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23. Dezember 2011

Treubau nimmt das Risiko und kauft

Nikolaus von Gayling steigt aus der Sanierung der Kappler Altlast aus / Treubau-Chef peilt mehr als 100 Wohnungen an.

  1. 1954 machte die Stolberger Zink AG ihr Bergwerk in Kappel dicht. Noch Jahre später waren die Abraumhalden zu sehen. Am Fuß des Hangs soll auf saniertem Areal ein Baugebiet entstehen. Foto: Privat

Jetzt soll’s die Treubau AG richten. Das Freiburger Unternehmen hat das durch Bergbau belastete Areal in Kappel von Nikolaus von Gayling abgekauft, um es nach einer aufwändigen Sanierung zu bebauen. Damit wird ein neues Kapitel in der unendlichen Geschichte der Kappler Altlast aufgeschlagen.

Der Ortsvorsteher von Kappel, Hermann Dittmers (CDU), informierte den Ortschaftsrat in dessen jüngster Sitzung über die geänderten Eigentumsverhältnisse informiert. Ein Jahr lang hatte das ehrgeizige Vorhaben auf Eis gelegen, weil sich der bisherige Besitzer Nikolaus von Gayling und sein Rottenburger Projektentwickler Gerhard Eisele zerstritten hatten. Eisele sollte das Grundstück im vergangenen Dezember übernehmen – allerdings zog er die Option angesichts des Risikos nicht. Jetzt soll er im Auftrag der Treubau AG die Sanierungspläne vorantreiben, für die er bereits viel Vorarbeit geleistet hat.

"Ich bin kein Bauträger", begründete der Ebneter Forstwirt und Stadtrat Nikolaus von Gayling gegenüber der BZ den Grundstücksverkauf. Er war es, der vor genau drei Jahren das mit Schwermetallen und Hypotheken belastete Areal erworben hatte. 430 000 Euro legte er bei einer Zwangsversteigerung auf den Tisch. Mit Nebenkosten addierten sich die Ausgaben auf fast eine Million Euro. Einerseits habe er sich als Grundstücksnachbar in der Pflicht gesehen, mit seiner Investition endlich die seit 27 Jahren anstehende Sanierung der 2,4 Hektar großen Fläche zu ermöglichen. Das Vorhaben war immer wieder an Eigentümerwechsel, Firmenpleite, Bankbürgschaften gescheitert. Andererseits habe er noch Grundstücke, die er erst in Bauland umwandeln kann, wenn die Altlast beseitigt und bebaut ist. Ein Beschluss des Ortschaftsrats. Diese Hürde soll nun die Treubau AG aus dem Weg räumen. Trotz des Deals, deutet von Gayling an, müsse er noch draufzahlen.

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Drei Jahrzehnte, nachdem die Stolberger Zink AG ihr Bergwerk im Jahr 1954 dicht gemachte hatte, traten die giftigen Folgen der Hinterlassenschaften zutage. Der Boden, aber auch das Grundwasser in der Nähe der einstigen Flotationsteiche ist mit Schwermetallen belastet. Doch nur wenige Meter westlich seien sie nicht mehr nachweisbar, sagt Ralf Zähringer, der im Umweltschutzamt seit Jahren für die Kappler Altlast zuständig ist. Würde akute Gefahr drohen, müsste die Stadtverwaltung erst einmal auf eigene Kosten sanieren und versuchen, das Geld vom Eigentümer zu holen.

Vier Millionen Euro werde die Sanierung mindestens kosten, schätzt Gerhard Eisele. Der Experte wollte ursprünglich selbst als Sanierer und Investor auftreten. Die Vermarktung des Baulandes sollte die Ausgaben für die Sanierung decken. Ein Jahr lang ging gar nichts, jetzt wagt sich die Treubau AG an das heiße Eisen: "Das Risiko ist da, aber in den Griff zu bekommen", sagt Treubau-Vorstand Volker Homann. Allerdings genügten die bislang im Bebauungsplanverfahren vorgesehenen 80 Wohneinheiten nicht. Homanns Ziel: mehr als 100.

Den vorgeschriebenen Sanierungsplan hat Gerhard Eisele im Rathaus eingereicht. Spätestens im März sollen noch fehlende Unterlagen wie der landschaftspflegerische Begleitplan folgen. Im Mai könnten die Bürger offiziell informiert werden. Ziel sei es, möglichst im Winter 2012/2013 die 42 000 Tonnen an Erdaushub auf die Hangflächen oberhalb der Altlast zu transportieren. "Da ist es feucht und es wird weniger Staub aufgewirbelt."

Autor: Andreas Peikert und Uwe Mauch