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28. Dezember 2012

Täubchen landen bei der Freiburger Tafel

Der Rest vom Fest bereichert das Sortiment im Laden für Bedürftige / Neujahrsbrezel- und Weihnachtsmann-Schwemme erwartet.

  1. Brigitte Grether hat lieber Taube und Wurst in der Hand als gutes Essen im Müll. Foto: M. Bamberger

Gestern gab’s frische Täubchen bei der Freiburger Tafel. "Das hatten wir noch nie", sagte Brigitte Grether im Tafelladen. Der Laden an der Schwarzwaldstraße versorgt Bedürftige günstig mit Lebensmitteln, die ihm Bäckereien, Supermärkte und Discounter überlassen, vor allem Brot, Obst, Gemüse, Milch und Joghurt. Jetzt gibt’s aber auch Delikatessen: Trüffelleberwürste und Nachtische wie Windbeutelchen, Tiramisu und Panna cotta. "Nach den Feiertagen landet sowas bei uns", sagte Brigitte Grether: Vor einem Jahr haben sich die Kunden über Unmengen Lachs und Spargel gefreut, auf dem ein Supermarkt sitzengeblieben war. "Aber normalerweise fliegen uns keine gebratenen Tauben in den Mund." Und den Tafelkunden auch nicht. Es sind Alleinerziehende, Rentner, Wenigverdiener, Hartz-IV-Empfänger und Asylbewerber. Wer die Berechtigung nachweist, darf billig einkaufen, im Schnitt sind das 250 Leute pro Tag. Gestern Nachmittag hatte der Laden noch keine Stunde auf, da waren schon 70 Kunden da, vor der Tür stand eine Schlange. Wie immer wurde die Einlass-Reihenfolge ausgelost, damit kein Stress, sondern Einkaufsatmosphäre herrscht. Die Leute schoben Einkaufswagen durch den kleinen Laden, ein Mädchen hielt zwei Netze Litschis in den Händen, eine Frau eine Packung Wurstanschnitte. Sie begutachtete das letzte abgepackte Täubchen, das laut Etikett noch am selben Tag zubereitet werden sollte – 400 Gramm für 1,20 Euro. Die 55-Jährige nahm es nicht mit: "Es ist so klein", meinte sie lächelnd und zeigte mit den Händen die Größe der Hühner an, die früher in ihrem kasachischen Heimatdorf in den Topf kamen. So ein Täubchen macht keine Familie satt. Dagegen sind die Trüffelleberwürste, die noch in großer Zahl daneben lagen, nichts für Singles: 900 Gramm wiegen die guten Stücke für 1 Euro, die bis Silvester haltbar sind.

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Danach gibt’s erfahrungsgemäß bei der Tafel eine Neujahrsbrezel-Schwemme. Das Ladenteam hat schon mal einen Flyer mit Rezepten ausgelegt, was sich daraus machen lässt: Armer Ritter und Brotauflauf. "Mit Zutaten, die man daheim hat, ein paar Eier, ein bissel Milch", sagte Brigitte Grether. "Es ist einfach sinnvoll, dass die Lebensmittel nicht weggeschmissen werden, aus sozialen, ökonomischen und ökologischen Gründen", betonte die Tafel-Vorstandsfrau und frühere Mundenhof-Chefin.

Jeden Monat sammelt die Tafel 4600 Normkisten leichtverderbliche Lebensmittel ein, aufeinandergestapelt wären sie zehnmal höher als das Münster. Vor Weihnachten hatten die Discounter wenig übrig, sagte Michael Eckert, einer von vier Hauptamtlichen beim Tafel-Verein. Gestern stapelten sich die Kisten, Helfer sortierten in der Küche verdorbene Orangen aus Netzen und schnitten welke Blätter vom Blumenkohl. Über die Ladentheke soll nur einwandfreie Ware gehen. 240 Ehrenamtliche helfen immer mehr Tafelkunden. Dieses Jahr gab es schon fast 400 Neuzugänge, sagte Anne-Catrin Mecklenburg. Sie leitet die Tafel, die übrigens noch eine feine Flut erwartet: "In zwei Wochen kriegen wir die Weihnachtsmänner und Edelsachen aus Schokolade", sagte Ladenleiter Michael Eisenmann.

Der Tafelladen in der Schwarzwaldstraße 58 a hat montags bis freitags von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr auf, am 2. Januar ab 14 Uhr. Mehr Infos für Kunden und Helfer gibt’s unter http://www.freiburger-tafel.de

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Autor: Simone Höhl