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24. Februar 2010

Treue zum Münstermarkt

FWTM ehrt Marktbeschicker, die seit Jahrzehnten den Wochenmarkt beliefern.

  1. Mit 60 Jahren als Marktbeschickerin war sie der Star des Abends: Emilie Bär aus Eichstetten. Foto: Bamberger

Fast hätte es mit der Ehrung am Montagabend im Historischen Kaufhaus gar nicht geklappt. Emilie Bär hatte in Eichstetten übers Rebenschneiden die Zeit vergessen. Die Fahrt in die Stadt zusammen mit ihren beiden Schwestern wurde zu einem regelrechten Husarenritt. "Mir haben richtig die Backen geglüht", sagt Emilie Bär. Schließlich gehörte das Trio aber sogar zu den ersten im Festsaal, in dem insgesamt 21 Marktbeschicker von der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) für langjährige Treue auf dem Münstermarkt geehrt wurden.

Wie am Montagnachmittag ist die 74-jährige Emilie Bär nur selten in die Stadt geeilt. Dafür aber hat sie in 60 Jahren als Münstermarktbeschickerin diese Reise seit sie 14 war an die 10 000 Mal unternommen. Dicht gefolgt übrigens in der Rangliste langjähriger Marktbeschickertreue von ihren eigenen Schwestern, den Zwillingen Anni Koch und Leni Meier, die – damals gerade 12-jährig – noch nicht mit einsteigen mussten. So war es denn erstmal zwei Jahre lang Emilie, die morgens ihr Obst und Gemüse auf den Hänger eines Nachbarn packte, um dann selber gen Freiburg zu radeln.

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Jahre später tuckerte dann ein Omnibus mit den Kaiserstühler Marktbeschickern nach Freiburg. Dort baute man zunächst auf dem Karlsplatz auf – dem damaligen "Großmarkt" für die Händler. Was da übrigblieb, wurde wieder eingepackt und auf den Münsterplatz befördert: Dort fand der sogenannte "Kleinmarkt" statt.

Wer selber anbaut, kann nicht jeden Tag auf dem Markt stehen, erklärt Emilie Bär geduldig: "Irgendwann muss ja auch alles angebaut und geerntet werden." Sie und ihre Schwestern tun das noch von Hand und mit der Hacke. Und die Wintermonate auf dem Markt, die lassen sie aus, seit sie die 70 überschritten haben. "Wir kommen nur noch im Sommer", sagt Anni Koch, "also von März bis Dezember." Und sie kommen auch nur noch mittwochs und freitags – und zwar mit dem Auto mit Hänger. Schönes und uraltes Schwestern-Ritual jeden Mittwochmorgen auf dem Münsterplatz: "Eine Stunde gemeinsam Kaffeetrinken beim Oberkirch und reden."

Und geredet wurde natürlich auch bei der Ehrung im Historischen Kaufhaus. FWTM-Chef Bernd Dallmann dankte den 21 Marktbeschickern – zwischen 20 und 60 Jahren Wochenmarkt-Mitwirkung wurden hier belobigt – und betonte: "Auf unserem Münstermarkt wird das ganz normale Zusammenleben von Land und Stadt ganz toll organisiert." Und zwar seit 700 Jahren. Für die Belieferung der "Mutter aller Märkte" während etlicher Jahrzehnte, gab’s Urkunden, Wein, Blumen und einen Regenschirm. Und Anerkennung – nicht nur für die Treue, sondern auch dafür, dass die über die Jahre entstandenen Stadtteilmärkte für viele Marktbeschicker eine echte Herausforderung bedeuteten, so Dallmann.

Die Herausforderung sei im Grunde die Bewältigung jeden einzelnen Arbeitstages, erzählt später Walter Scherzer vergnügt: "Der schönste Moment ist immer, wenn’s geschafft ist und man zusammenpacken kann." Auch Walter Scherzer kommt mit seiner Frau Anneliese als Vollerwerbsbauer seit 40 Jahren regelmäßig auf den Markt. Am Tag nach der Ehrung stehen die beiden da wie immer. Und auch Ursula Wagner, die immerhin auf 50 runde Jahre als Marktbeschickerin zurückblickt, wiegt am Dienstagfrüh schon an ihrem Marktstand den Feldsalat aus.

"Viele von uns", sinniert Emilie Bär, "sind inzwischen ganz schön alt – wer weiß, wie lange wir noch so kommen können." Und Landwirt Stefan Meier, der für 25 Jahre Münstermarkttreue ausgezeichnet wurde, findet: "Wenn man erst mal die 25 hat, werden’s ganz schön schnell 50." Für den Holzkünstler Raphael Fels ist die Ehrung zu 25 Jahren Marktzugehörigkeit wie ein Geburtstag, und beschenkt von der "offiziellen" Aufmerksamkeit fühlen sich alle 21 Beglückwünschten an diesem Abend. Natürlich auch Emilie Bär, die lässig mit ihrem Strauß gelber Lilien gestikuliert. Blumen sind ihr liebstes: "Auch auf meinem Marktstand!"

Autor: Julia Littmann