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27. April 2011 09:54 Uhr

Bildung

40-Millionen-Projekt: United World College in die Kartaus

Im Herbst soll der Grundstein gelegt werden: Die Freiburger Kartaus, ein ehemaliges Kloster, wird die Heimstätte des United World College. 2014 soll die Internatsschule eröffnet werden.

  1. Eliteschüler ante Portas: Ins frühere Kartäuserkloster sollen begabte Jugendliche aus aller Welt ziehen. Foto: kunz

Bis zu 40 Millionen Euro sollen in die Kartaus fließen, damit eine internationale Schule in das ehemalige Kloster ziehen kann. Die Investition für das erste und einzige "United World College in Deutschland wollen die Bosch-Stiftung und die Firma Bosch stemmen.

Von einem "Bildungshighlight" hat schon ganz international Oberbürgermeister Dieter Salomon gestern bei der offiziellen Vorstellung des Vorhabens gesprochen. Dass die angesehene Einrichtung einen Ableger im Stadtteil Waldsee für rund 200 Oberstufenschüler aus gut 70 Nationen eröffnen soll, hält er für eine phantastische Chance – für das leerstehende frühere Kartäuserkloster und für den Schulstandort Freiburg. Nach einem United World College (UWC) würden sich viele Städte die Finger lecken, meinte Salomon. Bislang gibt es 13 auf der ganzen Welt – aber keines in Deutschland. Die Verhandlungen mit der Bosch-Stiftung in Stuttgart laufen.

Ziele: Völkerverständigung, Förderung von Bildung, soziales Engagement

Die Stiftung will sich die Investition mit der Bosch GmbH teilen. "Wir haben 40 Millionen bereitgestellt", sagte Geschäftsführerin Ingrid Hamm. Darin enthalten sei Geld für den Anlauf, etwa für Personal. Die Modernisierung der teils 250 Jahre alten Gemäuer und Neubau soll 30 bis 36 Millionen kosten. Anlass für die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Stiftung sei der 150. Geburtstag von Robert Bosch. "Das UWC stellt für uns im kleinen das dar, wofür er steht": Völkerverständigung, Förderung von Bildung, soziales Engagement. Die Jugendlichen verließen die zweijährige Schule als Weltbürger. UWC-Gründer Kurt Hahn und Bosch waren befreundet. Zum Geburtstag im September soll Projektstart sein. Man habe einen Standort in Baden-Württemberg gesucht, sagte Hamm. Freiburg ins Gespräch gebracht hat Verleger Christian Hodeige, selbst UWC-Absolvent und für die Schulbewegung aktiv. "Seit 30 Jahren versuchen wir im Land des Gründers ein College anzusiedeln."

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Nach vielen Gesprächen und mit Hilfe von Staats- und Ex-Kultusminister Helmut Rau scheint’s jetzt zu klappen. Hamm zufolge verbinde sich in der Kartaus Alt und Neu, in der Stadt gebe es Ansprechpartner für grüne Technologie und Nachhaltigkeit, die Schwerpunkte der Schule.

Erbbaurecht für 75 Jahre

Vor gut zwei Jahren ist die Heiliggeistspitalstiftung mit einem Pflegeheim aus der Kartaus ausgezogen. Die bauliche Situation sei nicht mehr vertretbar, eine Sanierung zu teuer gewesen, erklärte Stiftungsdirektor Lothar Böhler. Es habe auch andere Interessenten für das Anwesen gegeben. Das beherbergt noch Kunstwerke und Stiftungsküche, die Verträge mit dem Hofpächter und dem Spielmobil enden 2012. UWC und Kartaus passt für Böhler ideal. Er will sie im Erbbaurecht für 75 Jahre übergeben, also die Gebäude (Wert 1,4 Mio) verkaufen und das Areal für eine niedrige sechsstellige Summe im Jahr verpachten. Zuvor müssen die Stadträte einem Bebauungsplan zustimmen. Fünf Architektenbüros sollen sich mit dem Projekt beschäftigen, so Baubürgermeister Martin Haag. Im Herbst soll das bauliche Konzept stehen.

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Autor: Simone Höhl