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17. November 2009 10:09 Uhr
Bildungsstreik
Studenten wollen Audimax auch während der Demo besetzt halten
Gut 150 Studenten haben die Nacht im besetzten Audimax verbracht. Ihr Protest kollidiert mit dem Tag der offenen Tür für Schüler an der Uni Freiburg. Doch die Studenten wollen ihre Position halten. Und die Besetzung auch nicht für die angekündigte Großdemo räumen.
Die Ärmel sind hochgekrempelt, die Augen verquollen, die Haare wirr – die erste Nacht im Audimax sieht man den meisten Studenten an. Seit Montagabend halten rund 150 Studenten die Universität Freiburg besetzt. Sie solidarisieren sich damit mit Studenten in Wien, Potsdam oder auch Heidelberg. Binnen weniger Stunden haben sie sich beinah schon heimisch im Hörsaale eingerichtet, ihn mit Bannern geschmückt und im überheizten Raum ihre Duftmarke gesetzt.
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Leon Reichard aus der Fachschaft Soziologie ist seit Montagabend im Audimax, hat aber nicht geschlafen. "Die Klappsitze sind schon sehr unbequem" klagt er. Die meisten hätten nicht länger als zwei Stunden geschlafen. Doch Reichard will bleiben: "Es ist saugeil hier! Spaß wird mit sinnvollen Inhalten verbunden."
Kommilitonin Selma Becks ist in der Fachschaft Politik, ist allerdings für drei Stunden kurz nach Hause gegangen. Sie glaubt, dass das Audimax länger besetzt bleiben wird. "Wir haben viele motivierte Leute hier. Und so lange es friedlich bleibt, kann auch der Rektor nichts dagegen uns machen."
Nach einer Einführung im Audimax sollen Schüler in kleinen Gruppen von Studierenden durch die Uni geführt werden. "Wir haben heute morgen auch extra geputzt und die Sitze freigeräumt", erzählt Becks. Sie hofft, dass möglichst viele Schüler auch mit auf die Demo kommen.
TAG DER OFFENEN TÜR
Um kurz vor neun treffen im besetzten Audimax die ersten Schüler auf die protestierenden Studierenden. Einige schauen verwirrt, andere belustigt auf nackte, schmutzige Füße, Zahnbürsten auf dem Pult und Schlafsäcken in der Ecke. Die Studentin Hannah Wallenfels erklärt Schülern: "Tag der offenen Tür läuft heute anders ab" und lotst Schüler ins Audimax.
"Ich habe die Proteste im Radio mitbekommen", erzählt Florian Hönninger. Der Schüler ist aus Kirchzarten nach Freiburg gekommen. Die Forderungen der Studenten kann er nachvollziehen – besonders Studiengebühren findet auch er ungerecht. Allerdings will er sich vor allem über die Fächer Physik und Informatik informieren. Wie viel Zeit da noch für Unipolitik bleibt, weiß er noch nicht.
Tamara Schneider aus Achern wollte sich eigentlich an den Infoständen über mögliche Studienfächer informieren. Diese sollten eigentlich im Kollegiengebäude (KG) II stehen, wurden aber wegen der Besetzung kurzfristig im KG I aufgebaut. "Ich bin ja noch keine Studentin, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es blöd ist, wenn in Seminaren zu wenig Platz ist oder man Studiengebühren zahlen muss."
"Diese Exzellenzuni ist pleite", ruft Jaglo ins weite Rund und ein mildes Lächeln fliegt über Schanz' Gesicht. Die Studentin ruft die Schüler auf, später an der Demo, die am Vormittag durch Freiburg ziehen soll, teil zu nehmen, die Studierenden lautstark zu unterstützen und die Masse entsprechend zu verstärken.
"Damit die Polizei das Audimax nicht abriegeln kann, bleibt der Hörsaal aber trotzdem besetzt", erklärt Jaglo der Badischen Zeitung. Damit der Protest kein kurzes Intermezzo bleibt, aber dennoch alle Studenten die Möglichkeit haben, an der Demonstration teilzunehmen, wird die Besetzung in Schichten ablaufen.
- Fotos: Audimax in Freiburg besetzt
- Rückblick: Studenten besetzen Basler Uni
- Twitter-Kanal "Freiburg brennt": Kurznachrichten der protestierenden Freiburger Studenten via Internet
Autor: Friederike Reußner, Alexandra Sillgitt
