Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
22. September 2010 12:24 Uhr
Standortdebatte
Stadionpläne: Ist Mainz 05 ein Vorbild für den SC Freiburg?
Soll der SC Freiburg das Badenova-Stadion ausbauen oder eine neue Fußballarena im Freiburger Westen errichten? Allgemein wird beim Sportclub ein Ausbau des jetzigen Standorts favorisiert. Das Thema wird am kommenden Montag auch auf der SC-Mitgliederversammlung diskutiert werden. Ein vergleichbarer Ligakonkurrent, der FSV Mainz 05, ist in der Stadionfrage derweil schon weiter.
Ein gerne und immer wieder mit dem Sportclub verglichener Konkurrent, der FSV Mainz 05, ist mit seinem neuen Stadion auf der Zielgeraden. Die Coface-Arena mit 33.500 Plätzen soll im Sommer 2011 eingeweiht werden. "Wir wollen uns wirtschaftlich so aufstellen, dass wir eine Chance haben, Bundesliga zu spielen", sagt Manager Christian Heidel – das gehe nur mit einem neuen Stadion. "Mannschaften wie Frankfurt und Hannover werden auch nach unserem Umzug ins neue Stadion vor uns sein, aber wir werden den Abstand verkürzt haben", sagt derweil Mainz-05-Pressesprecher Tobias Sparwasser und ergänzt: "Mainz will zu den Top 24 in Deutschland gehören." So ähnlich haben sich auch schon Vertreter des SC Freiburg positioniert.
Werbung
Die Entwicklung des FSV Mainz liest sich ähnlich wie die des SC, auch wenn sie zeitlich deutlich später begann: Mit dem einsetzenden sportlichen Erfolg Ende der 1990er Jahre und dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga im vierten Anlauf 2004 begann sich auch der Verein stark weiterzuentwickeln. Anfangs, sagt Pressesprecher Sparwasser, habe man sich beim Ausbau des Stadions am SC Freiburg orientiert: "Der SC war unser Vorbild." Wie der SC baute auch Mainz 05 sein altes Stadion in Etappen immer weiter aus. So wurde das alte Bruchwegstadion zunächst 1997 – damals wurde Mainz erstmals Vierter – und dann nochmals 2002 erweitert.
Angesichts des sportlichen Erfolgs musste es schnell gehen, an einen Neubau sei damals deshalb nicht gedacht worden, erinnert sich Sparwasser. Als der Verein 2004 dann sportlich erstklassig wurde, errichtete man auf die Schnelle links und rechts der Haupttribüne Zusatztribünen, das alte Bruchwegstadion wurde auf 20 300 Plätze ausgebaut. Sparwasser nennt diese baulichen Maßnahmen rückblickend "Flickschusterei" – "aber wir konnten damals nur das machen, was finanziell machbar war".
Seit der Verein 2005 im Uefa-Cup spielte und in die Frankfurter Commerzbank-Arena ausweichen musste, wohin 33400 Fans kamen, nahm die Idee eines Neubaus Konturen an. Auch, weil ein Spielbetrieb in dem in einem Wohngebiet liegenden Bruchwegstadion später am Abend nicht möglich war. "Nach 22 Uhr hätten wir ein Dach auf dem Stadion haben müssen", sagt Sparwasser. Was folgte, war die übliche eine Standortdebatte: Der Erwerb eines anvisierten Areals scheiterte an fünf von insgesamt 130 Grundstücksbesitzern. Das Projekt stand auf der Kippe.
Doch der Verein fand ein anderes passendes Gelände ganz in der Nähe – in Nachbarschaft zur neuen Fachhochschule (FH), das nächste Wohngebiet 600 Meter entfernt. Und diesmal waren auch nur sechs Grundstückseigentümer betroffen, ein Großteil gehörte der Kirche und war sogenanntes Friedhofserweiterungsland. Obwohl außerhalb der Stadt, ist der neue Standort mit dem Bus vom Hauptbahnhof aus in weniger als zehn Minuten zu erreichen. Zudem ist der Bau einer Straßenbahn, die am Stadion vorbei zum ZDF am Mainzer Lerchenberg führen soll, in Planung. Um die Frischluftzone am neuen Standort durch ein hohes Gebäude nicht zu sehr einzuschränken, wurde das Stadion sogar eigens eigens unter die Erde versenkt.
40 Millionen Euro wird der Stadionneubau – die nach dem Kreditversicherer Coface benannte Arena, kosten. Eigens für das Neubauprojekt wurde die städtische Grundstücksverwaltungsgesellschaft GVG gegründet. Der Vorteil: Die GVG konnte günstige kommunale Kredite in Höhe von 32,5 Millionen Euro aufnehmen; weitere 7,5 Millionen steuerte der Verein bei. Und: Für die Erschließung des Areal, für Infrastruktur und die Finanzierung des Grundstückserwerbs, flossen vom Land 12,5 Millionen Euro, während die Stadt Mainz 7,5 Millionen Euro auf den Tisch legte.
Der Verein zahlt der GVG nun in der ersten Liga jährlich 3,3 Millionen Euro, sollte Mainz 05 in die Zweite Liga absteigen, reduziert sich die jährliche Pacht auf 2,3 Millionen Euro. Je länger der Verein erstklassig ist, desto schneller ist die Tilgung möglich, erklärt GVG-Prokurist Ferdinand Graffé. Wirtschaftlich problematisch wäre es nur, wenn Mainz drittklassig spielen würde, räumt der städtische Pressesprecher Markus Biagioni ein. Der Verein kann das neue Stadion zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem Restwert erwerben.
Niemandem im Verein ist bange, das neue, 33 500 Zuschauer fassende Stadion zumindest annähernd voll zu bekommen. Schon bislang wurden 15 000 Dauerkarten verkauft, für weitere 10 000 sei die Nachfrage da, ist sich Mainz-05-Sprecher Sparwasser sicher. Hinzu kommt: In der neuen Arena sind die Vermarktungschancen mit 35 VIP- und zwei Großraumlogen (insgesamt 2100 Business-Seats und 650 Business-Logenplätzen) wesentlich besser als im alten Bruchwegstadion.
Über den genauen Stand der Vermarktung und wie viel mehr durch das neue Stadion eingenommen werden kann redet man im Verein indes nicht gern. "Wir sind mit der Vermarktung weit", zwei Drittel der Logen seien vergeben, sagt Sparwasser. Am Ende hoffe man schon, drei bis vier Millionen mehr zur Verfügung zu haben – Geld, das in den Spieleretat fließen solle.
- SC Freiburg: Lieber Stadion-Ausbau statt Neubau?
- SC Freiburg: Mögliche Vorbilder für einen Stadion-Neubau
- Video-Umfrage: Was sagen die Freiburger zu den Stadionplänen?
Autor: Frank Zimmermann
