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10. Juli 2009 17:40 Uhr

G8 und G9

Turbo-Abiturienten schneiden gleich gut ab

Das sogenannte Turbo-Abitur ist ein Erfolg – zumindest am Freiburger Rotteck-Gymnasium. Das überraschende Ergebnis: Die G8- und G9-Schüler haben mit einem Notenschnitt von 2,2 exakt gleich gut abgeschnitten.

  1. Abitur 2009 – an manchen Schulen waren gleich zwei Klassen im Prüfungsstress. Foto: ddp

Das Freiburger Rotteck-Gymnasium ist eine von vier Schulen in Baden-Württemberg, an denen das Doppelabitur von G 8- (acht Jahre bis zum Abschluss) und G 9-Schülern (neun Jahre) bereits dieses Jahr stattfand – und beide erzielten im Schnitt dasselbe Ergebnis. Vergangene Woche feierten die 91 G 9- und die 66 G 8-Absolventen ihren Erfolg beim Abiball im Europapark.

Eine Schülerin und drei Schüler schafften sogar das Traumergebnis von 1,0. Von ihnen wiederum schnitt Simeon Scheuermann am besten ab – ein G 8-Schüler. "Offensichtlich sind wir die Sache richtig angegangen", freut sich Schulleiter Eberhard Fugmann. Bei der Gesamtlehrerkonferenz diese Woche habe er sich bei seinen Kollegen für ihr Engagement bedankt und für den mutigen Schritt, den sie im Jahr 2001 gemeinsam gewagt hatten. Verantwortlich war damals Fugmanns Vorgängerin Sybille Bauer. Drei Jahre früher als fast alle anderen Gymnasien im Land stellte sie alle fünften Klassen aufs achtjährige Gymnasium um – eine Entscheidung, die damals nicht unumstritten war. Bedenken hatten vor allem Eltern, die fürchteten, dass ihre Kinder überfordert würden.

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Im Nachhinein scheinen die Bedenken überflüssig. Zwar sind von den 88 G 8-Kindern, die damals an den Start gingen, nur 66 übrig geblieben. Den Schwund bezeichnet Schulleiter Fugmann aber als normal. Bei den 91 G 9-Schülern, die jetzt ihr Abi in der Tasche haben, sind im Laufe der Schulzeit 25 sitzen geblieben oder vorzeitig abgesprungen. Auch der zunächst befürchtete Einbruch der Anmeldezahlen habe sich nicht eingestellt: Das Rotteck sei stabil vierzügig.

Doch wie konnten die G 8-Schüler das fehlende Schuljahr so problemlos aufholen? "Darum ging es gar nicht", sagt Fugmann. Grundlage für die gelungene Verkürzung der Schulzeit sei vielmehr die Umstellung auf die Bildungsstandards im Jahr 2004: "Statt um Stoffhuberei geht es seither um Kompetenzerwerb." Im Vordergrund stehe selbst verantwortliches Lernen. Zudem hätten die G 8-Schüler einen eigenen, abgespeckten Lehrplan bekommen. Dabei sei sicher gestellt worden, dass sie kein Prüfungswissen versäumten. Stressiger hatten es die Turbo-Abiturienten aber schon, zumal sie mehr Nachmittagsunterricht absolvieren mussten. In der Kursstufe wurden am Rotteck die beiden Jahrgänge zusammen gelegt. Das heißt, bereits zwei Jahre vor dem Abitur besuchten die G 9er und G 8er die gleichen Kurse. Die oft geäußerte Vermutung, dass der erste G 8-Jahrgang mit den besten Lehrern versorgt worden sei, weist Fugmann zurück: "Hier war der Lehrerwunsch ausschlaggebend."

Neben dem Rotteck fand das vorgezogene Doppelabi dieses Jahr auch an drei Schulen im Stuttgarter Raum statt. Auch dort waren die Ergebnisse der beiden Klassenstufen annähernd gleich gut. Grund genug, für die anderen Gymnasien gelassen in die Zukunft zu blicken. "Das G 8 läuft gut", sagt Rolf Behrens, geschäftsführender Schulleiter der Freiburger Gymnasien. Das große Doppelabi im Jahr 2012 werde schon jetzt vorbereitet. Und wie Alfons Bank, Sprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, ankündigt, sollen die Schulen für diesen Kraftakt mit zusätzlichen Lehrerstunden ausgestattet werden.

Autor: Heike Spannagel