30. April 2009
Uni-Austausch mit Polen fing in Freiburg an
Als Tim Zosel vor fünf Jahren entschied, ein freiwilliges Jahr in Polen abzuleisten, war das für viele Freunde eine durchaus exotische Entscheidung. "Polen war von meiner Heimatstadt Berlin aus eigentlich ganz nah – aber gefühlt war es ewig weit weg", beschreibt das Tim Zosel. Heute studiert der 22-Jährige Bildungsplanung in Freiburg – und ist seit wenigen Tagen Erster Vorsitzender der "Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa", kurz GFPS genannt. Der gemeinnützige Verein wurde Freiburg gegründet – und feiert in diesen Tagen hier seinen 25. Geburtstag.
Eigentlich erstaunlich, dass damals, Mitte der 80er Jahre, ausgerechnet ein Freiburger auf die Idee kam, quasi auf eigene Faust einen Studentenaustausch mit Polen zu organisieren: Immerhin liegt keine deutsche Universitätsstadt weiter von Polen weg als Freiburg. Georg Ziegler jedoch hatte nach einem Auslandssemester im polnischen Lublin die Idee, dass ein Austausch auch in umgekehrter Richtung funktionieren müsste. Er warb und wirbelte, was das Zeug hielt, knüpfte Verbindungen über die Uni und über die Politik – und 1984 konnte der gemeinnützige Verein GFPS endlich in Aktion treten: Zwei Polinnen kamen für ein Auslandssemester nach Freiburg.
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Fünf Jahre später öffnete sich der "Eiserne Vorhang", die Bedingungen für weitere Austauschaktivitäten waren fortan gut – Tschechien und Weißrussland (Belarus) wurden in das Programm mit aufgenommen. Allerdings relativiert Tim Zosel die Geschichte dieses Erfolges: "Studierende aus Deutschland können nach wie vor nicht nach Belarus gehen." Insgesamt hatte die GFPS bislang 850 Stipendiaten – betreut von den Stadtgruppen der jeweiligen Unis, 44 waren das über die Jahre hier in Freiburg. Die Betreuung vor Ort nennt Tim Zosel ein ganz wesentliches Merkmal dieses Austausches: "Wer aus einem der drei Länder kommt, ist hier einfach nicht allein – genauso wenig wie die, die von Deutschland aus an polnische oder tschechische Universitäten gehen."
Acht polnische, ein tschechischer und ein belarussischer Student sind vom heutigen Donnerstag bis zum Sonntag zum sogenannten "Jubliäumsstädtetag" in Freiburg. Das ist quasi die Landung im Gastland – in Freiburg bleibt nach den Städtetagen in diesem Semester keiner der Stipendiaten. Das Fest, mit dem die GFPS ihren 25. Geburtstag feiert, findet standesgemäß in Görlitz statt. "Das ist schon geografisch quasi im Herzen von GFPS", erklärt Tim Zosel – und es liegt für alle Festgäste wunderbar zentral. Dass die Länder Osteuropas auch im Westen einen zentraleren Raum einnehmen sollten, ist eines der Ziele, die Tim Zosel für anstrebenswert hält. Da sei noch vieles sperrig, nicht naheliegend. Dabei gibt es ihn, diesen "Spirit" von Polen, findet der GFPS-Vorsitzende, "es ist spontaner, flexibler, herzlicher." Seine "Mission" ist jedoch nicht, alte oder neue Klischees zu pflegen, sondern die Normalität zu beleben.
Das Programm des Freiburger Städtetags (29.4. - 3.5.): www.gfps.org
Autor: Julia Littmann





