Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

27. Juli 2010

So haucht Markus Dold spröden Architektenplänen Leben ein

Wenn heute der Freiburger Gemeinderat über die Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge entscheidet – manche sprechen von einem städtebaulichen Jahrhundertprojekt –, dann stehen dem Gremium dabei Bilder des künftigen Zustands zur Verfügung, die äußerst lebensecht wirken. Möglich macht das Markus Dold mit seiner seiner Firma GD 90 in Buchenbach.

  1. Foto: Architekturbüro Pfeifer.Kuhn, Freiburg/ GD90 Markus Dold, Buchenbach

  2. Frühjahrsblüher oder nicht? Wenn Markus Dold an den Darstellungen zur Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge arbeitet, zählen alle Details – auch die biologischen Merkmal der Bäume. Foto: www.gd90.de

  3. Foto: Privat

  4. Markus Dold am Schreibtisch. Ohne die Hilfe seines elektronischen Rechenknechts ginge bei ihm nichts. Foto: Thomas Kunz

Er erstellt die Visualisierungen zur Umgestaltung des Platzes nach einem Entwurf des Freiburger Architekten Volker Rosenstiel und dem Landschaftsarchitekturbüro Faktorgrün aus Freiburg.

Visualisierung – das bedeutet, dass Dold den Entwurf für den neuen Platz virtuell und dreidimensional sichtbar macht. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn er muss die Vorschläge von den Architekten und jene vom Tiefbau- und Gartenamt der Stadt sowie die Bedürfnisse der Bürger berücksichtigen. "Das ist eine sensible Angelegenheit. Jedes Detail wird besprochen, bis zu der Frage, ob die Bäume auf dem Platz auch starke Frühjahrsblüher sein dürfen", sagt Dold. In dieser Visualisierung steckt viel Arbeit: Mehr als 50 Fotos vom Platz, von Menschen, Mauern und Pflastersteinen – übereinandergeschichtet in gut 140 digitalen Ebenen und kombiniert mit 3D-Bestandteilen fließen ins Gesamtbild ein. Auf jeder digitalen Ebene kann Dold Elemente des Platzes verändern, zum Beispiel den Standort der Bäume.

Markus Dold stammt aus dem Schwarzwald und gründete 1990 zusammen mit seiner Frau Ingrid Gnoth aus Ulm eine Agentur für Kommunikationsdesign in Buchenbach. Ingrid Gnoth befasst sich vorzugsweise mit klassischen Grafikdesign. Zur Zeit etwa entwirft sie eine neue Corporate Identity, welche zum Beispiel das Logo und die Gestaltung des Internetauftritts einschließt, für den Softwarehersteller Dalim aus Kehl. Da viele Produkte weltweit vermarktet werden, müssen die Agenturinhaber wissen, wie man verschiedene Kulturkreise anspricht. Da helfen ihre Auslandserfahrung und internationalen Kontakte. Die zwei studierten Grafikdesigner betreiben die Agentur zu zweit, ziehen je nach Auftrag aber auch weitere Spezialisten von außen heran.

Werbung


Mit GD 90 betreut Dold unterschiedlichste Kunden wie Daimler, das Bildungsministerium oder den Messsystem-Hersteller Siko. "Im Spezialbereich der Visualisierung messen wir uns überregional," sagt Markus Dold. Seine Stärken sieht er in der eigenständigen bildnerischen Handschrift und seiner Berufserfahrung von gut 20 Jahren. "Damals waren die Computer noch sehr langsam. Da kam es oft vor, dass wir neben dem Rechner geschlafen haben, bis man wieder ein Knöpfchen drücken konnte", erzählt er.

Obwohl Markus Dold und seine Frau auch heute oft bis nachts um drei oder vier Uhr arbeiten, wirken sie nicht gehetzt. "Natürlich ist der Zeitdruck oft sehr hoch, gerade wenn wir Architekten bei Wettbewerben unterstützen", sagt er. Finanziell wird es für die Firma allerdings interessanter, wenn ein Projekt tatsächlich umgesetzt wird. "Dass viele Entwürfe für die Schublade sind, damit muss man leben", sagt Ingrid Gnoth. Zu Umsatz und Gewinn gibt’s keine Auskünfte.

Der besondere Reiz seiner Arbeit ist für Markus Dold, dass er mit Hilfe der Computersimulationen Dinge sichtbar machen kann, die dem Betrachter bei einem Foto oder Modell verborgen bleiben – etwa die Lichtverhältnisse. Das größte Missverständnis sei, dass er nur die Vorgaben seines Auftraggebers erfülle. "Natürlich wollen Auftraggeber glückliche Menschen sehen", sagt Dold – und da sei auch viel machbar. Das Gesamtbild sei am Ende jedoch wichtiger. "Entscheidend ist: Können wir die Pläne so umsetzen, dass die Menschen sich vorstellen können, sich auf dem Platz wohlzufühlen?" Anders gesagt: Markus Dold kann Ideen virtuell kommunizieren – ob sie gefallen, entscheiden die Betrachter.

Autor: Tina Srowig