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17. Oktober 2012 19:09 Uhr

Reaktion auf Studie

Stadtverwaltung zweifelt am Miethöhen-Bericht

8,1 Prozent Preissteigerung bei Mieten in einem Jahr: Mit diesem Spitzenwert taucht Freiburg im Immobilienbericht der Bundesregierung auf. Die Stadt zweifelt die Zahlen an, denn sie beziehen sich nur auf einen Teil des Markts.

  1. Nicht aussagekräftig findet die Freiburger Stadtverwaltung die Mietsteigerungen, die der Immobilienbericht der Bundesregierung nennt. Foto: Ingo Schneider

Zwar seien die Mieten von 2010 auf 2011 auch bundesweit erstmals seit Jahren wieder gestiegen, so der Regierungsbericht, jedoch nur um 2,9 Prozent. Noch stärker als in Freiburg falle die Steigerung nur in Greifswald (10,4 Prozent), Bremen (8,8); Hamburg (7,5 ) und Berlin (7,4 Prozent) liegen knapp dahinter.

Absolute Zahlen zur Miethöhe in Freiburg nennt das 105 Seiten starke Papier (PDF, 3,5 MB), das Bauminister Peter Ramsauer am Mittwoch im Bundeskabinett vorstellte, allerdings nicht. Die sind erst beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung zu erfahren, das das Datenmaterial für den Bericht erstellte: Die sogenannte Angebotsmiete stieg 2011 in Freiburg auf 9,40 Euro pro Quadratmeter, ein Jahr zuvor lag sie noch bei 8,70 Euro. Rolf Müller, Gruppenleiter Wohnungs- und Immobilienwesen beim Bundesinstitut, relativiert die Bedeutung dieser Zahlen aber sogleich: "Sie basieren nur auf einer Auswertung der in Tageszeitungen und Internetportalen publizierten Angebote", sagt er.

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Zahlen liegen über dem Durchschnitt

Die hohen Angaben spiegeln also nur Neuvermietungen wider, und die sind in der Regel teurer als der Durchschnitt. Außerdem können Mietverträge unter dem inserierten Preis liegen – und viele günstige Wohnungen werden auf privatem Weg vergeben, so dass gar kein Inserat nötig ist. Sie fließen also auch nicht in die Zahlen des Instituts ein. "Wir rätseln selbst ein bisschen darüber, wie hoch genau die Differenz zwischen unseren Zahlen und der durchschnittlich gezahlten Miete ist", sagt Müller (Kommentar).

"Überhaupt nicht aussagekräftig" findet Walter Preker, der Sprecher von Oberbürgermeister Dieter Salomon, daher die nun vorgelegten Angaben zur Miethöhe. Die Stadt sei gerade dabei, den Freiburger Mietspiegel neu aufzustellen, genaue Zahlen gebe es noch nicht. "Nach jetzigem Stand können wir aber nicht bestätigen, dass es eine Steigerung von acht Prozent innerhalb eines Jahres gegeben hätte", sagt er.

Im Dezember soll der Entwurf eines neuen, qualifizierten Mietspiegels in Kraft treten. Er wird laut Preker von einem Hamburger Institut nach festgelegten wissenschaftlichen Kriterien erstellt; Grundlage sind Interviews mit 2000 Freiburger Haushalten. "50 Prozent Neuvermietungen und 50 Prozent Bestandsmieten" fließen ein, so Preker. Der aktuell gültige Mietspiegel ist zum 1. Januar 2011 in Kraft getreten; er nennt eine Ausgangsmiete von 7,29 Euro pro Quadratmeter. Lage und Ausstattung können noch zu Ab- oder Zuschlägen führen.

Im Unterschied zu den Mieten sind laut dem Bericht der Bundesregierung die Kaufpreise von Immobilien deutschlandweit stabil; in Großstädten gebe es aber deutliche Anstiege. "Rekordverdächtige" Preise für Wohnimmobilien hatte das Wirtschaftsmagazin Capital in seiner Juni-Ausgabe auch für Freiburg ermittelt. Trotz Monatsmieten von 7 bis 14 Euro pro Quadratmeter müssten sich Käufer daher auf "niedrige Renditen" einstellen.

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Autor: Thomas Goebel