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07. Januar 2012

Wer ist eigentlich bei stürmischem Wetter auf dem Schauinsland?

Manche müssen, manche wollen das Tief "Andrea" und seine Folgen auf dem Freiburger Hausberg erleben.

  1. Kurz und knackig kalt: der Schlittenspaß von Buttgereits und Bormanns Foto: Thomas Kunz

  2. Foto: Thomas Kunz

  3. Foto: Thomas Kunz

  4. Keine Aussicht auf Transport: Der Berg- und Talverkehr der Seilbahn ruht. Wolfgang Zimmermann fährt den Schauinsland hoch und runter, um die Straßen frei zu machen – und wartet auf richtigen Schnee. Foto: Thomas Kunz

Ein Orkantief kommt auf die Stadt zu. Nirgendwo ist man in Freiburg näher dran, als hoch oben auf dem Schauinsland. Wer ist eigentlich bei diesem Wetter auf dem Hausberg? Leute, die Schlitten fahren, arbeiten, allein auf weiter Flur sind? Ja. Und kaum oben angekommen ist klar: Andrea ist auch schon da.

AUF DEM SCHLITTEN
Der Wind fegt über den Schauinslandrücken. Schnee trifft in Böen auf eine kleine Gruppe. Die Wetterdienste hatten vor Orkan Andrea gewarnt, wer verirrt sich da auf den Berg? "Na wir", sagt Nadine Buttgereit aus Ehrenkirchen. Sie ist am Donnerstag mit Justin (4) und den Bormanns aus der Nähe von Braunschweig unterwegs. Der Besuch sollte mal sehen, wie schön das Wetter hier ist, witzeln sie. Ein Teil sitzt im Auto. "Unser Sohn, dem ist zu stürmisch", sagt Heike Bormann und lacht. Aber als die Gruppe die Schlitten packt, ist er mit von der Partie. Auch eine Familie aus Landau geht rodeln. Kurz. Der Wind nimmt ebenfalls Fahrt auf.

IM AUGE DES ORKANS
Aus dem Schnee sind Eiskügelchen geworden, die waagrecht ins Gesicht schießen. So muss sich Stahl beim Sandstrahlen fühlen. Der Sturm ist so mächtig, dass er die Windbuchen unterm Gipfel noch bizarrer verbiegen könnte. Doch die Bäume sind im Nebel nicht zu sehen, näher ran gehen, daran ist an der exponierten Stelle nicht zu denken. Mitten im Sturm stehen auch die Windräder an der Holzschlägermatte. Bei einer Orkanböe stellen sich die Flügel schräg und bieten kaum Angriffsfläche. Die höchste Windgeschwindigkeit bei den Rotoren beträgt 130 Stundenkilometer. Bei unter 100 drehen sie sich wieder in den Wind und laufen im Handumdrehen unter Volllast. Der Sturm macht viel Strom: Von 0 bis 12 Uhr produzieren die beiden Anlagen 39 200 Kilowattstunden, sagt Regiowind-Chef Andreas Markowsky: "Soviel wie 14 Haushalte im ganzen Jahr verbrauchen."

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ALLEIN IM RESTAURANT
Nabil Alian macht die Tür zu seinem Restaurant "Gipfeltreff" zu. Es ist Mittagszeit. "Ich habe das Personal nach Hause geschickt", sagt der Chef, er und Kellner Mahmoud Marzouk sind die letzten. Zu wenig Gäste? "Nicht einen", sagt Alian und lächelt. "Dieser Sturm gehört auch zum Winter." Trotzdem hofft er, dass das Wetter schnell besser wird – es wäre ja schade, gerade in der Urlaubszeit, wo viele Gäste in der Gegend sind. Dieser Tag aber ist für den Wirt gelaufen. "Wir überlegen uns gerade, ob wir in die Sauna gehen." Alian und Marzouk sperren ab.

IN RUHE WARTEN
"Seilbahn außer Betrieb, Sturm" steht nebenan in der Bergstation. Die vier Mitarbeiter der Freiburger Verkehrs-AG warten nicht auf Fahrgäste. Sie haben gar nicht aufgemacht und warten stattdessen das Zugseil. "Wir untersuchen auf Verschleiß", erklärt der stellvertretende Betriebsleiter Manfred Bader. Die 38 Kabinen parken in Berg- und Talstation. "Der Fahrgastandrang hält sich ja in Grenzen." Es hat sich noch kein Wanderer gemeldet, der runter fahren will. Wenn Orkan Andrea abgezogen ist, kontrolliert das Seilbahnteam routinemäßig Maste und Seile auf Sturmschäden. Ist alles in Ordnung, geht’s wieder auf und ab mit der längsten Gondelbahn Deutschlands.

IM EINSATZ
Wolfgang Zimmermann lächelt locker aus dem Fenster seines Schneepflugs herunter. Der 52-Jährige aus Horben räumt die Schauinslandstraßen für die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg. Viel Schnee liegt nicht. "Noch nicht, es soll kommen", ruft er gegen den Lärm an. Denn Sturm hat’s reichlich. "Der macht uns ja nix", meint Zimmermann in seinem schweren Gefährt. Mit dem fährt er bei dem Wetter sechs, sieben Mal den Berg auf und ab, morgens gegen 4.30 Uhr fängt er mit der Arbeit an.

Arg zu schaffen macht das Orkantief auch der Freiburger Polizei nicht. Der Sturm bläst einen Wohnwagen im Industriegebiet Hochdorf um, in Opfingen muss ein Baum gesichert werden. An der Rieselfeldallee fällt ein Teil von einem Gerüst auf ein Auto und richtet schätzungsweise 3000 Euro Schaden an, sagt Polizeisprecher Ulrich Brecht. Bei der Feuerwehr bleibt es ebenfalls relativ ruhig, sagt Vize-Chef Philipp Golecki. Siebenmal rückt sie im Stadtgebiet aus, beseitigt zum Beispiel einen umgestürzten Baum und sichert einen Bauzaun, bis sich das Wetter am Nachmittag beruhigt hat.

Autor: Simone Höhl