Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. Februar 2011 10:54 Uhr

Ende einer Ära

St. Elisabeth-Krankenhaus wird geschlossen

Einst galt das St. Elisabeth-Krankenhaus als die Freiburger Institution in Sachen Geburtsmedizin und Frauenheilkunde. Nur wer hier geboren wurde, konnte sich mit Fug und Recht als waschechtes Bobbele bezeichnen. Nun steht fest: Das Krankenhaus wird geschlossen.

  1. Markenzeichen für jedes Bobbele: eine Geburt am Dreisamufer im St. Elisabeth-Krankenhaus Foto: Ingo schneider

Als ambulante Operationseinheit mit Hotel soll das St. Elisabeth ab dem Frühsommer 2012 den Praxiskliniken beim Diakoniekrankenhaus und im Stühlinger Konkurrenz machen.

Selbst Helmut Schillinger, der Geschäftsführer des Regionalverbundes kirchlicher Krankenhäuser (RKK), zu dem auch das Loretto- und St. Josefskrankenhaus gehören, beendet das Kapitel Krankenhaus St. Elisabeth nicht mit leichtem Herzen: "Es tut uns auch weh", sagt er, "dass ein Haus mit einer solchen Atmosphäre ökonomisch nicht gestaltbar ist." Allein wirtschaftliche Gründe hätten den RKK bewogen, seine auf die verschiedenen Krankenhäuser verteilten Abteilungen nun zu konzentrieren und zusammenzulegen.

Die bisher im St. Elisabeth tätigen Frauenärzte, die dort Beckenboden- und andere gynäkologische Probleme bis zu Brusttumoren behandelt und operiert haben, sollen im Zuge dieser Umstrukturierung im nächsten Jahr in das St. Josefskrankenhaus umziehen – sobald dort der Umbau abgeschlossen ist. Ein ähnliches Schicksal blüht den ebenfalls als sogenannte Belegärzte zwischen eigener Praxis und Klinik pendelnden Phlebologen, die sich im St. Elisabeth unter anderem um die Therapie von Krampfader-Leiden kümmern.

Werbung


Die Räumlichkeiten des Hospitals an der Dreisamstraße will der Klinikverbund anschließend für einen Großteil seiner ambulanten Operationen nutzen – darunter gynäkologische Eingriffe wie Gebärmutterspiegelungen, aber auch für chirurgische, orthopädische und phlebologische Operationen.

Patienten, die nicht wie vorgesehen kurz nach der OP die Klinik verlassen wollen, sollen sich im St. Elisabeth über Nacht zu "Hotelstandard-Konditionen" auf eigene Kosten einmieten können. Ein Teil der bisher vorhandenen 26 Betten wird deshalb erhalten bleiben, größere Umbauten sind aber nicht geplant.

Ebenfalls erhalten bleiben sollen die Wohnungen der momentan im Haus tätigen zehn St. Elisabeth-Schwestern in den unteren beiden Stockwerken des Gebäudes. Die Ordensschwestern selber haben laut Hausoberin Lamberta die freie Wahl: Entweder helfen sie weiterhin, unter anderem als Pflegekräfte im neuen Hoteltrakt, oder sie arbeiten auf einer der anderen Krankenstationen im RKK-Verbund. Dennoch trifft die Umstrukturierung die Schwestern hart: "Wir sind sehr traurig, weil es auch die Geburtsstätte unserer Gemeinschaft ist", sagt Schwester Lamberta. Auch der Chefarzt der Gynäkologie, Christoph Jäger, trauert der "einmaligen Atmosphäre" hinterher, sieht aber auch Vorteile: "In Zukunft haben wir eine Intensivstation, Hightech-Diagnosegeräte und Herzkatheterlabore vor Ort – das erhöht die Sicherheit."

Autor: Michael Brendler