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02. Februar 2009 12:48 Uhr

Protest gegen Gebühren

Studierende besetzen die Katholische Fachhochschule

Sie singen, sie jonglieren, die protestieren: Rund 80 Studierende haben die Katholische Fachhochschule an der Karlstraße besetzt - offenbar als weiterer Schritt beim Protest gegen die Studiengebühren.

  1. Studierende haben das vierte Obergeschoss der KFH besetzt. Foto: dpa

Gerade erst haben sie das selbst gesetzte Quorum im Boykott der Studiengebühren erreicht, da protestieren die Studierenden der Katholischen Fachhochschule (KFH) Freiburg schon wieder. Zwar ist der Aufstand friedlich, nur mit Gitarre, Gesangbüchern und Jonglagebällen sind die Studenten bewaffnet. Ernst meinen sie die Besetzung des vierten Stockwerks aber sehr wohl. Denise Hühnlein, KFH-Studentin und standesgemäß bekleidet mit dem gelben Boykott-T-Shirt, erklärt: "Heute sollen die Mahnungen an diejenigen verschickt werden, die sich am Boykott beteiligt haben. Wir müssen jetzt den Druck erhöhen." Die Befürchtung der Studenten: Diejenigen, die die geforderten 500 Euro nicht gezahlt haben, werden exmatrikuliert. Denise und ihre rund 80 Mitstreiter fühlen sich ungerecht behandelt: "Auf dieser Basis sind keine Verhandlungen möglich. Die Hochschule will durch die Mahnungen den Druck erhöhen und den Boykott beenden."

STUDIENVERTRAG ZWISCHEN KFH UND STUDENTEN

Unverständnis auch auf der anderen Seite des Verhandlungstisches. Der Rektor der KFH, Edgar Kösler, schüttelt den Kopf beim Anblick der Protestanten im Flur: "Heute morgen hat das siebte Gespräch statt gefunden, wir sind auf einer guten Vertrauensebene gewesen. Diese Aktion wurde mit keinem Ton erwähnt." Kösler zeigt sich enttäuscht ob der mangelnden Offenheit seiner Studenten, betont die ansonsten harmonische, fast familiäre Stimmung an der Hochschule. "Von Konstruktivität kann jetzt keine Rede mehr sein."

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Auf dem Gang herrscht helle Aufregung. Zwei Verwaltungsangestellte seien gerade mit zwei Pappkisten in einem der Büroräume verschwunden. Der Inhalt der Kartons: vermutlich Mahnschreiben und Briefumschläge. Ein paar Übereifrige wollen den Raum blockieren, zwei junge Männer überlegen, sich unter das Fenster zu stellen – die Kisten könnten ja abgeseilt werden. Was an diesem Tag in der Wiehre Spaß und was Ernst ist, ist schwer einzuschätzen. Edgar Kösler versteht in der Sache keinen Spaß mehr: "Wir sind zu den Mahnungen verpflichtet", erklärt Kösler. " Die Frist haben wir auf Wunsch der Studierenden schon auf drei Wochen verlängert und auf Strafgebühren verzichten wir gänzlich."

Für den Rektor ist die Sachlage klar: "Es gibt einen Vertrag zwischen Hochschule und Studenten, an den müssen sich beide Seiten halten." Dieser Vertrag beinhalte auch die Studienbeiträge, so Kösler weiter. Jeder Student habe gewusst, worauf er sich einlässt.Die Beiträge dienen der Fachhochschule als dritte Finanzierungssäule. Im Gegensatz zu staatlichen Hochschulen sind private in der Verwendung der Gelder frei. Auch bei der Einführung der Beiträge im Sommersemester 2007 war man hier flexibel: Diejenigen, die bereits eingeschrieben waren, durften noch gebührenfrei zu Ende studieren.

Die gleichnamige Boykottinitiative der vier Freiburger Hochschulen setzt auf Solidarität. Mit Erfolg: Ein Teil derjenigen, die in der kleinen Kaffeeküche für Nudeln mit Tomatensoße anstehen, studiert an der Uni oder der Pädagogischen Hochschule (PH). So auch Tom Peters. Der blondgelockte PH-Student ist im unabhängigen Studentenausschuss der Hochschule aktiv. "Für die Rückmeldung wäre noch Zeit. Das Rektorat will den Boykott aber abbrechen, für die ist das ein Mehraufwand." Er hofft auf genügend Sitzfleisch seiner Kommilitonen: "Ich gehe davon aus, dass das hier noch einige Tage gehen kann."

Autor: Joachim Röderer und Dana Hoffmann