Unorthodoxer Helfer der Griechen

Heinz Siebold

Von Heinz Siebold

Mi, 29. Mai 2013

Freiburg

Ex-Lifasswirt Alexandros Jazakis aktiviert seine alten Netzwerke, um den Menschen in seiner neuen Heimat zu helfen.

Aus der Traum: Griechenland ist nicht mehr nur das Paradies für einen unbeschwerten Urlaub unter strahlender Sonne und Sirtaki unter Olivenbäumen. Mit fröhlichen Gastgebern bei Souvlaki, Retsina und Ouzo. Die Griechen leiden und die Tragödie findet nicht im Amphitheater, sondern mitten im Leben statt. "Griechenland verarmt. Von den EU-Geldern kommt nichts bei der Bevölkerung an", sagt Alexandros Jazakis. Geschäfte schließen massenhaft, kranke Menschen können sich Arzt und Arznei nicht mehr leisten, Arbeitslose die Mieten nicht zahlen.

Alexandros Jazakis hilft mit Geld und Lebensmitteln. Zuerst schrieb er die anderen Ferienhausbesitzer an und dann einige seiner Gäste in Deutschland, die so viele Sommer bei ihm gewohnt, gegessen, gefeiert und getanzt haben – in Aigio, einer Kleinstadt mit 30 000 Einwohnern auf dem Peleponnes nahe Patras. Denn Alexandros Jazakis ist ein zugewanderter Grieche, geboren wurde er als Werner Kolich 1943 in Berlin. Eigentlich wollte er mal Mönch werden, zuckte aber vor den Konsequenzen des Zölibats zurück. Sein Weg führte ihn nach Freiburg, wo er 1974 die Freie Künstlergruppe und zwei Jahre später in der Moltkestraße das "Litfass", die kleinste Kleinkunstkneipe Deutschlands, eröffnete und zehn Jahre lang führte.

Die Kunst brachte ihn dann nach Griechenland, wo er sich 1986 niederließ, heiratete, ein bescheidenes Anwesen erwarb und ausbaute, den orthodoxen Glauben und die griechische Staatsbürgerschaft annahm. Sein Haus mit dem Skulpturengarten wurde ein internationales Gästehaus, nebenbei vermittelte Kolich-Jazakis Immobilien. Der Kontakt zu den Freunden und Stammkunden im Litfass in Freiburg riss nicht ab, die waren mittlerweile Anwalt, Reiseunternehmer, Lehrer oder Arzt geworden. Und wie schon seit ewigen Zeiten hatte auch sie der "griechische Mythos" befallen, ganz in der Tradition von Goethes Iphigenie: "Und an dem Ufer steh ich lange Tage/das Land der Griechen mit der Seele suchend."

Nicht nur der Wahl-Grieche, auch seine deutschen Freunde haben die guten Zeiten nicht vergessen, sie greifen jetzt ins Portemonnaie. Und Hilfe tut wirklich Not, die Briefe von Alexandros Jazakis sind bedrückend. "Eine sechsköpfige Familie. Vier kleine Kinder. Vater 50, arbeitslos geworden, Mutter schon ganz verzweifelt sitzt apathisch am Tisch. Sie bewohnen eine Zweizimmerwohnung. Das Kinderschlafzimmer: Die Decke schwarz vor Schimmel und Feuchtigkeit. Zwei Betten für vier Kinder. Dann zeigt der Vater mir den Kühlschrank. Nichts, aber auch gar nichts darinnen. Das einzige was er hatte, war Wasser aus der Leitung."

Das letzte Einkommen, das Kindergeld, hatte die Regierung gestrichen, Jazakis ging mit dem Mann sofort in den Supermarkt zum Einkaufen. Überhaupt fackelt er nicht lange. Für ein dreieinhalbjähriges Mädchen hat er die Patenschaft übernommen. Denn in Griechenland bekommt nur einen standesamtlichen Namen, wer kirchlich getauft ist. Die alleinerziehende Mutter konnte sich das nicht leisten. Freunde von Jazakis aus Nürnberg und Wien übernahmen einen Großteil der Kosten inklusive Kleid, Kreuz und Kerzen und ein Essen nach der Zeremonie. "Ich habe mir immer Kinder gewünscht und nun bekomme ich eins mit 70", schmunzelt der frisch gebackene Patenonkel.

Helfen, wo es geht, auch wenn viel mehr nötig wäre, will der selbst keineswegs begüterte Künstler jetzt "mit vollem Einsatz meiner Kräfte, ehrenamtlich ohne jede Art von Kostenerstattung". Vor vier Jahren hat er im Garten eine Ikarus-Skulptur errichtet. Dem Absturz seiner verarmten Mitbürger will er nicht tatenlos zusehen. Schon für 19 Familien sieht er sich verantwortlich, er möchte, dass sie alle regelmäßig 50 Euro im Monat bekommen. Und, weil man Geld nicht essen kann, auch Grundnahrungsmittel. Über Facebook konnte er eine Gruppe österreichischer Frauen für seine Hilfsaktion begeistern. Von ihnen kam die Idee eines Gemüsegartens mitten in Aigio, ein Grundstück hat Jazakis dafür bereits gepachtet.

Weitere Infos bei: Alexandros Jazakis,

GR-25100 Agio, Greece, Ano Voulomeno
Tel./Fax: 0030 26910 60318,
Handy: 0030 697388 4278
Mail: info@jazakis-kunst.de

und im Internet unter http://www.jazakis-kunst.de