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18. Oktober 2010 20:08 Uhr

Freiburg und Bad Krozingen

Stellt Herz-Zentrum Fusion mit Uni-Klinik in Frage?

Die Landesregierung hat ein neues Universitätsmedizin-Gesetz in der Mache, das dem Herzzentrum Bad Krozingen die Lust auf den Zusammenschluss mit der Uniklinik Freiburg genommen hat. Steht die Fusion auf der Kippe?

  1. Die Universitätsklinik in Freiburg und das Herz-Zentrum in Bad Krozingen wollen fusionieren. Ein neues Gesetz könnte diesen Willen dämpfen. Foto: dpa/dpaweb

Wer hätte gedacht, dass die Geburt so schwer wird. Von einem der größten Herzzentren Europas schwärmten im Dezember 2005 Matthias Brandis, Ärztlicher Direktor der Freiburger Uniklinik, und Bernhard Grotz, der kaufmännische Direktor des Bad Krozinger Herz-Zentrums, als sie die Fusion ihrer Herzabteilungen verkündeten. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2010, und es sieht so aus, als ob ihr Baby nie zur Welt kommt. Zunächst wurde die Entbindung immer wieder verschoben, aus 2007 wurde 2009, als letzter Geburtstermin war schließlich der Januar 2011 vorgesehen.

Nun scheint selbst aus dem nichts mehr zu werden. Der Gesetzentwurf zum neuen Universitätsmedizin-Gesetz, den die Landesregierung bis Ende der Legislaturperiode durch das Parlament peitschen möchte, macht den hoffnungsvollen Eltern nun wahrscheinlich endgültig einen Strich durch die Rechnung.

Politik will ihren Einfluss stärken

Der Knackpunkt: In dem Entwurf, der die Organisation der baden-württembergischen Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm neu regeln und die dortigen Machtverhältnisse zwischen Wissenschaftsministerium, Universität und Klinikleitung austarieren soll, ist eine Änderung vorgesehen, die den Bad Krozingern überhaupt nicht schmeckt. Wird das Gesetz unverändert so verabschiedet, schaut die Landesregierung den Kliniken demnächst nicht nur in juristischen Dingen auf die Finger, sondern darf auch in medizinisch-fachlichen Angelegenheiten mitreden. Und damit auch mit darüber entscheiden dürfen, mit welchen Methoden und Mitteln Infektionen verhindert werden sollen oder mit welcher Ausrüstung der umgebaute Operationssaal bestückt werden wird.

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Mit diesen Aussichten ist man nicht nur in Bad Krozingen unzufrieden. Auch Jörg Rüdiger Siewert, der Leitende Ärztliche Direktor der Uniklinik und Vorsitzende des Verbandes der Universitätsklinika, kritisiert:"Für diese Fachaufsicht ist das Ministerium gar nicht ausgerüstet, weil die entsprechenden Fachleute fehlen."

Im Gegensatz zur Uniklinik Freiburg hat man in Bad Krozingen aber noch die Möglichkeit, sich dem langen Arm der Politik zu entziehen – und stellt deshalb die ganze Fusion auf den Prüfstand. Auch Siewert bestreitet nicht, dass man sich in Bad Krozingen unter den vom Gesetz vorgegebenen Bedingungen nicht vorstellen kann, unter ein gemeinsames Dach mit der Uniklinik zu schlüpfen. Bernd Sahner, Verwaltungsdirektor in Bad Krozingen, verweist auf eine Vorstandssitzung am Dienstag, in der endgültig über das Vorgehen entschieden werden soll.

Jörg Rüdiger Siewert betont aber auch: "Wir versuchen, gemeinsam mit Bad Krozingen auf die entsprechenden Paragrafen Einfluss zu nehmen und sind optimistisch, dass wir die entsprechenden Änderungen durchsetzen können." Die Fusion zum 1. Januar des nächsten Jahres sei "fest verabredet", "am 19. Januar findet die offizielle Zeremonie statt". Andere sind weniger zuversichtlich: Es werde sich wahrscheinlich eher um eine "virtuelle Fusion" handeln, aus der eine Firma ohne Beschäftigte hervorgehe, heißt es hinter den Kulissen.

Auch der Holzgreve-Nachfolger ließ sich abschrecken

Auch in anderer Hinsicht hat der neue Gesetzesentwurf bereits Freiburger Pläne durchkreuzt. Eigentlich war für den Interims-Ärztlichen Direktor Jörg Rüdiger Siewert, der parallel auch das Heidelberger Universitätsklinikum leitet, bereits ein Nachfolger gefunden. Aber Klaus-Michael Debatin, dem Dekan und Ärztlichen Direktor der Kinderklinik der Uniklinik Ulm, schmeckten die zu erwartenden Umstrukturierungen ebenfalls nicht. Dank des Entwurfs stand plötzlich in den Sternen, ob er wie einst die Vorgänger selbstverständlich den Posten des Vorsitzenden des Klinik-Vorstandes hätte einnehmen dürfen. Denn in Zukunft sollen Aufsichtsrat, Fakultätsrat und Ministerium darüber entscheiden, wer Vorstandsvorsitzender und damit Uniklinik-Chef wird. Zur Wahl stehen jeweils der Ärztliche Direktor oder der Dekan, der zwar als Universitätsprofessor, aber nicht unbedingt selbst als Arzt tätig sein muss. "So ein großes Klinikum kann aber nur ein Kliniker leiten, das muss dringend korrigiert werden", kritisiert Siewert.

Dank Debatins Absage – der weniger Wunschkandidat der Uniklinik als mehr des Ministeriums war – steht nun fest, dass der Interimschef bleiben wird. "Mindestens bis Ende des Jahres", sagt Siewert selbst, nicht wenige glauben aber, dass man den Chef noch länger behalten wird. Der Grund: Es wird weniger intensiv gesucht, auch die einst beauftragte Personalagentur, die einen passenden Chefarzt aufstöbern sollte, ist nicht mehr aktiv. Bevor das Gesetz in trockenen Tüchern ist, werde man auch keinen Nachfolger finden, sagt Helmut Pötzsch, Vorsitzender des Uniklinik-Personalrats. "Und wenn es so Bestand hat, wird man ohnehin in der zweiten Reihe suchen müssen."

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Autor: Michael Brendler