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05. November 2009 19:17 Uhr
Fahrrad-Special
Warum rote Ampeln manche Radler nicht stoppen
Die Ampel zeigt Rot – der Autofahrer hält. Sitzt derselbe Mensch auf dem Fahrrad, ist das Stoppsignal kein Hindernis. Ein Klischee? Was wirklich hinter dem Verhalten auf zwei Rädern steckt, verrät der Psychologe.
BZ: Was ist der typische Unterschied zwischen Autofahrern und Fahrradfahrern?
Jürgen Schmitz: Zunächst muss man sich vor zu raschen Verallgemeinerungen hüten: Nicht alle Autofahrer rasen und nicht alle Radfahrer warten auf Rot, bevor sie losfahren! Grundsätzlich bestimmt die Fortbewegungsart das Verhalten. Sind die Folgen positiv, wird es verstärkt, sind sie negativ, wird es gehemmt. Ein Beispiel: Radfahrer müssen ihre Hauptenergie aufs Beschleunigen verwenden. Das heißt, alles, was ihren Bewegungsfluss unterbricht, ist aversiv. Rollen lassen ist hingegen nicht sehr anstrengend.
BZ: Was ist mit aversiv gemeint?
Schmitz: Die Unterbrechung ist so unangenehm, dass sie wie eine Strafe wirkt.
BZ: Für Autofahrer ist eine rote Ampel ein eindeutiges Signal zu halten. Auf dem Fahrrad scheint dies jedoch nicht immer selbstverständlich.
Schmitz: Zum einen macht Wiederanfahren Mühe und zum anderen ist die persönliche Erfahrung des Radlers: Ist bisher ja noch immer gut gegangen! Für den Autofahrer ist das Risiko an einer roten Ampel entdeckt zu werden indes viel größer. Außerdem: Für manchen hat das Beschleunigen nach der Rotphase sogar noch einen besonderen Reiz und er muss sich nicht körperlich anstrengen.
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BZ: Gibt es noch weitere Gründe?
Schmitz: Besonders für Radfahrer kommt in vielen Städten ein Faktor dazu: Die Gestaltung des Verkehrsraumes und der Regeln ist auf das Radfahren schlecht abgestimmt. Radler erleben in Städten häufig eine sehr auf die Autofahrer zugeschnittene Verkehrsführung – völlig unsinnige Regeln oder Radwege, die im Nichts enden. Das führt bei manchen Fahrradfahrern dazu, dass sie sich von den Regeln nicht mehr angesprochen fühlen und auf eine Art Partisanenstrategie umschalten. Sie fühlen sich dabei häufig moralisch im Recht.
BZ: Zur dunklen Jahreszeit spielt das Thema Beleuchtung wieder eine große Rolle.
Schmitz: Das hat dagegen wohl eher mit der Einschätzung des Rads als billiges Fortbewegungsmittel zu tun. Da wird von einigen auch der technische Zustand nicht besonders beachtet – und gehen damit ein erhebliches Risiko ein.
BZ: Und wie sieht es mit Alkohol am Lenker aus? Verkennen Fahrradfahrer die Gefahr?
Jürgen Schmitz: In Sachen Alkohol verkennen manche Radler sicherlich die Gefahr, genauso wie einige Autofahrer. Viele glauben, sie würden sich gerade dann richtig verhalten, wenn sie nach einer ausgiebigen Feier statt mit dem Auto mit dem Rad heimfahren. Sie wissen oft nicht, dass sie sich auch ohne Unfall ab 1,6 Promille auf dem Rad strafbar machen und sogar eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung – früher bekannt als Idiotentest – fällig wird. Sollte es zu einem Unfall kommen, liegt die Obergrenze schon bei 0,3 Promille. Der Führerschein könnte also somit verloren gehen. Und Rad fahren dürfen die Betroffenen dann auch nicht mehr.
- Statistik + Karte: Wo leben Radler in Freiburg besonders gefährlich? Bußgeldkatalog: So viel kosten Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung auf dem Fahrrad
Autor: Alexander Bodmer
