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30. Oktober 2009 17:50 Uhr

Problemfall

Verkürzter Zivi-Einsatz lohnt sich für viele Einrichtungen nicht

Geht es nach der neuen Bundesregierung soll der Zivildienst von 2011 an nur noch sechs Monate lang dauern und mutiert damit zum Sozialpraktikum. Für viele Freiburger Einrichtungen wird das zum Problem.

  1. Noch gibt es Zivis für die Krankentransporte des Roten Kreuzes: Sebastian Grammelspacher bereitet mit Rettungsassistentin Lydia Moser einen Transport vor. Diese Zivi-Stelle wird es bald nicht mehr geben. Foto: Thomas Kunz

"Wenn man Einarbeitungszeit, Schulungen und Urlaub abzieht, lohnt sich das dann kaum noch", meint etwa Helmut Jedele, Zivildienstbeauftragte am Universitätsklinikum Freiburg. Auch von Caritas, Paritätischem Wohlfahrtsverband und anderen Trägern kommen ähnliche Stellungnahmen.

Sebastian Grammelspacher leistet seit 1. September seinen Dienst beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes und ist bei den Krankentransporten eingesetzt. Er hat zunächst eine dreiwöchige theoretische Schulung an der Landesrettungsschule in Bühl absolviert, danach folgten zwei je zweiwöchige Praktika. Nun ist er im normalen Einsatz.

Er ist noch neun Monate lang Zivi. Dass die Dienstzeit verkürzt werden soll, ist für ihn unsinnig: "Das lohnt sich dann ja kaum noch. Man ist kaum da und dann auch schon wieder fertig", sagt er.

So sieht es auch Wolfgang Schäfer-Mai, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes. Das DRK wird von 2011 an keine Zivis mehr im Bereich Krankentransporte einsetzen. "Für sechs Monate Dienst steht der Aufwand für die Schulungen und Einarbeitung in keinem Verhältnis mehr." Die Folge: Der Kreisverband wird mehr Festangestellte einsetzen müssen. Das wiederum bedeute, dass Leistungen im Gesundheits- und Sozialwesen teurer werden.

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Am Universitätsklinikum leisten derzeit rund 200 Zivis Dienst. Wenn 2011 die Verkürzung kommt, bedeute dies einen Rieseneinschnitt, so Zivildienstbeauftragter Jedele: "Natürlich werden das dann auch unsere Patienten zu spüren bekommen", prophezeit er. Auch organisatorisch werde es schwieriger werden. 90 bis 95 Prozent der Zivis seien Schulabgänger, die meist zeitnah nach Ende ihrer Schulzeit ihren Dienst antreten. Das heißt dann bei sechs Monaten Zivi-Dauer: Im zweiten Halbjahr wird es große Lücken in der Zivi-Truppe geben. "Auch die Belastung für das feste Personal wächst, wenn zweimal im Jahr Zivis eingearbeitet werden müssen – die produktive Zeit ist definitiv zu kurz."



Lücken beim Personal fürchtet auch Heidi Mössinger von "Essen auf Rädern" des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, wo derzeit noch zwei Ersatzdienstleistende im Einsatz sind. Früher waren es einmal 14. In den Einrichtungen der Caritas agieren die Zivis immer zusätzlich zum festangestellten Personal . "Es bricht nichts zusammen, aber natürlich wird es bei der persönliche Betreuung Abstriche geben, wenn wir weniger Zivis haben", sagt Rainer Ganter, Personalleiter beim Caritasverband Freiburg-Stadt.

Welchen Sinn haben Zivis noch?

Für manche Einrichtungen der Caritas werde es keinen Sinn mehr haben, bei sechs Monaten Dienstzeit überhaupt noch Zivis zu nehmen. 45 Zivis arbeiten derzeit für den Verband, 85 Mitarbeiter auf Zeit leisten ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). "Früher war das Verhältnis einmal umgekehrt", sagt Gantert.

Bei der Caritas versucht man nun aktiv, mehr FSJlerinnen und FSJler anzuwerben. Es geht dabei nicht allein um zusätzliche Arbeitskräfte. Gantert: "Durch FSJ und Zivildienst lassen sich auch viele junge Menschen für soziale Berufe gewinnen."  

Autor: Joachim Röderer