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24. November 2009
Träumerei oder echter Bedarf?
Der "Lebenswerkraum" will gemeinschaftliches Wohnen und Arbeiten in Freiburg ermöglichen – die Wohnungswirtschaft schaut zu
Von einem Trend zu sprechen, wäre übertrieben. Doch die Idee vom Wohnen und Leben in Gemeinschaft taucht in Freiburg immer wieder, in immer neuen Formen und – so meint man – auch immer öfter auf. Jetzt will es Immobilienmakler Thomas Hertle wissen. Der Chef der Mitwohnzentrale "Home Company" in Freiburg will für 6 Millionen Euro mit Gleichgesinnten den "Lebenswerkraum" verwirklichen. In der Rehlingstraße 8 sollen Menschen zusammen leben und arbeiten. Die Wohnungswirtschaft verfolgt das Thema teils neugierig, teils kritisch.
"Ich hab’ mir schon immer gewünscht, gemeinsam mit anderen zu leben", sagt Detlef Spreu. Der 48-jährige Erwachsendenbildner ist Vater, lebt aber nicht als "Kleinfamilie" zusammen, eine Lebensform, die er als ohnehin ziemlich gescheitert ansieht. Spreu war am Freitag im "Waldhaus" mit dabei, als Thomas Hertle (43) vor rund 50 Interessenten das Projekt "Lebenswerkraum" vorstellte. Angetan davon ist auch die Biologin Agnes Éber. Als alleinerziehende Mutter zweier Kinder sehnt sich die 36-Jährige nach engerem Zusammenleben mit anderen. "Unsere Gesellschaft ist hoch individualistisch. Das ist einerseits wertvoll, doch andererseits macht es einsam", so Éber. Sie habe mit den Kindern bereits in einer klassischen Wohngemeinschaft gelebt. Das sei auf Dauer aber wiederum eine Stufe zu eng gewesen.Werbung
Der 2000 Quadratmeter große "Lebenswerkraum", den Thomas Hertle schaffen will, soll eine Wohn- und Lebensform sein, die in der Mitte zwischen WG und gewöhnlichem Mehrfamilienhaus liegt. Jeder der 30 Bewohner wird privaten Wohnraum haben. Der soll allerdings kleiner als üblich ausfallen, denn ein beträchtlicher Teil des Tagesablaufs wird sich in gemeinschaftlichen Bereichen abspielen, etwa im großen Wintergarten. Außerdem wird es auch anderthalb Dutzend Büros für Gewerbetreibende geben, dazu einen gemeinsamen Wellnessbereich, Veranstaltungsräume und Lounges. Nicht zuletzt soll das Haus den neuesten energetischen Ansprüchen genügen.
Bei den Profis von der gewerblichen Freiburger Wohnungswirtschaft beobachtet man Vorhaben wie den "Lebenswerkraum" und ähnliche Projekte wie "Arche", "Genova" oder das Mehrgenerationenquartier des Bauvereins an der Zähringer Straße (die BZ berichtete) mit Interesse, teils aber auch mit Skepsis. Stadtbau-Chef Ralf Klausmann: "Wir verfolgen das Thema und unterstützen solche Vorhaben." Ein Kollege von einer privaten Bauträgergesellschaft, der nicht genannt werden will, sagt jedoch: "Das sollen die machen, die von solchen Sachen träumen. Meist scheitert es aber schon an der Finanzierung. Für uns wäre so ein Projekt sicher kein Geschäftsmodell."
Autor: Holger Schindler



