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13. September 2017

Kandidatencheck

Tobias Pflüger (Die Linke) im Wahlkreis 281 Freiburg

Er führt ein Leben für die Politik. Tobias Pflüger kann und will nicht anders. Friedenspolitik, soziale Gerechtigkeit, Europa – das sind seine Themen seit Jahrzehnten. Jetzt könnte er Freiburgs erster Bundestagsabgeordneter für die Linke werden. Mit Motorradhelm unterm Arm kommt Pflüger in die Redaktion zum Gespräch.

  1. Foto: Ingo Schneider

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"Was ich im Sinn habe..."

... ist der Kampf gegen Diskriminierung aufgrund der Herkunft. Dass zum Beispiel jemand eine Versicherung oder eine Wohnung nicht bekommt, nur weil er aus einem bestimmten Milieu stammt oder einen Migrationshintergrund hat. An Einzelfällen könnte man verzweifeln, aber gerade deshalb muss es darum gehen, die Gesamtbedingungen zu ändern. Deshalb bin ich in die Politik gegangen. Mir ist klar, dass man da ganz dicke Bretter bohren muss.  

Autor: bz

"Was ich anpacken will..."

... sind die Rüstungsprojekte, die laufen. Die will ich so richtig auseinander nehmen. Sie dauern immer länger und werden immer teurer. Dazu haben mich viele, nicht nur aus der Partei, ermuntert, und das ist auch mein Spezialgebiet. Ich werde versuchen, die angestrebte Erhöhung des Verteidigungsetats auf zwei Prozent der Wirtschaftsleistung, wie es die Nato-Vereinbarung vorsieht, zu verhindern.  

Autor: bz

"Mein Herz schlägt für..."

... benachteiligte Menschen. Der Sohn eines Pfarrers zu sein, hat mich natürlich geprägt. Sich um die Nächsten zu kümmern. Und als meine Mutter nach der Trennung zuerst in den Schwarzwald und dann zurück in die hiesige Gegend gezogen ist, habe ich erlebt, wie schwer es Alleinerziehende haben. Sie hat enorm viel geleistet. Ja, und mein Herz schlägt auch für die Landschaft rund um Freiburg. Derzeit fahre ich viel mit dem Elektroroller durch die Gegend und bin hin und weg. Ich sage allen, dass dieser Wahlkreis etwas hat.  

Autor: bz

"An die Nieren geht mir..."

... soziale Ungerechtigkeit, für die die Betroffenen nichts können. Dieses Gefälle von Arm und Reich und dass manche aufgrund gesellschaftlicher Bedingungen nicht die Möglichkeit haben, ihre Lage zu verbessern. Eine Bekannte sitzt wegen unglücklicher Umstände und der Mühlen der Bürokratie auf einem Schuldenberg. So etwas kann jeden treffen. Ich versuche, dass sie in einen Job und auf die Beine kommt.  

Autor: bz

Drei Ziele...

... für meinen Wahlkreis

» Eine echte Mietpreisbremse. Der Vermieter soll die Miete des Vormieters offenlegen müssen.
Ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die soziale Spaltung in Freiburg heftiger ist als viele meinen.
» Die Linke besser in Freiburg verankern. Sollte das mit dem Mandat klappen, stehen die Chancen gut.

... für die Bundespolitik

» Die Auslandseinsätze der Bundeswehr müssen einer Prüfung unterzogen werden, ob sie was bringen.
Den Themenbereich Türkei und Kurdistan beackern.
In der Europa-, Außen- und Sicherheitspolitik eine vernünftige Opposition machen. Der Blickwinkel aus der Grenzregion ist dabei sehr hilfreich.  

Autor: bz

"Beweglichkeit in der Politik..."

... ist immer wichtig. Man muss sich Debatten stellen und die Bereitschaft haben, Positionen zu hinterfragen und zu ändern. Ich habe als wissenschaftlicher Mitarbeiter für eine grüne Landtagsabgeordnete gearbeitet, war als Parteiloser für die damalige PDS im Europaparlament. Meine Haltung in Sachen Friedenspolitik und Atomkraft ist dabei immer gleich geblieben. Ich bin nicht mal Sozialist oder Pazifist, ich würde mich eher als einen Praxislinken bezeichnen.  

