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18. November 2012 13:56 Uhr

Freiburg

Stadtsynode beschließt Teilverkauf des Gemeindehauses

Das geschichtsträchtige Gemeindehaus der Christusgemeinde in der Mainestraße 2 ist teilweise verkauft. Es soll saniert und an kirchennahe Einrichtungen weitervermietet werden. Das Erdgeschoss bleibt im Besitz der evangelischen Kirche.

  1. Das Gemeindehaus in der Maienstraße 2 in der Wiehre soll teilweise verkauft, saniert und weitervermeitet werden. Foto: Hans Sigmund

Überraschend einmütig hat die Stadtsynode am Samstag den Teilverkauf des denkmalgeschützten Gebäudes Maienstraße 2 in der Wiehre beschlossen. Den Zuschlag soll die Genossenschaft "Bogenständig" aus Titisee-Neustadt erhalten. Der in der Region bekannte Sanierer Willi Sutter will das erste Obergeschoss und das Dachgeschoss herrichten und an kirchennahe Einrichtungen vermieten. Das Erdgeschoss will er zum Festpreis sanieren - es bleibt im Besitz der Kirche.

Seit eineinhalb Jahren ringt der Stadtkirchenrat, das Leitungsgremium der evangelischen Kirchen in Freiburg mit zwei Dutzend Mitgliedern, um eine Lösung für das sanierungsbedürftige Haus mit Geschichte. In der Maienstraße 2 trafen sich während der nationalsozialistischen Herrschaft Mitglieder des oppositionellen "Freiburger Kreises". Das Gebäude der Wiehremer Christusgemeinde ist mithin ein Symbol der "Bekennenden Kirche". Doch es war ziemlich "heruntergekommen", wie der ehrenamtliche Vorsitzende des Finanzausschusses, Jörg Frenzel, in der Versammlung in der Matthäuskirche in Betzenhausen sagte. Die beiden Generationen zuvor hätten es soweit kommen lassen. Die ursprüngliche Idee, aus dem Gebäude das zentrale Haus der evangelischen Kirche zu machen, war vom Tisch, nachdem ein renommiertes Freiburger Architekturbüro die Sanierungskosten berechnet hatte: zu teuer. Das Haus komplett zu verkaufen, stieß auf Widerstand von Gemeindemitgliedern. Es formierte sich ein Verein "Freunde der Maienstraße".

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Nach langen und harten Diskussionen kristallisierte sich heraus, dass das Erdgeschoss im Besitz der Kirche bleiben und saniert werden soll. Für die oberen beiden Etagen legten Bauausschuss und Finanzausschuss des Stadtkirchenrats mehrere Varianten auf den Tisch, über die die Stadtsynode zu entscheiden hatte: eine Sanierung in Eigenregie, eine Sanierung durch den Verein, sowie die Projekte von privaten Investoren, die Wohnraum schaffen wollten.

Nachdem die Vertreter der Predigtbezirke mit 47 Ja- und gegen 3 Neinstimmen und 2 Enthaltungen klar den Teilverkauf beschlossen hatten, gaben die Anwesenden einstimmig den Zuschlag an die Genossenschaft. Das Erdgeschoss, das weiterhin der Kirche gehören wird, will Sutter zum Fixpreis von 576.000 Euro sanieren. Die beiden oberen Geschosse will er für 1,3 Millionen Euro herrichten und an Einrichtungen des Diakonischen Werks vermieten, darunter den Arbeitskreis Behinderte an der Christuskirche (ABC), der sich um geistig behinderte junge Menschen kümmert.

Die Diskussion in der Stadtsynode war kurz und sachorientiert. Irmgard Müller vom Förderverein des ABC wollte das "positive protestantische Erbe" nicht veräußert sehen. Knuth Stemmer aus Hochdorf, lange Jahre im Ältestenkreis der Christuskirche engagiert und heute Vorsitzender des Ältestenkreises der Pfarrgemeinde West, sah zwar das Streitfall durch das genossenschaftliche Angebot entlastet, präsentierte aber gleichwohl eine Sanierungskalkulation des Vereins "Freunde des Maienhauses 2", wonach nur eine 3000 Euro große Finanzierungslücke pro Jahr klaffen würde, die Mitglieder auffangen könnten.

Damit vertraten sie eine Minderheitenposition. Eine Erbe bestehe nicht aus Gebäuden, sondern zeige sich in der Haltung, sagte Achim Korthaus (Pfarrgemeinde Südost). Pfarrer Jochen Kunath von der Melanchthongemeinde in Haslach wertete die Lösung mit der Genossenschaft als "verantwortungsvollen Umgang". Dekan Markus Engelhardt jedenfalls freute sich über den breiten Konsens und hofft nun auf eine Befriedung.

Derzeit befinden sich im Erdgeschoss der Maienstraße 2 eine Studenten-Wohngemeinschaft, das Büro des Kantorats und ein Büro der Pfarrerin sowie Sitzungsräume. Im ersten Stock befindet sich ebenfalls eine Studenten-WG sowie Räume für den ABC, der auch die Etage darüber nutzt. Die Sanierung soll im Frühherbst nächsten Jahres beginnen.

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Autor: Uwe Mauch