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13. Oktober 2017 15:42 Uhr

Freiburg-Mooswald

Stadt Freiburg sagt "Nein" zu Boardinghouse an der Rufacher Straße

Ferienwohnungen sind derzeit in mehreren Freiburger Quartieren ein Aufregerthema. Nun hat die Debatte den Stadtteil Mooswald erreicht. Dem Baurechtsamt liegt eine Bauvoranfrage für ein Boardinghouse mit 57 Einheiten an der Rufacher Straße vor. Das Projekt wird als nicht genehmigungsfähig eingeschätzt.

  1. Um zwei Etagen mit Ferienwohnungen wurde eine Autowerkstatt an der Rufacher Straße aufgestockt. Foto: Thomas Kunz

  2. Eine Bauvoranfrage liegt vor für ein Boardinghaus auf dem Areal eines Getränkemarktes in unmittelbarer Nachbarschaft. Foto: Thomas Kunz

  3. In den Obergeschossen des Firmen-Hauptgebäudes von Veeser-Fensterbau werden weiter Studenten-WGs geduldet. Foto: Thomas Kunz

Direkt gegenüber gibt es hingegen bereits einige neue Ferienwohnungen: vom Fensterbauer Bernd Veeser. Er hatte vor einigen Jahren wegen nicht genehmigter Studentenwohnungen für Schlagzeilen gesorgt. Diese sind weiterhin geduldet.

Ein Getränkemarkt sollte den Ferienwohnungen weichen

Die Bauvoranfrage bezieht sich auf ein Grundstück an der Rufacher Straße nahe dem Westbad, auf dem derzeit ein Flachbau steht, in dem ein Getränkemarkt und eine Kneipe untergebracht sind. Die Eigentümerin, die namentlich nicht genannt werden will, betont gegenüber der BZ, dass sie sich mit der Bauvoranfrage bei der Stadtverwaltung lediglich habe erkundigen wollen, was auf dem Gelände baulich möglich sei. Keinesfalls stehe ein Abriss des Gebäudes unmittelbar bevor, Getränkemarkt und Kneipe blieben weiterhin geöffnet. Zudem beziehe sich die Anfrage nicht auf Ferienwohnungen, sondern auf ein Boardinghouse, in dem Gäste auch für einen längeren Zeitraum wohnen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband definiert den Begriff so: "Das Boardinghouse (Serviced Apartment) ist ein Beherbergungsbetrieb, der sich meist an Langzeitnutzer in städtischer Umgebung wendet. Die Zimmer sind von ihrer Ausstattung her an privaten Wohnungen ausgerichtet." Boardinghäuser werden zum Beispiel von Monteuren auf mehrmonatigem Einsatz genutzt.

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In der beantragten Form könne die Eigentümerin das Boardinghouse jedenfalls nicht errichten, sagt die Stadtverwaltung. "Das Baurechtsamt hat ihr bereits mitgeteilt, dass es das Vorhaben in der vorgelegten Größe als nicht genehmigungsfähig einschätzt, sondern das Gebäude deutlich verkleinert werden müsste", erklärt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Zudem sei auch die Nutzung noch zu hinterfragen: In der Bauvoranfrage fürs Boardinghouse sei davon die Rede, dass die Gäste bis zu einem halben Jahr dort wohnen könnten. Da sich das Grundstück in einem Gewerbegebiet befindet, dürfen jedoch keine dauerhaften Wohnungen entstehen. Kurzfristige Vermietungen wären zulässig, da diese als Gewerbe gelten.

Um das Thema Wohnen hatte es in dem Quartier bereits vor einigen Jahren große Aufregung gegeben. Damals war herausgekommen, dass der Fensterbauer Bernd Veeser in seinem Betriebsgebäude Wohnungen an Studierende vermietete, zudem gab es dort auch eine Terminwohnung für Prostituierte. Beides war nach Ansicht der Stadtverwaltung unzulässig – in einem Gewerbegebiet dürfen nur Betriebsangehörige wohnen. Nach viel Hin und Her duldete die Stadtverwaltung schließlich die Studentenwohnungen. Hintergrund: Sie wollte das gesamte Areal zwischen Berliner Allee, Elsässer, Ensisheimer und Falkenberger Straße im Stadtteil Mooswald sowieso in ein Mischgebiet aus Wohnen und Gewerbe umwandeln. Aus diesem Vorhaben ist bis jetzt zwar nichts geworden – Veeser vermietet jedoch noch immer Teile seines Betriebsgebäudes an Studierende.
Planungen auf Eis

