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20. November 2015

Laden in Vauban

Startup„Fairjeans“ aus Freiburg liefert Hosen in die ganze Welt

Die Handelsgesellschaft "Fairjeans" aus Freiburg hat ihr Startkapital über Crowdfunding gesammelt und hat einen Laden in Vauban.

  1. Miriam Henninger und Walter Blauth mit ihren Männermodellen der fairen Jeans. Foto: Ingo Schneider

Wie präsentiert man seine Geschäftsidee in 30 Sekunden? Miriam Henninger (35) und Walter Blauth (57) haben 1500 Menschen bei der Berliner Gründermesse Entrepreneurship Summit überzeugt: "Die Zeit ist reif für faire Jeans", sagt Designerin Henninger. Bei der größten Konferenz dieser Art in Deutschland vor einem Monat landete das Duo aus Freiburg auf dem zweiten Platz. Seit November liefert dessen Handelsgesellschaft "Fairjeans" in alle Welt.

"Die Fairjeans aus Freiburg", stand auf dem Schild, das der Fotograf und Webdesigner Walter Blauth auf der Bühne in die Höhe hielt. In einer halben Minute erklärten er und Miriam Henninger dem Publikum die Vorteile ihres Produkts: eine Jeans aus fairer, nachhaltiger Herstellung mit Biobaumwolle, nach den Richtlinien des renommierten GOTS-Siegels (Global Organic Textile Standard) produziert, stylisch, bezahlbar und "made in Europe", nämlich in Polen .

Wie viel auf dem Messestand bestellt wird, gehörte auch zum Wettbewerb – mit zwölf Hosen und rund 1200 Euro Umsatz machte das Team den zweiten Platz. Bedingung: Die Produkte müssten innerhalb eines Monats lieferbar sein. "Das hat alles super gepasst", sagt Walter Blauth, der das Projekt wie seine Mitstreiterin nebenberuflich betreibt. In seinem Foto-Webdesign-Atelier in der Vaubanallee werden seit dem 2. November nun auch Fairjeans verkauft.

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In drei Monaten mehr als 10 000 Euro

Das Projekt war schon einmal einem großen Publikum vorgestellt worden: im vergangenen Jahr auf der Internet-Plattform Startnext. So sollten 10 000 Euro als Grundstock für die Entwicklung der "korrekten Hose" aus Freiburg gesammelt werden. Es klappte: Von April bis Juni 2014 stifteten 106 Unterstützer von einem bis zu 990 Euro. 10 764 Euro kamen zusammen, zwei Prozent davon gingen als Provision an die Plattform.

Mit dem Kapital sollte zuerst das Design für zwei Damen- und ein Herrenmodell realisiert werden. Ein Profi wurde damit betraut, die Freiburger Designerin Kim Schimpfle; sie entwarf für 4600 Euro zwei Damenmodelle. Inzwischen war das ursprüngliche Fairjeans-Team aus beruflichen Gründen auseinandergefallen und Walter Blauth verfolgte das Projekt solo, ging auf Messen, unterhielt sich mit Experten. Es wurde bald klar, dass es markttauglicher sei, mit einem Herrenmodell zu starten – die Damenmodelle wurden auf Eis gelegt. "Im Online-Handel sind bei Frauenmode Retouren von bis zu 80 Prozent üblich", so Blauth. "Aber wir wollen die Hose auch online verkaufen."

In dieser Phase erfuhr Miriam Henninger vom Fairjeans-Projekt. Die Designerin aus Malterdingen, die schon für die Modemarke Hugo Boss tätig war, bot ihre Mitarbeit an. Das nun konfektionierte Männermodell hat sie kostenfrei entworfen; bezahlt wird sie erst, wenn der Erfolg sich einstellt. So konnte der Rest der Crowdfunding-Summe, über 5000 Euro, zum Kauf von Komponenten verwendet werden – Nieten, Knöpfe und Labels.

Diesen September gründeten Miriam Henninger und Walter Blauth die Fairjeans OHG mit jeweils 5000 Euro Einlage, um die erste Kollektion zu produzieren. Die Bio-Baumwolle für den Stoff stammt aus der Türkei, konfektioniert wird in Polen; eine Hose kostet je nach Waschung 99 bis 119 Euro. 300 Stück wurden geliefert und hängen jetzt nach Größen und drei Waschungen geordnet im Freiburger Laden. Auch eine Umkleidekabine und Spiegel sind da. "Concept Store" nennen die Macher ihr Geschäft, also "Konzept-Laden" – denn sie haben noch einiges vor. 2016 soll eine Genossenschaft gegründet werden und auch Damenmodelle sollen produziert werden. Dazu wird es wieder eine Crowdfunding-Kampagne geben.

Fairjeans, Vaubanallee 13a, geöffnet von Montag bis Freitag 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr und am Samstag 10 bis 13 Uhr,

Tel. 0761 / 42996156.

Crowdfunding

Wer eine Geschäftsidee hat, braucht Kapital. Beim Crowdfunding erfolgt die Finanzierung (englisch "Funding") durch viele Menschen (englisch "crowd"). Die Idee wird auf einer Crowdfunding-Plattform im Internet ausgeschrieben: mit Start und Ende der Spendenzeit, anvisierter Summe und meist Geschenken je nach Spendenhöhe. Wird die Zielsumme nicht erreicht, geht das Geld an die Unterstützer zurück. Kommt sie zusammen, können die Initiatoren die Idee umsetzen; die Plattform-Betreiber erhalten meist eine Provision. Das Finanzierungsmodell aus den USA ist seit etwa fünf Jahren in Deutschland bekannt. Häufig genutzte Plattformen sind Startnext und Visionbakery; Crowdfunding Südbaden stammt aus Freiburg.  

Autor: uts

Autor: Ursula Thomas-Stein