Autor: bz

"Mein weiterer Weg führt mich..."

... hoffentlich nach Berlin. Vor vier Jahren sah es ja schon so aus, dass ich mit Platz 6 der Landesliste ein Überhangmandat bekomme. Doch es ging dann nach Nordrhein-Westfalen. Jetzt kandidiere ich auf Listenplatz 4. Wenn die Linke in Baden-Württemberg um die vier Prozent holt, müsste es reichen. In Berlin würde ich garantiert etwas zu den Themen Europa, Außenpolitik, Verteidigung machen, und zwar in verantwortlicher Funktion.  

Autor: bz

ZUR PERSON: Tobias Pflüger

Geboren: 1. Februar 1965 in Stuttgart
Wohnort: Merzhausen, Tübingen, Berlin
Beruf: wissenschaftlicher Angestellter und Friedensforscher

Familienstand: ledig

Karriere: seit den 80er-Jahren aktiv in der Friedens- und Anti-Atombewegung; 2004 – 2009 Mitglied im Europäischen Parlament; seit 2010 Mitglied im Linke-Parteivorstand, seit 2014 als stellvertretender Bundesvorsitzender
Ausbildung: Studium Politikwissenschaft und Empirische Kulturwissenschaft in Tübingen

Parteimitglied seit 2008.

http://www.tobias-pflüger.de  

Autor: bz

NACHGEHAKT: Info

Sozialismus kann lustvoll sein

Tobias Pflüger nimmt den zweiten Anlauf, um im Freiburger Wahlkreis für die Linke in den Bundestag einzuziehen. Aktuellen Umfragen zufolge hat er auf Platz vier der Landesliste sehr gute Chancen.

BZ: Im Wahlprogramm beklagt die Linke eine Verrohung des gesellschaftlichen Klimas. Könnten Sie darüber mal mit der Freiburger Antifa reden?

Pflüger: Dass sie sich gegen den Rechtstrend stemmt, ist richtig.

BZ: Was haben verschmierte Wände und Flaschenwerfen damit zu tun?

Pflüger: Ich sage immer, dass man so agieren muss, dass es für alle nachvollziehbar ist. Ich bin sehr offen für zivilen Ungehorsam, aber er muss grundsätzlich gewaltfrei sein.

BZ: Die Linke will die Sanktionen gegen Russland beenden und fordert eine Entspannungspolitik. Wollen Sie einen Mediator aus Vauban zu Putin schicken?

Pflüger: Die Aufrüstung ist gefährlich. Ich habe gegen die Verlegung von US-Truppen und Bundeswehr nach Litauen demonstriert. Ich bin weder russophil noch russophob, aber für die Aufhebung der Sanktionen, weil sie die Herrscher stärken und die Bevölkerung schwächen.

BZ: Muss Russland die Krim zurück an die Ukraine geben?

Pflüger: Ich bin für ein korrektes Referendum unter UN-Aufsicht. Die jetzige Situation ist völkerrechtlich echt fragwürdig.

BZ: Die Linke setzt sich in ihrem Wahlprogramm für einen lustvollen Sozialismus ein. Mehr Widerspruch geht doch gar nicht.

Pflüger: Immer wird Sozialismus mit der DDR in Verbindung gebracht. Dadurch ist er zu einem in Teilen diskreditierten Begriff geworden. Sozialismus kann sehr wohl lustvoll sein.

BZ: Haben Sie auch empört reagiert, als Sarah Wagenknecht vor einem Jahr in der Flüchtlingsdebatte Sachen sagte ("Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht dann eben auch verwirkt"), die auch aus der AfD hätten stammen können und von dort beklatscht wurden?

Pflüger: Ich finde ja nicht, dass ihre Aussage nach AfD geklungen hat; was von dort kommt, ist viel schlimmer. Aber trotzdem: Ich habe ihr gegenüber sehr klar gesagt, dass ich das für überhaupt nicht akzeptabel halte.  

Autor: bz

Autor: Uwe Mauch