, sondern auch auf Textilien: Ulrike Dorn ist eine von drei "Näh-Frauen", sie ist im Hauptberuf Näherin. Vorhin hat sie an einer Hose ein Knopfloch ausgebessert und einen Knopf angenäht.

Das nächste Reparaturcafé in Vauban ist für Samstag, 26. September, 14 bis 18 Uhr geplant. Infos: Tel. 0761/45687134, Internet: http://www.quartiersarbeit-vauban.de

Autor: Anja Bochtler