Stabübergabe beim Bauverein Breisgau

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Do, 29. Juni 2017

Freiburg

Freiburger größte Baugenossenschaft wächst weiter / Zweiter Anlauf zum Generationenwechsel mit neuem Führungsduo.

Die Nachfolge von Reinhard Disch, der mittlerweile seit gut 22 Jahren im Vorstand des Bauvereins Breisgau für die Geschicke des Wohnungsunternehmens verantwortlich zeichnet, verlief zunächst ziemlich holprig. Im Frühjahr des vergangenen Jahres hatte Freiburgs größte Baugenossenschaft dazu Markus Schwamm von der Städtischen Wohnbaugesellschaft Lahr an Bord geholt und bereits zum Vorstandsvorsitzenden erhoben. Nach erheblichen internen Reibereien wurde Schwamm allerdings im Oktober 2016 seines neuen Postens wieder enthoben (die BZ berichtete).

Nun macht man beim Bauverein einen neuen Anlauf für die Nachfolgregelung. Von Juli an rücken Marc Ullrich (40) und Jörg Straub (44) in den Vorstand auf. Reinhard Disch bleibt noch bis Ende August im Amt. Zwei Monate lang sollen die beiden Neulinge und der alte Hase für die Stabübergabe Zeit haben.

Der Immobilienökonom Ullrich, der ursprünglich aus Heidelberg stammt, wechselt vom Bau- und Sparverein Ravensburg nach Freiburg und übernimmt die Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Dasselbe gilt für Jörg Straub. Dieser stammt aus Bötzingen, lebt aber heute in Ihringen. Er hat einst bei der Sparkasse Freiburg Bankkaufmann gelernt und sich später zum Bankbetriebswirt weiterqualifiziert. Er wechselt von der Volksbank Staufen, wo er ebenfalls dem Vorstand angehörte, zu der Freiburger Baugenossenschaft. Im Bauverein-Vorstand wird er insbesondere für die hauseigene Spareinrichtung zuständig sein. Er bringt die von den Aufsichtsbehörden erwarteten Kenntnisse mit – der Bauverein verfügt nämlich über eine Teilbanklizenz.

Die beiden Manager übernehmen ein gut bestelltes Haus. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Bilanzsumme des Bauvereins um rund 100 Millionen Euro auf nunmehr 270,5 Millionen Euro erhöht. Die Mitgliederzahl wächst ebenfalls stetig und lag zum vergangenen Jahresende bei 21088 – 1066 mehr als im Vorjahr. Mit 4823 Mietwohnungen im Bestand ist der Bauverein vor der Familienheim und der Heimbau die größte Baugenossenschaft in der Stadt. Der Immobilienbestand wächst derzeit allerdings auch stark im Umland, zumal die Kommunen dort dies nachfragen, so Reinhard Disch. "In Freiburg sind die Flächen knapp." Potenzial für mehr Wohnungen auf eigenem Gelände sieht Disch dort nur noch im Bereich Alemannenstraße/Schlesierstraße in Littenweiler. "Dort könnten nach einem Teilabriss mehr Wohnungen entstehen", so der Bauverein-Chef.

Finanziell stark da steht der Bauverein vor allem auch durch seine seit 1923 bestehende Spareinrichtung, wodurch ihm laufend Kapital zufließt, weil die Mitglieder immer mehr Geld dort anlegen. Die Spareinlagen, die ausschließlich in die unternehmenseigenen Immobilien fließen, sind 2016 um weitere 5,4 Millionen Euro auf nunmehr 105,2 Millionen Euro angewachsen.