Freiburg

Stadtverwaltung sieht Sozialticket als Erfolg – Nachfrage schwächer als erwartet

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Do, 22. Februar 2018 um 13:31 Uhr

Freiburg

Im Oktober 2016 wurde in Freiburg das Sozialticket eingeführt. Die Stadtverwaltung zieht eine positive Zwischenbilanz. Das vergünstigte Ticket wird allerdings weniger stark nachgefragt als erwartet.

So wurden in den ersten zwölf Monaten 54 150 Coupons für verbilligte Regiokarten oder 2x4-Mehrfachkarten eingelöst. Die Verwaltung war zuvor von rund 150 000 Coupons in einem Jahr ausgegangen. Diese Schätzung vorab, so Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, sei ohne entsprechende Erfahrungen ein Stochern im Nebel gewesen. Verkauft wurden übrigens rund 30 000 weitere Coupons, die aber innerhalb des untersuchten Zeitraums nicht eingelöst worden sind.

Die Coupons gibt es bei den Ämtern

"Die Berechtigten schauen genau darauf, an welchen Tagen oder in welchem Monat sie die Tickets nutzen", so der Sozialbürgermeister. Der Gemeinderat hatte 2016 entschieden, dass die Stadt für die Regiokarte Basis (regulärer Preis: 54 Euro) einen Zuschuss von 20 Euro bezahlt. Für die 2x4-Fahrten-Mehrfachkarte (16,60 Euro) gibt die Stadt 8,05 Euro dazu. Berechtigt für ein Sozialticket ist, wer Unterstützung durch Hartz-IV, Arbeitslosengeld II, Wohngeld oder Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz erhält. Bei entsprechenden Ämtern gibt es Coupons, mit denen dann die Tickets gekauft werden können. Wie viele der Berechtigten das Sozialticket nutzen, lasse sich anhand der eingelösten Coupons nicht seriös feststellen, heißt es.

Der Preisnachlass für die Sozialtickets wird von der Stadt als Zuschuss an die Freiburger Verkehrs-AG (VAG) überwiesen. Erwartet worden war für 2016 ein Zuschuss von knapp 300 000 Euro, die tatsächliche Summe lag bei 235 000 Euro. Für das Jahr 2017 standen 1,5 Millionen Euro im Haushalt. Erreicht wurden bis November 2017 rund 870 000 Euro. Auch beim benötigten Personal kann man die Zahl der Stellen leicht zurückfahren. "Verwaltungsmäßig hat die Umsetzung reibungslos geklappt", so von Kirchbach.

80 Prozent kaufen die Basis-Regiokarte

Ursprünglich ging man davon aus, dass die Sozialticketnutzer in der großen Mehrheit die Mehrfachfahrtenkarten kaufen. Doch in der Realität war es dann exakt anders rum: Rund 80 Prozent der Nutzer hatten sich in diesem ersten Jahr für die Basis-Regiokarte entschieden, 20 Prozent für das Mehrfahrtenticket. Das bedeutet aber auch: Wäre die Gesamtnachfrage so hoch gewesen wie bei der Einführung prognostiziert, wären die Kosten sehr deutlich über den angenommenen 1,5 Millionen Euro gelegen.

Bei der VAG hat man festgestellt, dass wegen des Sozialtickets rund um die Monatswechsel zu Warteschlangen in den Kundenzentren kommt. Deshalb ist für diese Zeit das Personal aufgestockt worden. Verbesserungswürdig sei aus Sicht der VAG das Format und die Papierqualität der Coupons, so Pressesprecher Andreas Hildebrandt. Die Anregungen will die Stadt auch umsetzen.

Mehr zum Thema: