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16. September 2013

Wettbewerb

Trinationale Meisterschaft des Fahrradkuriere in Freiburg

In Freiburg trugen Fahrradkuriere aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre trinationale Meisterschaft aus.

  1. Der eine schnauft, der andere raucht: Auch Lastentransport gehörte zu den Wettkampfaufgaben (Foto links). Und ein guter Kurier kann sich natürlich auch orientieren, ohne dabei anzuhalten. Für beides (Rauchen und Lesen beim Radeln) gilt: Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen! Schaut euch nur mal das Knie vom rechten Radler an. Foto: Michael Bamberger

  2. Foto: Michael Bamberger

Drei Tage lang trafen sich am Wochenende Fahrradkuriere aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Trinationalen Meisterschaft in Freiburg. Zuletzt fand hier vor zwölf Jahren eine Meisterschaft statt. Normalerweise veranstaltet jedes Land jährlich eine eigene Meisterschaft. "Wir dachten aber dieses Jahr, es wäre ein guter Impuls, das mal zusammen zusammen zu machen. Wir kennen uns ja sowieso alle", sagt Organisator Christoph Hammann-Kloss vom Trägerverein Fahrrad- und Kurierkumpels Freiburg.

Zum Einstieg gab es am Freitag einen Bergsprint und eine Fahrradralley durch Freiburg. Die Hauptrennen fanden Samstag und Sonntag im Weingartener Dietenbachpark statt. Die Fahrradkuriere sind schon ein ganz eigenes Völkchen. Das merkt man gleich, wenn man sich dem Start-Ziel-Bereich der Hauptrennen im Dietenbachpark nähert. Ohrenbetäubende Beats beschallen den Platz, überall liegen kreuz und quer Fahrräder herum. Lässige Jungs in Bikertrikots plaudern mit Bier und Zigarette entspannt über das Leben als Fahrradkurier.

Am Zieleinlauf wird allerdings ernsthaft gearbeitet. Da sitzen Matthis Bauer und Marcus Pankopf und nehmen die Zeit der eintreffenden Teilnehmer vom Qualifizierungsrennen. Das Finale findet am Sonntag statt. "Das Rennen läuft seit 13 Uhr", sagt Matthis Bauer, "aber jeder kann anfangen, wann er will. Wir nehmen einfach die Start- und die Ankunftszeit." Dieses Handling kommt der feierfreudigen Truppe entgegen.

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Hammann-Kloss führt selbst ein Fahrradkurier-Unternehmen und kennt sich mit der Mentalität der Kuriere aus. "Wer feiern kann, muss auch arbeiten können", sagt er, das hätten alle Kuriere verinnerlicht. Denn Kurierdienst sei auch Teamarbeit. Wenn einer nicht komme, weil er verkatert sei, müssten die anderen seine Arbeit mit machen. Das würde aber kaum einer seinen Kollegen zumuten. "Wir haben mit dem Rennparcours den Alltag eines Fahrradkuriers nachempfunden", erläutert Pankopf. Im Dietenbachpark gibt es dementsprechend zwölf Stationen. Jeder Teilnehmer erhält zu Beginn des Rennens ein Aufgabenblatt. Er muss bestimmte Stationen anfahren, dort etwas abholen und zu einer anderen Station bringen. Das kann ein Brief sein, ein Pflasterstein oder auch eine Urinprobe. "Der Urin ist natürlich Apfelsaft, und auf dem Behälter stehen alle Tour-de-France-Sieger seit 1990", erzählt Pankopf und lacht. Ein bisschen Spaß muss sein. Hat der Teilnehmer eine Aufgabe erledigt, wird das auf dem Blatt mit Stempeln dokumentiert. Ist ein Blatt abgearbeitet, bekommt der Teilnehmer am Zieleinlauf die nächsten Aufgaben. Vier Aufgabenzettel gibt es insgesamt. Manifeste heißen diese Blätter. "Ich weiß gar nicht so genau warum", bekennt Hammann-Kloss.

Unter den 121 Teilnehmern sind gerade mal 19 Frauen. Eine von ihnen ist die Freiburgerin Anne Zahn. Sie ist zufrieden mit ihrem Rennen. Mit einer Zeit von zwei Stunden, neunzehn Minuten hat sie sich für das Finale qualifiziert. "Die größte Herausforderung ist, sich seine Kräfte richtig einzuteilen", sagt sie. Außerdem müssen die Teilnehmer die geforderten Routen möglichst optimal koordinieren. Anne ist mit zwei Kollegen im Team gefahren. "Der Vorteil ist, dass man im Team besser die optimale Route findet. Der Nachteil, dass man vielleicht mal auf einen warten muss, weil der zum Beispiel gestürzt ist." Zusammen mache es auf jeden Fall mehr Spaß.

Der Vollständigkeit halber: Gewonnen haben bei den Männern Johannes Schmid (Freiburg) vor Jonas Vuille (Lausanne) und Martin Lichtenfeld (Frankfurt) sowie bei den Frauen Clara Felis (Wien) vor Ursle Schneider (Basel) und Josephine Reitzel (Lausanne). Alle Rennresultate unter http://tricmc2013.org/resultate/

Eine Bildergalerie von der Fahrradkuriermeisterschaft gibt es unter http://mehr.bz/fahrradkuriere13

Autor: Petra Völzing