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11. April 2016

Nachbarschaft

UWC-Schüler laden Flüchtlinge zu einem kleinen Tag der offenen Tür ein

Internationalität ist Trumpf bei den weltweit 15 United World Colleges (UWC): Sie stehen für das gemeinsame Lernen von jungen Menschen aus verschiedenen Nationen. Seit 2014 gibt es auch in Freiburg ein UWC Robert-Bosch-College. Die Einrichtung an der Kartäuserstraße hat nun ihre Pforten noch weiter geöffnet: Rund 50 Bewohner und Familien aus der Flüchtlingsunterkunft in der Stadthalle waren am Sonntagnachmittag eingeladen, sowohl das College als auch dessen Mitglieder kennenzulernen.

  1. Schülerinnen und Schüler des UWC bewirteten am Sonntagnachmittag rund 50 Flüchtlinge im ehemaligen Kartäuserkloster. Foto: Rita Eggstein

Zu Fuß kamen die Gäste in das UWC im ehemaligen Kartäuserkloster und wurden mit einem herzlichen Hallo empfangen. Auf Englisch begrüßte Tina Patzelt, die am College den Bereich "Creativity, Action und Service" (CAS) koordiniert, die vor allem jungen Menschen und Kinder, eine Schülerin und ein Schüler dolmetschten in Farsi und Arabisch. Der kleine Tag der offenen Tür für Flüchtlinge reihte sich gut ins bereits bestehende Engagement des Robert-Bosch-College ein.

So wird seit März mit dem Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee im Rahmen des CAS-Programms zusammengearbeitet: Einen Vormittag pro Woche übernehmen sechs Schülerinnen und Schüler des College die Kinderbetreuung in der Stadthalle. Tina Patzelt hofft, dass aus dieser Initiative mehr wird: Sie denkt dabei etwa an Sportangebote des UWC für geflüchtete Teenager.

Zunächst aber ging es aber am Sonntag ums zwanglose Treffen und Miteinander. Sofort nach der Ankunft der Gäste ging es los, es wurde geredet und viel gelacht, und das ganz selbstverständlich. Sprachbarrieren gab es keine – schließlich kommen nicht nur die Geflüchteten aus verschiedenen Ländern, sondern auch die Schülerinnen und Schüler des College stammen aus rund 90 Nationen. Das Außengelände wurde zum Picknickareal: Im Grünen konnten es sich die Gäste mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen gemütlich machen, während die Kinder spielten. Und Interessierte konnten bei Führungen das Schulgebäude und das Programm des College kennenlernen.

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Doch das war gar nicht die Hauptsache, wie Anita Eberle, Assistentin des Rektors, betonte: "Wichtig ist in erster Linie, dass wir die Flüchtlinge willkommen heißen wollen." Für die Schülerinnen und Schüler des UWC war es wichtig, selbst etwas in Sachen Flüchtlingshilfe zu tun: "Wir wollten nicht nur über das Thema reden, sondern aktiv etwas machen", erzählte Jacqueline Borgstedt. Die 19-Jährige hat das Treffen mit organisiert. Am College seien auch Schüler, die aus Ländern kommen, die von Flucht betroffen seien. "Sie haben in ihren Ferien schon in Flüchtlingsheimen ausgeholfen und darüber berichtet", so Jacqueline Borgstedt. Das habe alle sehr bewegt. Mit der Einladung ans UWC "können wir den Menschen einen schönen Nachmittag schenken".

Mario Wahba (17) kommt aus Ägypten und ist ebenfalls Schüler am Robert-Bosch-College. Nicht nur am Sonntag war er mit Übersetzen – er spricht Englisch und Arabisch – und dem Beantworten von Fragen sehr beschäftigt. Im Rahmen des CAS-Programms betreut er auch Flüchtlingskinder in der Stadthalle. "Ich gebe damit etwas zurück", erklärt der junge Mann seine Motivation. Er selbst fühle sich privilegiert: "Ich habe hier die Chance auf eine richtig gute Erziehung und Schulbildung bekommen." Dagegen stehe die Situation der Flüchtlinge: "Diese Leute brauchen wirklich Hilfe."

Autor: Bettina Gröber