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20. Juni 2009

Tanz um die Toleranzsäule

Jeden Abend um 23 Uhr hebt Applaus und Gejohle an.

Die "Säule der Toleranz", die seit Dienstagabend auf dem Augustinerplatz ab elf Uhr abends für Ruhe sorgen soll, steht weiter in der Diskussion. Jeden Abend, wenn sich die Farbe des drei Meter hohen Gebildes um 23 Uhr in ein sattes Rot verwandelt, branden Gejohle und Applaus auf. Und inzwischen ist es eine Art Sport geworden, unter den Blicken der Umsitzenden auf das Dach der Säule zu klettern und den dort angebrachten Temperaturfühler "abzuklatschen". Anfangs hatten misstrauische Besucher des Augustinerplatzes geargwöhnt, hinter dem Temperaturfühler verberge sich eine versteckte Kamera – sie kletterten hinauf und stülpten ein Stück Rohr über das Corpus delicti auf der Säule. Die übrigens genaugenommen gar keine ist, was fachkundige Platzbesucher bereits monierten. Denn per definitionem hat eine Säule immer einen runden Querschnitt. Das neue Leuchtstück auf dem Augustinerplatz wäre sachlich richtiger als Stele tituliert.

Die Stadt sieht sich weiter in der Vermittlerrolle und will den eingeschlagenen Weg weitergehen. "Wir beobachten die Situation und gehen davon aus, dass sich die Gemüter nach und nach beruhigen", sagt die städtische Pressesprecherin Petra Zinthäfner. Bis dahin werde die Toleranzsäule weiterhin jeden Morgen von Schmierereien und Aufklebern befreit. Die Reinigungsmittel haben mittlerweile auch den Schriftzug "Säule der Toleranz" mit weggeputzt. Der soll laut Zinthäfner auf jeden Fall wieder angebracht werden, gerade werde das Wann und Wie besprochen. Auch wenn der Auftakt eher unglücklich gewesen sei, denke man nicht über einen Verzicht auf die Säule nach. "Sie ist ein Baustein des Gesamtkonzepts, die behalten wir bei", sagt Zinthäfner.

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Noch zu frisch sei die Installation der Säule, um etwas über ihre Wirksamkeit sagen zu können, meint Henrike Beck, Geschäftsführerin des Bettenhauses Stiegeler am Augustinerplatz. "Die Leute sind noch zu aufgewühlt. Was aber durchaus seine positiven Spuren hinterlässt, ist das Infoteam. Das spürt man", so Beck.

Autor: Claudia Füßler