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07. September 2010 09:24 Uhr
Sonnenstrom
Solarbundesliga: Freiburg verliert den Spitzenplatz
In der Solarbundesliga war Freiburg jahrelang die Nummer 1: In keiner anderen deutschen Großstadt gab es pro Einwohner mehr installierte Solaranlagen. Inzwischen jedoch ist Freiburg in der Rangliste nur noch auf Platz 5 zu finden.
Die örtlichen Umweltschutzaktivisten und Solarstromförderer bestätigt dies in ihrer schon häufiger geäußerten Kritik, dass sich Freiburg mittlerweile auf seinem Ruf als Ökohauptstadt ausruht. Die Stadtverwaltung sieht im schlechteren Ranglistenplatz indes nur ein Statistikproblem. Freiburg stehe besser da denn je.
Neuer Spitzenreiter in der Solarbundesliga der Großstädte ist Ingolstadt. Dort sind inzwischen pro Einwohner fast doppelt so viele Solaranlagen installiert wie in Freiburg. Dahinter folgen Ulm, Fürth und Erlangen. Das bundesweite Kräftemessen wird seit 2001 von der Zeitschrift "Solarthemen" und der Deutschen Umwelthilfe veranstaltet. Die Städte nehmen den Wettbewerb ernst. Jahrelang sei Ingolstadt nur auf Platz 3 der Rangliste geführt worden, berichtet Helmut Schels von der Stadt Ingolstadt. Dies habe der Oberbürgermeister nicht auf sich sitzen lassen wollen – "obwohl er kein Grüner ist, sondern der CSU angehört".Deshalb habe sich Ingolstadt verschiedene Programme überlegt, um die Nutzung von Sonnenenergie zu fördern. Dabei profitiere die Stadt aber sicherlich auch von ihrer Struktur, meint Schels: Zum einen gebe es viele eingemeindete Vororte mit Einfamilienhäusern, deren Besitzer sich leichter vom Nutzen der Sonnenenergie überzeugen ließen als Eigentümer von großen Mietshäusern. Außerdem gebe es durch die in Ingolstadt ansässige Autofirma Audi viele Industriegebäude, die sich ebenfalls gut für Solaranlagen eigneten.
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Solche Möglichkeiten gebe es im historisch gewachsenen Freiburg weniger, sagt Thomas Dresel vom Umweltschutzamt der Stadt Freiburg. Außerdem seien die neuen Spitzenreiter der Solarbundesliga allesamt deutlich kleiner als Freiburg.
Die Kategorie "Großstädte" beginnt bei 100 000 Einwohnern. Durch einige große Projekte sei es bei kleineren Kommunen leichter, den Pro-Kopf-Anteil an Solaranlagen zu steigern, sagt Dresel: "Im Grunde ist das ganze nur ein Statistikproblem." Freiburg stehe eigentlich derzeit besser da denn je: Im vergangenen Jahr habe sich die Zahl der installierten solarthermischen Anlagen (die mit Hilfe der Sonne Wärme erzeugen) um fast neun Prozent erhöht, die Anzahl der Photovoltaikanlagen (die Strom produzieren) habe sogar um mehr als 20 Prozent zugelegt. "Das gab es noch nie", sagt Dresel. "Wir sind immer noch weit vorne mit dabei", meint auch Bernd Dallmann, Chef der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM). Keinesfalls widerspreche die schlechtere Platzierung dem Anspruch Freiburgs, die "Green City" zu sein. Schließlich umfasse dieses Konzept weit mehr als nur die Anzahl von Solaranlagen.
Trotzdem: Um vorne sein zu wollen, reiche es nicht, sich auf dem Erreichten auszuruhen, meinen verschiedene Freiburger Gruppierungen. "Die anderen Städte haben inzwischen aufgeholt", sagt Per Klabundt, Geschäftsführer der 100 Prozent GmbH, einem regionaler Verband zur Förderung regenerativer Energien. Freiburg brauche deshalb neue Konzepte und Ideen: "Wir müssen auf Zack bleiben." Der Stadt Freiburg gehe es häufig "zu sehr um Vermarktung und zu wenig um Inhalte", kritisiert auch Axel Mayer von der Umweltschutzorganisation BUND.
Nico Storz vom Förderverein Energie- und Solaragentur Regio Freiburg (fesa) fehlen außerdem die großen Ziele und "ein klares Bekenntnis der Stadt". Eigentlich gute Ansätze verliefen häufig im Sand, da "vieles unkoordiniert abläuft", sagt Storz. Als Beispiel nennt er die Internetseite Solarregion der Stadtverwaltung, die mittlerweile "völlig eingeschlafen" sei. Und tatsächlich: Dort ist zu lesen, dass Freiburg in der Solarbundesliga aktuell Platz 2 einnimmt. Stand: 20. Juni 2009.
- Kommentar: Platz an der Sonne ist weg
Autor: Beate beule
