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30. Dezember 2009 15:35 Uhr

Zivilvcourage

Verletzter Familienvater: "Ich würde wieder helfen"

Vier gegen einen: Ein Schläger-Quartett hat in Kappel nachts einen 31 Jahre alten Familienvater verprügelt – der wollte einem 16-jährigen Jungen helfen. "Ich würde es wieder tun", sagt der Familienvater, trotz der schmerzhaften Folgen.

  1. Als ein Familienvater couragiert einem 16-Jährigen zu Hilfe eilte, der verprügelt wurde, gingen die Täter auf ihn los. Foto: A3542 Karl-Josef Hildenbrand

Timo K. 31 Jahre alt, Koch, Familienvater, hat schmerzhafte Erinnerungen an die Nacht zum Dienstag. Da haben ihn in Kappel an der Peterbergstraße vier Jugendlich so schwer geschlagen, getreten und geprügelt, dass er mit fünf Stichen am Hinterkopf und zwei Stichen an der Lippe genäht werden musste. Sein Kopf schmerzt, die ganze rechte Gesichtshälfte ist blau angeschwollen. Das ist der Preis, den Timo K. für Zivilcourage zahlt. Er hat in jener Nacht einem 16-Jährigem geholfen, den das Schläger-Quartett als eigentliches Opfer auserkoren hatte.

Drei der vier mutmaßlichen Täter – zwei sind 15, einer ist 16 Jahre alt – hat die Polizei inzwischen ermittelt. Für Timo K. war es keine Frage, dass er einschreitet: "Vier gegen einen – das war nicht wirklich fair". Und er sagt auch, trotz der schmerzhaften Folgen: "Ich würde es sofort wieder tun", auch weil er daran denke, was mit dem 16-Jährigen hätte passieren können. Er hatte den Bekannten an dem Abend zufällig in der Straßenbahn der Linie 1 getroffen. Dort hatten die vier späteren Schläger schon den 16-Jährigen angegriffen, aus bislang ungeklärter Ursache.

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BLUTEND UND VERLETZT AM BODEN

"Er hat sie wohl einfach nur falsch angeschaut", berichtet Timo K. Die Attacken setzten sich im Bus Richtung Kappel fort. An der Haltestelle Peterbergstraße stiegen der 16-Jährige und auch seine vier Peiniger aus. Es kam zum Gerangel. Da ging Timo K. dazwischen und versuchte mit den Vieren zu reden: "Was soll der Scheiß?" fragte er. Doch da hat sich der Anführer drohend vor ihm aufgebaut und ihm ins Gesicht gelacht: "Er sagte: Er sei erst 15, die Polizei könne eh nicht anhaben". Dann prügelten die vier Jungen plötzlich auf Timo K. und schlugen ihn sogar mit einem Stein auf den Hinterkopf. Sie traten auch noch auf ihn ein, als er schon blutend und verletzt am Boden lag.

Der 16-jährige Junge, der zuerst angegriffen worden war, hatte inzwischen Nachbarn alarmiert. Als diese eintrafen, flüchteten die Täter. Auch die Polizei war kurz darauf am Ort des Geschehen angelangt. Zwei andere, 16 und 17 Jahre alten Jugendliche, an die sich der angegriffene Junge zuvor gewandt hatte, hatten die Polizei alarmiert. Die Jungen hatten Furcht selbst einzugreifen, da die Schläger massiv zu Werke gingen.

ZWEI WOCHEN AUßER GEFECHT

Drei der vier Täter hat die Polizei ermittelt. Sie waren zuvor nur durch kleinere Diebstähle aufgefallen. Der 16-jährige Täter zeigte sich wenig einsichtig und beleidigte die Polizeibeamten. Und auch die benachrichtigten Eltern der Schläger zeigten sich zum Teil "befremdet" über die noch in der Tatnacht notwendigen Ermittlungsmaßnahmen der Polizei, so Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid.

Timo K. wurde im Krankenhaus versorgt und ist in der Nacht noch auf eigene Verantwortung entlassen worden. Er wird voraussichtlich zwei Wochen nicht arbeiten können. Die Polizei will seinen Fall an den Weißen Ring vermitteln, der Verbrechensopfern hilft. Die Straftat erinnert ein wenig an den Vorfall auf einem Münchner U-Bahnhof, wo im September Dominik Brunner getötet wurde, als er sich schützend vor Prügelopfer stellte. Wie wenig selbstverständlich Zivilcourage ist, zeigt ein Freiburger Beispiel: Als Anfang August zwei Mädchen im belebten Hauptbahnhof übel zugerichtet wurden, hat niemand geholfen – noch nicht einmal einen Notruf wurde abgesetzt.

Autor: Joachim Röderer