Das Areal zwischen Berliner Allee, Elsässer, Ensisheimer und Falkenberger Straße im Stadtteil Mooswald ist rechtlich ein Gewerbegebiet, etwa 50 Betriebe sind dort ansässig. Allerdings gibt es auch viele Wohnungen: Denn bis Ende der 1970er Jahre war Wohnen in dem Viertel erlaubt, das Quartier war früher ein Mischgebiet. 2012 kam deshalb die Idee auf, diesen alten Zustand wieder herzustellen und das Areal offiziell als Mischgebiet zu deklarieren. Denn in einem Gewerbegebiet dürfen neue Wohnungen nur für Betriebsinhaber errichtet werden. Damit wollte die Stadtverwaltung auch einen Beitrag gegen die Wohnungsnot in Freiburg leisten. Das Rathaus gab für 58 000 Euro eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, die zur Hälfte vom Land finanziert wurde. 2013 wurden die Ergebnisse präsentiert. Doch seitdem ist es ruhig geworden: Die Planungen für das Mischgebiet blieben in der Schublade. Das liege daran, so sagt die Stadtverwaltung auf BZ-Anfrage, dass es in dem Areal mehrere Gewerbebetriebe gebe, die sich nicht mit einer Wohnnutzung vereinbaren ließen. Trotz "intensiver Gespräche" mit den Eigentümern sei es nicht gelungen, diese Firmen zu verlagern. Das Stadtplanungsamt warte deshalb vorerst ab und greife nur ein, wenn die Entwicklung des Viertels in eine Richtung läuft, die nicht im Sinne der Machbarkeitsstudie ist.

In der ehemaligen Terminwohnung im Hauptgebäude befinden sich inzwischen vier Ferienwohnungszimmer. Und Veeser hat sogar noch expandiert: Im Hof seiner Firma hat der Fensterbauer einen bestehenden Flachbau, in dem eine Kfz-Werkstatt ansässig ist, um zwei Etagen aufgestockt. Darin gibt es 13 Appartements, die Veeser temporär vermietet, fünf davon an Flüchtlinge.

"Was wir in Freiburg brauchen, sind Wohnungen – und keine Ferienwohnungen." Ernst Lavori, Stadtrat
Dass er durch ein Boardinghouse mit 57 Einheiten direkt gegenüber Kunden verlieren könnte, befürchte er nicht, sagt Bernd Veeser. Trotzdem spricht er sich vehement gegen die Überlegungen seiner Nachbarin aus. Das Boardinghouse sei völlig überdimensioniert, meint er. Zudem glaubt Veeser, dass die Gäste alle Parkplätze im Viertel belegen würden. Gegen "ein ortsübliches und verträgliches" neues Gebäude sei nichts einzuwenden: "Aber so geht es nicht". Auch die übrigen Anwohner seien in Aufruhr und wollten alle Hebel in Bewegung setzen, um einen Neubau in dieser Form zu verhindern. Der Bürgerverein Mooswald spricht sich ebenfalls gegen das große Boardinghouse aus.

"Was wir in Freiburg brauchen, sind Wohnungen – und keine Ferienwohnungen", sagt der stellvertretende Vorsitzende und SPD-Stadtrat Ernst Lavori. Er bedauert, dass die Planungen der Stadtverwaltung, das Viertel in ein Mischgebiet zu verwandeln und dadurch neue Wohnungen zu ermöglichen, bislang nicht vorangekommen sind: "Aus dem Gebiet könnte man was machen."

Das Quartier wird jedoch schon bald wieder aufs Tapet kommen. Die Stadtverwaltung plant ein Rahmenkonzept, das die Entwicklung des gesamten Stadtteils Mooswald aufzeigen soll. Eventuell, so meint das Stadtplanungsamt, könnten sich in diesem Zusammenhang auch für das Karree zwischen Berliner Allee, Elsässer, Ensisheimer und Falkenberger Straße neue Impulse ergeben.
Infoveranstaltung des Bürgervereins Mooswald zum "Rahmenkonzept Mooswald": Dienstag, 24. Oktober, 19.30 Uhr, Fritz-Hüttinger-Haus, Am Hägle 1.

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Autor: Jelka Louisa Beule