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12. Juli 2011

Was für jedes Alter

Wie der Freiburger Einzelhandel sich auf den demografischen Wandel einstellen will.

  1. Generationenfreundlicher Einkauf: Während die Eltern des zweijährigen Alessio sich beraten lassen, kann der Kleine bei Rad-Hild eine Probefahrt mit einem Laufrad machen, das zum Zeitvertreib bereit steht. Foto: Ingo Schneider

Die Bevölkerung wird, so sagen es die Wissenschaftler voraus, auch in Freiburg in den kommenden Jahren im Schnitt deutlich altern. Damit dürften sich auch die Anforderungen an die etwa 1000 Einzelhandelbetriebe in Freiburg stark verändern, prognostiziert Thomas Kaiser vom Handelsverband. Er will nun die Branche mit dem Zertifizierungsprogramm "Generationenfreundlich einkaufen" für das Thema sensibilisieren. Acht Händler haben sich schon erfolgreich dieser Prüfung unter zogen.

"Das ist für uns natürlich ein wichtiger Marketingfaktor", entgegnet Roman Böckling, Verkaufsleiter beim Fahrradgeschäft Hild an der Engesser Straße im Industriegebiet Nord, angesprochen auf das Zertifikat "Generationenfreundlich einkaufen", das der Betrieb seit einigen Tagen sein Eigen nennt. "Natürlich können wir damit werben, aber es ist ein auch ganz unmittelbar für die Kundschaft gut, wenn hier das Umfeld und der Service stimmen. Dann kommen die Leute einfach lieber hierher", so Böckling.

Hild und sieben weitere Betriebe – der Vita-Naturmarkt, Karstadt, Kaufhof, dreimal die Sanitätshäuser Schaub und das Bettenhaus Stiegeler – haben sich in der Stadt schon zertifizieren lassen. Dazu muss ein Katalog mit insgesamt 58 Fragen abgehandelt werden. Mindestens 70 Prozent aller Kriterien sind zu erfüllen, von den besonders wichtigen, sogenannten A-Kriterien sogar alle. Dazu zählt etwa, dass Treppen im Verkaufsraum oben und unten farblich deutlich gekennzeichnet werden – als Hilfe für Menschen, die schlecht sehen – und dass die Eingangstür mindestens 90 Zentimeter breit sein muss – für Rollstühle und Kinderwagen.

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Zertifizierungsprogramm soll Kunden aller Altersgruppen dienen

"Bei dem Zertifikat geht’s nicht nur um Senioren, sondern um Angehörige aller Altersgruppen", erläutert Thomas Kaiser, Projektleiter für "Generationenfreundlich einkaufen" beim Handelsverband. Mit zu den größten Herausforderungen gehöre aber, sich auf die Konsumentenalterung einzustellen. 2009 seien laut Statistischem Landesamt knapp 33 Prozent der Freiburger 50 Jahre oder älter gewesen. Diese Quote werde in zwanzig Jahren bei fast 44 Prozent liegen. "Natürlich wird die ältere Generation dann wohl andere Einstellungen und Vorlieben mitbringen, aber die Einschränkungen des Alters wird es auch dann geben", so Kaiser. Das Zertifizierungsprogramm diene dazu, die Händler dafür zu sensibilisieren, doch jeder Betrieb müsse selbst aktiv werden. Die Zertifizierung kostest je nach Unternehmensgröße 180 bis 700 Euro und gilt drei Jahre. Auf die Betriebe können zudem falls nötig weitere Kosten für bauliche Anpassungen, Zusatzausstattungen oder Schulungen zukommen.

Bundesweit gibt es das Programm seit Anfang 2010, in Baden-Württemberg seit Oktober. Kurios ist, dass die Geschäfte im Umland früher mit der Zertifizierung dran waren als ihre Pendants in der Stadt. So sei das Modehaus Fuchs in Endingen der erste Betrieb in ganz Baden-Württemberg gewesen. In Elzach wolle sich sogar die ganze Stadt generationenfreundlich präsentieren. Praktisch alle Händler stünden vor der Zertifizierung. "Das würden wir uns natürlich auch für Freiburg wünschen", so Thomas Kaiser.

Infos für Händler: Am Mittwoch, 27. Juli, 19 Uhr, stellt der Handelsverband das Programm bei der Sparkasse Freiburg vor. Weitere Infos: http://www.gfe-bw.de

Autor: Holger Schindler