Feuerwehr Freiburg

Tischtennis im Chemikalien-Schutzanzug

Petra Völzing

Von Petra Völzing

Sa, 21. April 2012 um 17:32 Uhr

Freiburg

Am Samstag konnte man in der Innenstadt Sportler in außergewöhnlichem Aufzug beobachten. Der Gefahrgut- oder ABC-Zug der Freiburger Feuerwehr veranstaltete auf dem Platz der Alten Synagoge ein Tischtennisturnier.

Das Besondere: Die Turnierteilnehmer spielten ausnahmslos im Chemikalienschutzanzug (CSA). "Wir hoffen, mit dieser Veranstaltung besser in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden und neue Freiwillige zu gewinnen", sagt Abteilungskommandant Clemens Faller. Derzeit seien vierzehn Freiwillige im Zug, ideal wäre eine Abteilungsstärke von 25, um bei Alarm auf jeden Fall die erforderliche neunköpfige Mannschaft zusammen zu bekommen.

Der Wettergott zeigt sich am Turniertag gnädig: Es ist ziemlich kalt. Bei sommerlichen Temperaturen wäre die sportliche Betätigung im CSA eine noch größere Tortur gewesen. Die komplette Ausrüstung wiegt um die 25 kg. Entsprechend behäbig bewegen sich die Spielerinnen und Spieler an der Tischtennisplatte. Einen Ball vom Boden aufzuheben erweist sich da als echte Herausforderung. Die Sicht ist eingeschränkt und auch mit der Feinmotorik hapert es ein wenig, zudem hört man im Anzug so gut wie nichts. Dennoch lässt bei den Spielern das Engagement nichts zu Wünschen übrig. Mit dabei sind Teams aus Freiburg, Lahr-Ortenau, Waldkirch und aus dem fernen Speyer.

Feuerwehrmann Tobias Zech hat im ersten Teil des Turniers die Spielverläufe via Mikrofon engagiert kommentiert. Nun ist Schichtwechsel und er muss selbst an die Platte. Den CSA anzuziehen ist alleine unmöglich und Kollege Jerome Krämer unterstützt ihn dabei. Zunächst kommt eine spezielle Unterkleidung. Da der Anzug komplett luftdicht ist, muss Zech ein Beatmungsgerät mit entsprechender Maske anlegen. Die dazugehörige Pressluftflasche wiegt allein schon 16 Kilogramm. Dazu kommt der Helm, dann steigt Zech in den eigentlichen Anzug aus schwerem Kunststoffgewebe. Zum Schluss zieht Krämer mit einigem Kraftaufwand den gasdichten Reißverschluss zu und Zech sieht aus wie der Mann vom Mond.

"Der Anzug sollte in maximal fünf- bis sechs Minuten angezogen sein", erläutert Faller. Die Einsatzzeit im so genannten Vollschutz liegt bei maximal 20 Minuten. Die Luft reicht für ca. 30 bis 40 Minuten, wenn man nicht schwer arbeitet. Um in der Routine zu bleiben, gibt es für die Feuerwehrleute regelmäßige Übungen. Die Ausrüstung darf auch erst nach einem entsprechenden Ausbildungsgang angelegt werden.

Zum Einsatz ausrücken muss die Mannschaft im Durchschnitt 10 bis 15 Mal pro Jahr. "Wir werden sehr häufig von Speditionen gerufen, da laufen beim Be- und Entladen häufiger mal Gefahrenstoffe aus", sagt Faller. Auch bei der "rollenden Landstraße" gibt es immer mal wieder Alarm. Der aufwändigste Einsatz der letzten Jahre war allerdings im Heizkraftwerk der Uniklinik, wo eine größere Menge Salzsäure ausgelaufen ist.

Inzwischen mussten auf dem Platz der Alten Synagoge die Turniermodalitäten angepasst werden, um den Zeitplan einhalten zu können. Im CSA geht doch etwas an Dynamik verloren. Gewonnen hat letztendlich das Team aus Speyer, aber wie immer gilt: dabei sein ist alles.

Info: Kontakt für interessierte Frauen und Männer: Feuerwehr Freiburg Abteilung 18-ABC. Abteilungskommandant Clemens Faller. Telefon: 0761/7677494, E-Mail: kontakt@fwfr18.de. Internet: http://www.feuerwehr-freiburg-abteilung18.de