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13. Juli 2010

Spätes Gedenken an verfolgte Homosexuelle

"Stolpersteine" erinnern an zwei Opfer der Nationalsozialisten.

  1. Künstler Günter Demnig verlegte gestern zwei weitere „Stolpersteine“ in Freiburg. Foto: Thomas Kunz

Die Freiburger "Stolpersteine" Nummer 331 und 332 sind gestern in der Zunftstraße und in der Berliner Allee gelegt worden. "Stolpersteine" heißen die vom Künstler Günter Demnig angefertigten Messingtafeln im Boden, die an Menschen erinnern, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden; in Freiburg gehen sie auf eine Initiative von Marlis Meckel zurück. Die ersten wurden 2002 gelegt, die beiden neuen auf Vorschlag des Historikers William Schaefer und der Rosa Hilfe. Sie erinnern an die beiden Homosexuellen Edwin Rümmele (1892-1986) und Fritz Hauser (1892-1944). Schaefer hat zehn Jahre lang die Schicksale homosexueller Männer in der Nazi-Zeit recherchiert und die Ergebnisse in einem Aufsatz veröffentlicht (die BZ berichtete).

Der Lagerarbeiter Fritz Hauser lebte von 1903 bis 1912 in der Zunftstraße im Stadtteil Brühl-Beurbarung. Er wurde am 18. Juli 1940 nach Paragraf 175 zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt, anschließend in die Konzentrationslager Flossenbürg und Dachau gebracht Im Vernichtungslager Majdanek wurde er am 11. Januar 1944 ermordet. In Paragraf 175 – er wurde erst 1969 entschärft und 1994 ganz abgeschafft – hieß es: "Ein Mann, der mit einem anderen Mann Unzucht treibt oder sich von ihm zur Unzucht missbrauchen lässt, wird mit Gefängnis bestraft."

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Auch der Gärtnergehilfe Edwin Rümmele, der in der Steinstraße 9 (heute Berliner Allee 9) im Mooswald wohnte, saß zwischen 1935 und 1937 wegen Paragraf 175 im Freiburger Gefängnis. Im August 1938 wurde er erneut verurteilt, diesmal zu zwei Jahren und sechs Monaten. Rümmele landete schließlich in einem Strafgefangenenlager in Hessen. Anders als Fritz Hauser überlebte er den Nazi-Terror und starb 1986 im Alter von 94 Jahren im südbadischen Müllheim.

Autor: fz