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28. Juli 2009
Vom Patriarchen zum Partner
Erst in der Nähe zum Vater können Söhne das Vertrauen in die eigene Männlichkeit entwickeln
Männer über 50 haben oftmals noch die "alte, traditionelle Erziehung" genossen, wie sie in der breiten Bevölkerung gehandhabt wurde. Diese Männer erlebten ihre Väter ganz anders als die Söhne heutiger Väter. Die Väter von damals waren oftmals die Patriarchen der Familie, sie verdienten das Geld und hatten damit das "Sagen". Der Vater war eine Respektsperson, zu der wenig Nähe und Intimität vorhanden war, ihm galt es zu gehorchen.
Zwischen dem Vater und dem Sohn gab es oftmals eine spürbare Distanz. Die natürliche Verhaltensweise ist, dass der Sohn sich zum Vater hingezogen fühlt. Er wurde jedoch oftmals zurückgewiesen und mit seinen Sehnsüchten nach Nähe, Zärtlichkeit, Verständnis, Rückhalt und so weiter abgelehnt Diese waren verpönt als weibliche Attribute, denn ein Mann muss hart sein und zeigt keine Gefühle. Verlangt wurde zu gehorchen, hart gegen sich selbst, schmerzunempfindlich und anständig zu sein.Wenn der Vater mit Härte strafte, so wurde dies damit erklärt, dass er aus seinem Sohn einen richtigen Mann machen wolle. Ein Schlag auf den Po hat noch keinem geschadet, wurden oft die Prügel, welche der Junge erhielt, heruntergespielt. Der Schmerz und die Demütigung mussten versteckt werden, sonst war man kein Mann. Als Sohn galt es die Gefühle zu unterdrücken, um in den Augen seines Vaters zu bestehen und dafür Anerkennung zu erhalten.
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Diese Erziehung wirkt sich in den betroffenen Söhnen bis heute aus, und sie haben sie ihr ganzes Leben lang mit sich herumgetragen. Wenn Gefühle unterdrückt werden müssen, kann man nicht lernen, mit ihnen umzugehen. Wenn sich keine Nähe zum Vater entwickeln kann, fehlt das Urvertrauen in die eigene Männlichkeit, und die Gefühle müssen kompensiert werden. Das Vertrauen in die eigene Männlichkeit findet keinen Nährboden, um lustvoll zu gedeihen.
Die nach außen hin gezeigte Härte macht jedoch einsam, und so mancher Vater steht in seiner Familie im Abseits und weiß sich nicht so recht zu helfen. Als Kompensation wird oft die Aussage benutzt "alles Gefühlsduselei", um weiche Gefühle abzuwerten und abzuwehren und um sein Image aufrecht zu halten. Genauso muss alles logisch und rational begründet werden, damit Vertrautheit, Wärme und Nähe nicht aufkommen.
Die Rolle der Väter bei der Findung zur Männlichkeit ist meines Erachtens von größter Bedeutung. Jungs lernen nur von Vätern oder anderen Männern was ein Mann ist, Und dabei geht es auch um den konstruktiven und adäquaten Umgang mit seinem männlichen Potential, den Eigenschaften und den Gefühlen.
Besonders wichtig ist die Anerkennung des Vaters für einen Jungen, dies sieht man oft im zugewandten Verhalten des Jungen zum Vater und am übergroßen Interesse an dem, was Vater tut. Wenn der Vater seinen Sohn lobt oder tröstet, ist das etwas ganz Besonderes. Es ist die Anerkennung seiner noch reifenden männlichen Persönlichkeit und daher besonders wichtig. Der Autor, Jahrgang 1951, hat eine Praxis für körperorientierte Psychotherapie und ist Mitbegründer und Mitarbeiter im Männerbüro Freiburg (seit 15 Jahren). Das Männerbüro in der Jacob-Burckhardt-Straße 13 in Freiburg, Träger ist die Katholische Gesamtkirchengemeinde, bietet Einzelgespräche und Beratung von Mann zu Mann sowie eine Männergruppe an. Kontakt: Tel. 0761/386 89 70, http://www.maennerbuero-freiburg.de oder info@maennerbuero-freiburg.de
Autor: Josef Lutz
